Messe für Mittelschüler: Hilfe bei Ausbildungsplatz- oder Praktika-Suche

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Text: Susanne Böllert, Bilder: Gerd Kloos

„Es kann doch nicht sein, dass wir keine Bewerber für einen Ausbildungsplatz von der Mittelschule bekommen“, hatten sich bereits vergangenes Jahr die Brüder Wolfgang und Michael Darchinger gewundert – und daraufhin erstmalig die Herrschinger Berufsmesse initiiert, die ausschließlich den Mittelschülern vorbehalten ist. „Damit wollen wir unsere Wertschätzung gegenüber diesen Jugendlichen zum Ausdruck bringen“, erklärte Schreinermeister Darchinger am Dienstagnachmittag in der Martinshalle. Hier präsentierten sich erneut Ausbildungsbetriebe aus Herrsching und Umgebung den Mittelschülern und -schülerinnen ab der achten Klasse. Dieses Mal aber unter dem Dach des WIR-Verbands.

Katharina Casper, Rektorin der Christian-Morgenstern-Schule, habe sich gefreut, dass die Gewerbetreibenden diese Aufgabe übernommen hätten, berichtete Darchinger. Die Koordination zwischen Schule und Betrieben haben allerdings dessen Bruder Michael und Tobias Johann übernommen, Lehrer und Kontaktperson für Berufsorientierung an der Mittelschule. „Wir konnten 17 Aussteller gewinnen, die ihre Stände hier kostenlos aufstellen dürfen“, sagte Johann, schließlich man wolle nicht nur den Jugendlichen helfen, einen geeigneten Praktikums- oder sogar Ausbildungsplatz zu finden, sondern auch die Herrschinger Wirtschaftslandschaft stärken.

Künstliche Intelligenz – Werkzeug oder Jobkiller?

Unter den Ausstellern fanden sich Vertreter aus Handwerk, Handel, Gastronomie, Dienstleistung und mit DigPanda Robotics auch aus der Industrie. Während bei dem Serviceroboter-Vertriebspartner natürlich voll auf Künstliche Intelligenz und Digitalisierung gesetzt wird, konnten Handwerksbetriebe wie der Spenglerbetrieb Ludwig Bernlocher aus Hochstadt, der Werkzeugbauer Romacker aus Gilching oder auch die seit 200 Jahren, inzwischen in der sechsten Generation geführte Herrschinger Bäckerei Sigl mit dem Gegenteil punkten: der Notwendigkeit menschlicher Intelligenz und Arbeitskraft. „Für uns ist KI nur ein Werkzeug, kein Karrierekiller“, erklärte Raumgestalter Michael Darchinger, „die kann rechnen wie sie will, ein Möbel ist damit noch nicht gebaut.

Und der 15-jährige Dominik Becher erklärte: „Ich werde Schreiner oder mach‘ was auf dem Bau. So viel ist sicher, da kann mir die KI nichts kaputt machen.“ Während der Hechendorfer schon ein Praktikum bei einem Metallbauern in Seefeld und eins beim Bauunternehmen Dosch absolviert hat (das war auf der Berufsmesse ebenfalls auf Nachwuchssuche), jobbt sein Freund Alejandro Tinnes bereits nebenbei in einem KfZ-Betrieb. „Autos, Rumschrauben, das ist mein Traum. Da kann man sich auch mal die Hände schmutzig machen“, schwärmt der Friedinger. Um einen optimalen Eindruck zu hinterlassen, hatten sich die beiden Jungs allerdings in Hemd und Anzug präsentiert.

Auch Murtaza Haidari sah in seinem Anzug und mit Krawatte wie aus dem Ei gepellt aus, „damit sich später alle an mich erinnern können“. Den fast 14-Jährigen am meisten beeindruckt habe indes die AWA. „Der Vertreter hat alles super gut erklärt, dass sie ihre Azubis sofort mitnehmen und immer viel draußen sind. Und dass sie mit nur 20 Leuten die Trinkwasserversorgung von 800.000 Menschen stemmen. Krass.“ Möglicherweise lässt Haidari sein erstes Berufsziel Anwalt und die Krawatte doch noch sausen, um beim kommunalen Wasser- und Abwasserbetrieb durchzustarten.

Auch Mädels fanden Interesse an handwerklichen Berufen

Interessanterweise fanden auch einige Mädels Gefallen an den Handwerkerständen und ließen sich zum Beispiel die Handhebelpresse am Romacker-Stand erklären, mit der sich Stahl stanzen lässt. Ihre Frage nach einem Praktikumsplatz erfreute den Mitarbeiter Andreas Huber sehr: „Es ist generell unfassbar schade, dass wir so wenig Frauen haben. Sie bringen für den Job als Feinwerkmechaniker ja meist mehr Feingefühl mit als Männer und schwer heben muss man auch nicht mehr. Es gibt für alles Kräne inzwischen.“ Sein Kollege Josef Lutzenberger ergänzte: „Ohne Werkzeugbau wäre Deutschland nichts.“

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