Von Nikolai Holzach und Susanne Böllert
24 Stunden ohne Pause ist das Team aus Breitbrunn in Ungarn im Kreis gefahren. Pro Runde 1,3 Kilometer und acht Kurven. Start am Samstagmittag, Ende am Sonntagmittag. Dazwischen unzählige Kilometer in einem 30 Jahre alten Subaru Impreza auf Asphalt und vor allem auf Schotter. Staub im Gesicht, die Sonne in den Augen, nachts die Scheinwerfer der Konkurrenten. Und pausenlos der Lärm von 66 röhrenden Motoren in den Ohren.
Nach 24 zermürbenden Stunden haben Sebastian Lidl aus Breitbrunn, Hubert Metz, Inhaber einer Subaru-Vertragswerkstatt in Andechs, Gabor Cziffra, ehemaliger Mechaniker bei Metz, Stefan Dorn, Inhaber eines großen Blumengeschäfts in Andechs, sowie der Ex-Herrschinger Elias Weisenborn am 4. Oktober 2026 den Sieg beim diesjährigen Rallycross-24-h-Rennen im ungarischen Nyirád eingefahren. Mit zehn Runden Vorsprung vor ihren internationalen Konkurrenten. Trotz eines fehlenden zweiten Gangs nach einem Getriebeschaden und weiterer technischer Probleme, die das Team stoisch ignorierte.
Dabei ist es nicht das erste Mal, das die Gang das Siegertreppchen auf der zwei Stunden von Graz entfernten Rennstrecke in der Nähe des Plattensees erklommen hat. 2022 machten die Freunde ihre in einem Breitbrunner Bauernhof geborene Schnapsidee zum ersten Mal wahr. Sie fuhren nach Ungarn – und gewannen auf Anhieb. Platz eins in einem internationalen Starterfeld. Mit einem alten Subaru. Ohne vorher jemals ein 24-Stunden-Rennen gefahren zu sein. Mit so einem Ergebnis geht man natürlich nicht nach Hause, ohne wieder anzutreten. 2025 wurde das Freundesteam Zweiter – mit einem gebrochenen Federbein und diversen anderen Handicaps.
Gerade die speziellen Anforderungen machen dieses Rallycross-Rennen aus. Denn hier treten keine millionenschweren GT-Rennwagen an. Gefahren wird mit vergleichsweise einfachen, seriennahen Autos auf normalen Straßenreifen: alte Golfs, Polos, Twingos, BMWs – oder eben ein Subaru. Zweiradantrieb ist vorgeschrieben. So mussten die Andechser Schrauber im Team erst den Allradantrieb ihres Subarus Baujahr 1916 ausbauen.
Wer gewinnen will, braucht nicht unbedingt das schnellste Auto. Er braucht vor allem eines, das 24 Stunden durchhält – und eine Mannschaft, die es genauso lange auf der Strecke halten und am Ende ins Ziel bringen kann. Genau das dürfte die Jungs geködert haben: schrauben, Gas geben und Staub schlucken … oder schlucken lassen, wenn man das Feld anführt.
Wer aber schon einmal die Holztreppe zu ihrem „spider shack“ auf besagtem Breitbrunner Bauernhof erklommen hat und sich in dieser „Männerhöhle“ mit Star-Wars-Plakaten, Siegertrophäen, einer Gedenktafel für einen verlorenen Freund und Bier, viel Bier, umgeschaut hat, weiß: Das ist nicht die letzte verrückte Idee, die die Runde ausgeheckt hat – und später auch realisiert. So wie etwa die Segeltour in etwas anderer Besetzung, die sie mit einem 80 Jahre alten, abenteuerlichen Segelboot von Heiligenhafen über die Biskaya bis nach Venedig reisen ließ. Doch das ist eine Geschichte für sich.
Den Tripp nach Nyirád haben sie aber wohl vor allem Gabor Cziffra zu verdanken, dessen Vater Rennfahrer war und der sich schon selbst auf der einen oder anderen Strecke versucht hat. Was aber ist das Geheimnis ihres nun schon dreifachen Erfolgs?
Sicher zählt dazu die wachsende Erfahrung, mit der sie inzwischen an den Start gehen, und der kluge Rhythmus, den die Ausdauer-Fahrer in diesem Jahr fürs Rennen wählten: Tagsüber wechselten sie sich alle zwei Stunden am Lenkrad ab. Nachts, als es auf der Strecke etwas weniger aggressiv zuging, nur noch alle vier Stunden. Vielleicht findet man die Antwort auch unter der Motorhaube ihres Subaru Impreza von 1996. Aber sicher auch in der speziellen Atmosphäre ihres Männertreffs, wo aus dummen Ideen manchmal ziemlich große Abenteuer werden. Und wo das Wichtigste bei all dem offenbar nie vergessen wird: Es soll Spaß machen.




