Woodstock in Breitbrunn, nur halt ohne Musik und freie Liebe, dafür mit einem himmlischen Rendezvous: Einige hundert Himmelsgucker bevölkerten am Mittwochabend den Königsberg, der den schönsten Blick über den Ammersee und sein Westufer bietet. Es war generationenübergreifend alles da, was Sinn für astronomische Ausnahmesituationen hatte – vom rüstigen Rentner bis zum Kleinkind, dem es noch vergönnt sein wird (halt nicht mehr als Kleinkind), am 3. September 2081 im Südwesten Deutschlands die nächste Sonnenfinsternis zu beobachten. Viele Sonnengäste hatten tatsächlich keine SoFi-Brille mehr ergattert – ähnlich wie eine bildende Künstlerin aus Breitbrunn, die sich trotzdem perfekt schützte: Sie brachte ihre Schweißerbrille mit, die das himmlische Schauspiel perfekt darstellte. Vor 27 Jahren bei der letzten Sonnenfinsternis, so erzählte sie, habe eine Sekte auf dem Königsberg den Weltuntergang herbeigebetet. Weil der dann doch ausfiel, sah man am Mittwoch keine esoterischen Kulthandlungen mehr.
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