„Ich muss es nicht, also mach ich’s auch nicht“

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So sicher wie ein Bundesliga-Aufsteiger zum Schluss wieder zu den Absteigern zählt, so sicher liegt die Gemeinde Herrsching im Energiebericht des Landratsamtes an letzter Stelle. Auf diesen Platz ist Herrsching seit Jahren abonniert. Quelle: Aktuelle Energiedaten Landkreis Starnberg/Landratsamt

Blick zurück in die Zeiten des Aufbruchs: 2021 führte herrsching.online ein Interview mit dem grünen Gemeinderat Gerd Mulert, der damals auch hauptberuflich die Energiewende betrieb. In einer halben Generationsspanne wollte Herrsching sauber sein, so der Plan vor fünf Jahren. Aus Kaminen und Autos sollte 2035 kein CO2 mehr kommen. Und jetzt? Herrsching hat bei den Erneuerbaren immer noch die Rote Laterne im Landkreis. Und mit der Geothermie-Betreiberfirma führt das Rathaus einen erbitterten Rechtsstreit. Hier nun das volle Interview mit Gerd Mulert aus dem Jahr 2021.

Gemeinde- und Kreisrat Gerd Mulert

herrsching.online: Herrschinger Energiewende in 15 Jahren –wie soll das denn funktionieren?

Mulert: Wie wollen wir die Energiewende in den nächsten 15 Jahren schaffen – tatsächlich eine schwierige Frage.  Wir müssen uns auf allen Ebenen anstrengen.  Wir müssen bei den einzelnen Haushalten anfangen, wo nur eine Person im Haushalt wohnt. Aber auch bei den großen Themen muss man anpacken – es geht um Nahwärmenetze, Fotovoltaikanlagen im großen Stil, Heizungen spielen eine große Rolle, und die Mobilität ist natürlich ein wichtiger Faktor. 

herrsching.online: Was macht die Gemeinde?

Mulert: Schon eine ganze Menge.  Jedes Jahr wird ein Gebäude der Gemeinde energetisch saniert. Kürzlich hat der Gemeinderat private Immobilienbesitzer aufgerufen, Fotovoltaikanlagen auf die Dächer zu setzen oder Freiflächen für bodennahe Anlagen zur Verfügung zu stellen.  In der Summe reicht das natürlich noch nicht. 

herrsching.online: Das Echo aus der Gemeinderverwaltung war nicht sehr enthusiastisch. 

Mulert: Wir müssen uns fragen: Haben wir Flächen für solche Freiflächenanlagen? Allerdings unterliegen sie vielen Verordnungen. Man kann nicht einfach in seinem Garten Module aufstellen, auch ein Landwirt  kann das nicht ohne Genehmigungen machen. Eine Fläche für solche Anlagen sollte größer als ein Hektar sein. Wir haben eine Fläche auf Herrschinger Gemeindegebiet, über die schon diskutiert wurde. Ich bin dafür, dass man sich die noch mal genauer ansieht und nicht sofort sagt: Das geht nicht, da haben wir dieses und jenes Problem. Und wenn es ein Problem gibt, muss man das halt konstruktiv lösen. 

herrsching.online: Würgen Vorschriften die Klimaziele ab?

Mulert: Ich kann die Vorschriften nicht ändern. Das mit den sperrigen Vorschriftgen müssen wir in Berlin lösen. Fotovoltaikanlagen auf Dächern sind übrigens genehmigungsfrei, nur bei Denkmal-geschützten Gebäuden muss das Denkmalschutzamt gefragt werden. Aber für alles gibt es Experten, die das lösen. An den Vorschriften scheitert es nicht –  wenn es scheitert, dann am fehlenden Wunsch und Drive, Dinge umzusetzen. 

herrsching.online: Wie motiviert man Bürger für den Klimaschutz?

Mulert: Auch nicht nur mit einem Argument. Es gibt aber ein wichtiges Argument: die Wirtschaftlichkeit. Sind also Fotovoltaikanlagen wirtschaftlich? Ja, solche Anlagen sind wirtschaftlich. Wenn jemand Geld anlegen und damit eine Rendite erwirtschaften möchte, dann bietet sich eine FA-Anlage an. 

herrsching.online: Warum ist Herrsching kein Klima-Pionier?

Mulert: Keine einfache Frage. Ich führe das darauf zurück, dass wir in Herrsching wahnsinnig viele Ablenkungen haben. Wir haben München vor der Haustür, wir haben die Berge, wir haben den See. Sich aber ums eigene Dach oder um eine umweltschonende Mobilität zu kümmern, kommt dann vielleicht zu kurz. In anderen Regionen wie in Niederbayern oder im Allgäu hat jedes Haus eine eigene Fotovoltaikanlage. Da gehört es einfach zum guten Ton. In Herrsching  denkt man vielleicht: Ich muss es nicht, also mach ich’s auch nicht. Vielleicht ist das Einkommensniveau höher und die Leute denken, ich verdien ich mein Geld halt mit anderen Dingen. 

herrsching.online: Mit welchen Fragen kommen die Herrschingerinnen und Herrschinger zur Energieberatung des Vereins Energiewende (info@energiewende-sta.de)?

Mulert: Viele fragen sich: Wie kann ich mit meinem Haus zur Energiewende beitragen? Die 15 bis 20 Jahre alte Heizung steht dann in der Diskussion. Wir beraten die Leute sehr detailliert –  das kann dann schon mal eine Stunde dauern. Das verstehen wir als Erstberatung, sprechen über die wichtigsten Eckepunkte, geben schließlich Tipps und Hinweise. Wir versuchen, die Leute an die Hand zu nehmen, dass sie was die Pläne umsetzen können. Hier die aktuelle Mailadresse info@energiewende-sta.de

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