Die ganze Wahrheit: Der Funkmast auf Carlas Kaffeehaus wurde schon 2017 abgebaut.

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Foto: KI-Montage.

Ein Handy in Herrsching, sagt der Herrschinger Dr. Joachim Neudert, sei wie ein Honigtopf, der die Insekten anlockt, und sie dann festklebt. „Das Handy loggt sich zwar erfolgreich ins Netz ein, zwei Balken Feldstärke im G5-Netz der Telekom, aber dann fließen keinerlei Daten“, klagt er. Ein wunderbarer Vergleich, der allerdings offen lässt, warum der Honigtopf so vielen Leuten sauer aufstößt. In der Gemeinderatssitzung informierte der Bürgermeister die staunenden Zuhörer darüber, dass die miserable Funkversorgung auf den fehlenden Funkmast auf Carlas Kaffeehaus in der Seestraße zurückzuführen sei. Da es dieses Haus nun leider nicht mehr gibt, fehlt zwangsläufig auch der Handy-Mast.

Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit deckte herrsching.online-Leser Karl Karlsson auf: „Die Demontage der Mobilfunk-Antenne auf Carlas Kaffeehaus erfolgte im September 2017, abgerissen wurde das Haus jedoch erst 2025.“

Diese Information wurde herrsching.online jetzt durch Hausbesitzer Harald Maler bestätigt. Tatsächlich wurde der Mast im Jahre 2017 abgebaut, weil sich die Telekom und die Familie Maler nicht über die Vertragsbedingungen einig geworden waren. Maler ist von Beruf Elektrotechniker und kennt sich in Sachen Funknetz bestens aus.

Warum allerdings erst jetzt wieder die Beschwerden über die „nicht gute Funknetzversorgung in Herrsching“ (Bürgermeister Schiller) hochkochen, kann auch Maler nicht verstehen. Tatsächlich ist der Handyempfang im Bereich Seestraße, Mühlfelder Straße und Summerstraße eher ein Zufallsprodukt. Telefoniert man mit einem Anlieger in einer dieser Straßen, kommt nach wenigen Sekunden der Hinweis, dass man doch besser aufs Festnetz ausweiche.

Warum die Gemeinde nicht auf Dächern gemeindlicher Liegenschaften Ersatz geschaffen hat, liegt wohl an einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, dass von kommunalen Dächern keine Strahlengefahr ausgehen solle. Wann der Gemeinderat diesen Beschluss gefasst hatte, lässt sich auf der Website des Rathauses leider nicht ermitteln.

Harald Maler erzählte im Gespräch mit herrsching.online, dass es bei der Installation des Funkmastes auf dem Haus in der Seestraße Mobing, Boykottaufrufe, ja sogar Demonstrationen vor dem Kaffeehaus gegeben habe. „Maler, die Verstrahler“, sollen die Demonstranten gerufen haben. „Und alle hatten selber Handys in der Tasche“, kommentiert Harald Maler sarkastisch. Nach der Installation des Funkmasts auf Carlas Kaffeehaus seien, so Maler, im Ort Messungen durchgeführt worden, um die Strahlenbelastung zu erfassen. Ergebnis: Keine ungewöhnlichen Werte.

Drängen sich mehrere Fragen auf:

• Warum hat sich die Telekom nicht um einen Ersatzmasten für die Maler-Anlage gekümmert?

• Warum hat der Gemeinderat nicht den inzwischen skurril anmutenden Grundsatzgeschluss gekippt, dass auf kommunalen Dächern keine Funkmasten stehen dürfen?

• Warum haben die Bürger in Herrsching die miserable Funkverbindung nicht früher zum Anlass genommen, um zu protestieren?

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