Mit dem Lastenrad in der Summerstraße: So verschafft man sich Platz und Respekt

Fahrradstraße: Mogelpackung oder Meisterleistung?

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In der letzten Gemeinderatssitzung hat der Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen sein Konzept für drei Fahrradstraßen in Herrsching vorgestellt: Madeleine-Ruoff-, Rudolf-Hanauer- und Summerstraße sollen für Fahrradfahrer besonderen Schutz bieten. Allerdings dürften trotzdem Autos und Busse fahren. Nach der Berichterstattung von herrsching.online, in der die „Speichen-Highways” kritisch hinterfragt wurden, verteidigt die Bürgergemeinschaft Herrsching das Kaulen-Konzept. Rainer Guggenberger antwortet auf die Fragen von herrsching.online.

Gemeinderat Dr. Rainer Guggenberger von der Bürgergemeinschaft Herrsching

herrsching.online: Das im Gemeinderat vorgestellte Verkehrskonzept in seinen wesentlichen Bestandteilen ist doch eigentlich gescheitert?

Guggenberger: Das Verkehrskonzept hat ja viel mehr Elemente, wie 30er-Zonen in den Wohnbereichen und Fokus des Autoverkehrs auf die Staatsstraßen und mehr. 

herrsching.online: Der Bus fährt weiterhin durch die Summerstraße, im Begegnungsverkehr bleibt sehr wenig Platz für die Radler. Die Fahrradspur wird dann auf den Bürgersteig verlagert…

Guggenberger: Die Busverlegung ist nur eine Facette, die eben auch nicht einfach ist, wie von Wolfgang Schneider aus seiner praktischen Erfahrung heraus ausgeführt. Auch wenn es ohne Bus in der Fahrradstrasse natürlich besser wäre, sehe ich es als einen Erfolg an, die Fahrradstraße nicht allein davon abhängig zu machen. In der Fahrradstrasse in Weßling fährt auch der Bus, und es funktioniert.  

herrsching.online: Um das Fahrradaufkommen in den neuen Fahrradstraßen zu erhöhen, wollte das Landratsamt die Seepromenade sperren lassen. Dieses Vorhaben ist vom Gemeinderat abgelehnt worden – die Reaktionen aus der Bürgerschaft zeigen, warum.

Guggenberger: Dem Landratsamt ging es bei der Sperrung ja nach eigenem Bekunden darum, das Fahrradaufkommen in den potenziellen Fahrradstrassen zu erhöhen. Wenn das auch anderweitig zusammen kommt, ist das doch vollkommen in Ordnung. Nichts ist hier krachend gescheitert. Ich denke, dass auch das Votum des Gemeinderats und die klare Meinung von Verkehrsplaner Kaulen eine Rolle gespielt haben. Die Fragestellung des Schutzes der Fußgänger auf der Promenade ist eine andere und braucht meines Erachtens auch differenziertere Ansätze..

herrsching.online: Ist eine Fahrradstraße in der vorgeschlagenen Form als Koexistenz zwischen Autos, Bussen, Motorrädern nicht doch eine Mogelpackung? Für die Fahrradfahrer ändert sich bis auf die Knotenpunkte eigentlich nichts. Kennen Sie die zynische Grabstein-Inschrift für einen verunglückten Fahrradfahrer? „Hier liegt einer, der theoretisch Vorfahrt gehabt hätte…”

Guggenberger: Leider gab es in der letzten Zeit viel schwere Unfälle mit Fahrradfahrern; in München stellen sie sogar die meisten Verkehrstoten im letzten Jahr, weil sie eben gegen Autos und LKWs den Kürzeren ziehen. Entsprechende Unfälle in Fahrradstrassen sind mir nicht bekannt. Ich denke, jeder Auto-, LKW-, und Busfahrer hat beim Einfahren in eine Fahrradstrasse eine besondere Aufmerksamkeit und weiß, dass er zur Rücksicht verpflichtet ist. Außerdem hält es viele Autofahrer ab, die Straße zu benutzen, wenn sie andere Alternativen haben. Daher ist eine solche Straße alles andere als eine Mogelpackung. In diesem Sinne bin ich überzeugt, dass in der Gemeinderatssitzung ein großer Schritt gemacht wurde, über den ich mich sehr gefreut habe, auch wenn sicherlich noch einige Hürden zu beseitigen sind.

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