Wohin mit dem Schwemmholzrechen im Kiental?

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Der Kienbach, meist nur ein sanftes Bächlein, beschäftigt die Planer des Wasserwirtschaftsamtes seit Jahren. Denn aus Rinnsalen können reißende Wassermassen werden. Deshalb gibt es große (und teure) Pläne für die Sanierung der Uferbefestigungen. Um bei einem lokalen Unwetter in Simbach-Dimensionen Bach und Anlieger vor gefährlichem Schwemmholz zu bewahren, plant das Wasserwirtschaftsamt zudem einen riesigen Rechen im Kiental. Doch auch diese Planungen verlaufen wegen Anlieger-Einsprüchen zäh. Nun wurde auf Höhe des ehemaligen Heine-Optik-Gebäudes kräftig gebaggert. Herrschinger fragen sich nun: Warum?

Von Susanne Böllert

Ein Bächlein wird in den nächsten Jahren mit großem Aufwand saniert: Auf diesem älteren Bild arbeitet ein sogenannter Schreitbagger im Bachbett.

Es war nur ein Nebensatz, den Bürgermeister Christian Schiller auf der Bürgerversammlung im April fallen ließ: Der für den Schwemmholzrechen im laufenden Haushalt eingestellte Posten werde 2026 wohl doch nicht abgerufen werden. Grund genug, um einmal beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) nachzuhaken. Das ist für den in Machtlfing entspringenden Wildbach zuständig.

Schließlich hatte der gut 30 Meter breite und 2,50 Meter hohe Metallrechen schon im vergangenen Sommer für Aufregung in der Kientalstraße gesorgt. Diese aus verschiedenen Stahlträgern bestehende Sperre soll bei einem Hochwasser anrauschendes Schwemmholz stoppen, bevor sich dieses innerorts verkeilen und gravierende Ausuferungen mitverursachen kann.  Einige Anwohner hielten den vom Amt präferierten Standort für den Schwemmholz-Kamm direkt unterhalb des Hauses Kientalstraße 40 jedoch für ungeeignet. An dieser Stelle angebracht würde er die oberen Häuser ja nicht schützen können. Vielmehr würde der Rückstau des mit Schwemmholz vollgelaufenen Rechens die oberen Grundstücke noch mehr gefährden.

Johannes Haas vom WWA erklärt nun auf Nachfrage: „Der Standort hier erscheint uns nach wie vor als der am besten geeignete. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir den Metallkamm 70 oder 80 Meter weiter Richtung Norden, also Richtung Ortskern anbringen. Das hätte den Vorteil, dass ein größeres Zuschwemmungsgebiet berücksichtigt werden könnte. Wir sind noch in der Prüfung.“

Ebenso wenig entschieden sei, welchen Zufahrtsweg man letztendlich nutzen werde. Derzeit geprüft werde etwa die Möglichkeit, über den Gemeindeweg zwischen den Häusern Kientalstraße 44 und 46 zum Ufer zu gelangen. Da aber der Uferstreifen selbst, über den die Baufahrzeuge rollen müssten, in privater Hand sei, stünden derzeit noch Verhandlungen mit einigen Nachbarn an. „Unser erklärtes Ziel ist es, ein Einvernehmen mit allen Anwohnern zu erzielen. Enteignungen, wie sie beim Straßenbau schon mal vorkommen, wird es mit dem Wasserwirtschaftsamt nicht geben“, beruhigt Haas. Andererseits sei die Bedeutung der Hochwasserschutzes mit der Novellierung des Bayerischen Wassergesetzes Anfang 2026 noch einmal besonders hervorgehoben worden.

Wenn die Planungen für Sanierung, optimierten Hochwasserschutz und bessere Durchgängigkeit des Kienbachs aber noch lang nicht in trockenen Tüchern sind, wieso fährt dann bereits großes Gerät durch das, zumindest zeitweise, trockengelegte Bachbett? Wie derzeit auf Höhe Kientalstraße 6 und 7 vor der kleinen Brücke zu beobachten ist.

„Wir haben hier im Bauabschnitt 2 an der Stelle, wo früher Heine Optotechnik stand, einige Arbeiten vorgezogen, weil da sowieso gerade Bauarbeiten bis knapp an die Uferkante stattfinden“, erläutert Johannes Haas. Es handele sich lediglich um Unterhaltungsmaßnahmen, die am Gewässer selbst nichts Wesentliches veränderten und deswegen auch keiner wasserrechtlichen Genehmigung bedürften.

Was genau passiert: Die maroden Stahlbetonmauern häuserseits werden durch flacher ansteigende Wasserbausteine ersetzt, nach Fertigstellung der Maßnahme werde wieder ein naturnahes Bachbett hergestellt. Auch straßenseits sollen Natursteine die baufällige Ufermauer ersetzen –  aber erst, wenn die gesamte Sanierung des Abschnitts ansteht.

Auf 1,5 Kilometer Länge durchfließt der Wildbach den Ort. Unterteilt ist die Strecke in sieben Abschnitte. Zuletzt hat das Wasserwirtschaftsamt für den Bauabschnitt 6, der vom Betonsteg oberhalb des Bahnhofs bis hoch zur Bogenbrücke verläuft, mit den Eigentümern der Häuser Kienbachstraße 8 bis 17 Abstimmungsgespräche geführt. Haas: „Es sollen überwiegend die vorhandenen Ufersicherungen durch Natursteine erneuert werden, wie bereits vor zwei Jahren auf Höhe der Kienbachstraße 6.“ Auch hier hatte es ein angrenzendes Bauvorhaben gegeben. Aufgrund der zu nah an der Uferkante befindlichen Bebauung sei die Verlegung von Wassersteinen jedoch nicht überall möglich. Weshalb etwa auf Höhe Kienbachstraße 17 die vorhandene Betonwand durch eine neue ersetzt werden wird.

„Wir planen, dieses Jahr die wasserrechtliche Genehmigung für Abschnitt 6 zu beantragen“, blickt Haas in die Zukunft. Wie lange das Landratsamt Starnberg dann aber für das Planfeststellungsverfahren brauche, sei ungewiss. „Vor Ende 2027 werden wir sicher nicht mit den Arbeiten beginnen.“

Das größte Kienbach-Hochwasser in den letzten Jahrzehnten hat sich 1999 ereignet. Wie alte Fotos zeigen, sei es zwar nicht zu Ausuferungen gekommen, erklärt Haas. „An ein paar Stellen war es aber sehr knapp.“ Vor fast exakt zwei Jahren, Anfang Juni 2024, war Herrschings Wildbach nach starkem Regen ebenfalls stark angeschwollen, jedoch nicht vergleichbar mit 1999.

Und das sind die Bauabschnitte der Kienbachsanierung, wie sie 2023 im Gemeinderat vorgestellt wurden.

Die Bauabschnitte bei der Kienbach-Sanierung. Plan: Wasserwirtschaftsamt Weilheim

• BA6a: Ufermauern an der Kienbachstraße werden erneuert. Sie sind akut einsturzgefährdet

• BA1: Standsicherheit Böschungssicherheit Andechser Straße 24 ist nicht gegeben. Die Arbeiten werden zusammen mit dem Bauabschnitt BA2 gemacht

• BA3: Die Uferrwand an der Andechser Straße ist massiv unterspült, die Uferwände sind marode

• BA2: Hier gibt es hydralische Defizite (gemeint ist die Störung des Wasserflusses)

• BA5: Zwischen Mühlfelder und dem Bruckerl sind Ufersanierungen fällig

• BA4: Zwischen Andechser und Mühlfelder sind nur Geländeerhöhungen vorgesehen

• BA7: Zwischen Madeleine-Ruoff-Straße und Mündung muss wahrscheinlich nichts saniert werden

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