Herrsching nahm am Freitag Abschied von Altbürgermeister Adolf Wexlberger. Beim Trauergottesdienst in der evangelischen Erlöserkirche würdigten Pfarrer Ulrich Haberl und die Zweite Bürgermeisterin Christina Reich Leben und Arbeit des geborenen Schweinfurters. Wexlberger war 18 Jahre lang Bürgermeister der Seegemeinde. Dass der gelernte Verwaltungsfachmann immer noch große Popularität in Herrsching genoss, zeigte sich an vielen Vereinsabordnungen, die ihrem ehemaligen Mitglied mit ihren Fahnen einen letzten Gruß entboten.

In der Kirche hatten sich die Feuerwehren aus Herrsching und Breitbrunn, das Rote Kreuz und die Herrschinger Wasserwacht, die Kolpingfamilie, der TSV Herrsching, die Trachtenvereine aus Herrsching und Breitbrunn und aus Platzmangel draußen das Ammerseer Bauerntheater und der Cantilena-Chor aufgereiht. Nach dem Gottesdienst zog die Trauergemeinde mit den Angehörigen über die Bahnhofstraße und den Mitterweg zum Friedhof.
Die Zweite Bürgermeisterin Christina Reich würdigte in ihrer Rede die politischen Verdienste des Bürgermeisters, der die Gemeinde von 1984 bis 2002 geführt hatte. Wexlberger habe in seiner Amtszeit die entscheidenen Weichen bei der Gebietsreform gestellt, den wichtigen Flächennutzungsplan für Herrsching auf den Weg gebracht, den Herrschinger Friedhof erweitern lassen und den Bau eines Kindergartens initiiert. Außerdem sei ihm die Partnerschaft zum italienischen Ravina-Romagnano am Herzen gelegen. Reich verlas deshalb auch das Beileidsschreiben des ehemaligen Bürgermeisters aus dem Trentino: „Lieber Adi, wir sind Freunde“, schrieb er. Christina Reich erwähnte in ihrer Trauerrede auch, dass sich Wexlberger besonders der jungen Menschen angenommen habe: Eine Gemeinschaft könne sich nur weiterentwickeln, wenn man dem Nachwuchs etwas zutraue. Ebenso sei Wexlberger das Vereinsleben wichtig gewesen, und die Vereine haben es ihm gedankt: „Adi, du bist in Herrsching wie ein Denkmal“, sagte einmal ein Vereinsvorsitzender. Denkmäler haben auch Ecken und Kanten – wie sie Wexlberger auch hatte. Unvergessen die Ratssitzungen, in denen noch geraucht werden durfte, dass richtig dicke Luft herrschte.
Pfarrer Ulrich Haberl widmete sich in seiner Trauerpredigt dem Menschen Wexlberger, der sich als junger Mensch nicht für den elterlichen Bauernhof entschieden hatte, sondern für die Beamtenlaufbahn. Damals schon, vermutete Haberl, habe man das Talent des jungen Wexlbergers fürs Auftreten vor den Menschen erkannt, fürs Anpacken und Machen. Wexlberger habe seine Aufgabe als Bürgermeister in Herrsching so ernst genommen, dass sich seine Frau Elfi und Tochter Andrea etwas mehr Präsenz vom Ehemann und Vater gewünscht hätten. Dass er in fünf Wahlen gleich im ersten Wahlgang gewählt wurde, habe ihn besonders stolz gemacht. Kein Wunder bei seiner Art, auf die Menschen zuzugehen – gerne auch mit Witz und Schalk. Und den Takt habe er auch gerne angegeben, er habe keine Gelegenheit ausgelassen, Blaskapellen zu dirigieren.
Wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau Elfi ist auch Adi Wexlberger heimgegangen nach einem erfüllten, 90 Jahre währenden Leben.







