Von Susanne Böllert
Wenn ab 17. Oktober unter dem Titel „Entdeckungen“ rund 50 noch nie zuvor ausgestellte Werke des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach im Herrschinger Kurparkschlösschen zu sehen sein werden, wird der Kulturverein Sicherheitsmaßnahmen ergriffen haben, wie sie für die Ammerseegemeinde bisher einmalig sind. Ob der steinerne Löwe vor dem Eingang des 1888 errichteten Lustschlosses dabei eine tragende Rolle spielt? Wir nehmen Sie mit zu einem „behind the scenes“.
© Martin PlüddemannZwei widerstreitende Gedanken seien ihr gleichzeitig durch den Kopf geschossen, sagt Catharina Geiselhart, wenn sie sich an den Moment erinnert, in dem sie von den Plänen des letzten lebenden Lenbach-Enkels Reinhold Neven Du Mont erfuhr. Der möchte, seinem Großvater zu Ehren, Bilder ausstellen, die Lenbach von einer neuen, viel privateren Seite zeigen. Zwischen „Das ist der Jackpot!“ und „Das ist wahnsinnig viel Arbeit für einen kleinen Betrieb wie uns!“ sei sie hin und hergeschwankt, gesteht die zweite Vorsitzende des Kulturvereins und herrsching.online-Redakteurin.
Viel Arbeit nicht nur deswegen, weil das Kurparkschlösschen, das die Lenbach-Werke zwischen 17. Oktober und 8. November beherbergen wird, kein großes Ausstellungshaus ist mit den dort üblichen Rahmenbedingungen für Dauer- und Wechselhängungen. Sondern auch, weil das im Auftrag des Landschaftsmalers Ludwig Scheuermann erbaute Lustschloss heute zahlreichen Zwecken dient. So fungiert es mal als Standesamt, mal als Feier-Location für Privatleute, es öffnet für Vereinsveranstaltungen, für Konzerte und Vorträge seine Türen. Und um diese öffnen zu können, sind eben auch zahlreiche Schlüssel im Umlauf. „Die sauberste und sicherste Lösung war es also, die Schlösser im Schloss kurz vor Anlieferung der Bilder auszutauschen und erst nach dem Abhängen wieder durch die üblichen zu ersetzen“, erklärt Kuratorin Geiselhart.
„Dabei sichern wir natürlich nicht nur die schwere Holztüre auf der Vorderseite des Gebäudes“, ergänzt Heinz Hellerer, erster Vorsitzender, „der Hintereingang, die Türe zum Untergeschoss für die Feuerwehr, alle Türen in Erd- und Obergeschoss sowie im Dachgeschoss bekommen ebenfalls die temporären Schlösser.“ Der Schlossaustausch sei aber nur einer von vielen Schritten eines Sicherheitskonzeptes, das man noch vor der inhaltlichen oder räumliche Konzeption der Ausstellung erarbeitet habe.
So erhält das Kurparkschlösschen anlässlich der Weltpremiere, die die Bilder aus dem Besitz des Lenbach-Enkels sowie dem entfernterer Nachkommen feiern werden, auch eine Alarmanlage mit Bewegungsmelder. „Der Kulturverein profitiert tatsächlich längerfristig von den Anstrengungen, die wir für die aktuelle, absolut hochkarätige Ausstellung unternommen haben“, fährt Geiselhart fort. Die mobilen, spendenfinanzierten Spotanlagen könnten natürlich auch in Zukunft eingesetzt werden. Ebenso wie das mobile Zahlungssystem, das man noch vor Ausstellungseröffnung einführen möchte. „Das wäre besonders auch für Konzerte zeitgemäß.“
Hellerer erklärt indes: „Der Denkmalschutz war eine weitere Herausforderung, der wir uns wieder stellen mussten. So können wir keine permanenten Hänge- oder Beleuchtungsschienen anbringen. Und auch die Verkabelung kann nicht dauerhaft bleiben und muss später wieder entfernt werden.“
Auch wenn das Kurparkschlösschen nur dank einigem Erfindungsgeist und vieler Mühen jetzt den Anforderungen entspricht, die für eine Präsentation der wertvollen (natürlich gut versicherten) Lenbach-Gemälde erfüllt sein müssen, gibt es eine Person, die sich keinen besseren Ort vorstellen könnte. Und das ist der Leihgeber selbst. Reinhold Neven Du Mont erklärt: „Vielleicht gäbe es modernere Räume, in denen man die Bilde leichter hängen könnte, aber nicht schöner! Ich bin sehr froh, dass wir hier in diesem reizvollen Gebäude ausstellen, das 1888, also genau zur Hochzeit Lenbachs, erbaut wurde. Zu Vergnügungszwecken, denn gewohnt hat hier nie jemand.“ Und nun diene die Scheuermann-Villa dem Vergnügen, Unbekanntes über seinen berühmten Großvater zu entdecken.
Ihm zu Ehren hat Neven du Mont, der am 12. November seinen 90. Geburtstag feiert, aber nicht nur die Ausstellung angestoßen, die im nächsten Jahr in Lenbachs Geburtsstadt Schrobenhausen zu sehen sein wird, sondern auch einen edlen Ausstellungskatalog herausgegeben. Dafür konnte er auf die Unterstützung der Kuratorin sowie seiner Frau Pe-Lin, einer Fotoingenieurin, zählen. Die sagt: „Den Verkaufserlös (für das quadratische, mehr als 70 Seiten starke Buch werden 15 Euro fällig) möchten wir in Gänze dem Kulturverein spenden. Unter der einzigen Bedingung, dass der Betrag für Veranstaltungen für Kinder verwendet wird.“
© Martin PlüddemannUm für den Katalog optimale Reproduktionen der Werke zu erstellen, muss es im Hause Neven Du Mont recht abenteuerlich zugegangen sein. „Der Grafiker Pascal Fendrich und der Fotograf Martin Plüddemann, mit denen ich seit unserer Kölner Zeit bekannt bin, sind für ein Wochenende angereist“, erzählt Pe-Lin, „es war Sommer, draußen war es sehr sonnig und heiß und wir hatten das Wohnzimmer komplett verdunkelt, um die aufgestellten Werke ohne störende Reflexionen ablichten zu können.“ Auch in Nachtschichten. Denn, da die Lenbachbilder alle andere Formate aufwiesen, deren Oberflächen oft nicht plan seien, manche unter Glas, andere gerahmt, sei die Reproduktion ziemlich anspruchsvoll gewesen.
Nun aber halten alle Beteiligten Kataloge und Flyer in Händen und blicken erwartungsvoll auf den 17. Oktober, wenn um 17 Uhr die Ausstellung „Entdeckungen“ eröffnet wird. Die Anreise mit der S-Bahn wird empfohlen.







Respekt. Diese kulturell ambitionierte Ausstellung lasse ich mir nicht entgehen.
Wahnsinn, die Werke eines so großen Meisters in Herrsching, das ist ein Highlight. Der Aufwand für den Kulturverein ist zwar hoch, aber das wird sicher toll!