
Die Fenster wackelten, wenn ein schwerer LKW an ihrem Haus in der Herrschinger Straße vorbeifahre, der Lärm sei unerträglich, gar gesundheitsschädlich, klagen Breitbrunner Anwohner in einem Antrag an die Gemeinde. Ihre Hoffnung auf Tempo 30 dürfte nun dennoch einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Denn selbst Inning, auf das sie sich in ihrem Antrag beziehen, wird das Limit demnächst wieder verlieren.
Zwei Breitbrunner haben einen erneuten Vorstoß unternommen, für die gesamte Ortsdurchfahrt Tempo 30 anordnen zu lassen. In ihrem Antrag fordern sie die Gemeinde Herrsching auf, die gewünschte Tempobeschränkung bei der übergeordneten Straßenbaubehörde zu beantragen sowie eine amtliche Lärmmessung zu veranlassen und die Herrschinger Straße (die Staatsstraße 2067) in den kommunalen Lärmaktionsplan aufzunehmen.
Landratsamt hatte schon 2022 durchgängigem Tempo-Limit eine Absage erteilt
Das Thema beschäftigt den Gemeinderat schon länger – ein entsprechender Antrag der SPD-Fraktion war bereits 2022 vom Starnberger Landratsamt abgelehnt worden. Wir berichteten.
Die Unterzeichner des aktuellen Antrags schreiben jetzt: „Die Dauerlärmbelästigung für die gesamte Wohnbevölkerung des Ortsteils ist unzumutbar hoch und gesundheitsgefährdend.“ Fahre ein schwerer LKW vorbei, wackelten die Fenster im Haus, im Garten sei keine Unterhaltung mehr möglich. Der massive Freizeitverkehr im Ammersee-Gebiet inklusive hochdrehender Motorräder sorge besonders am Wochenende sowie an Feiertagen für einen inakzeptabel hohen Lärmpegel.
Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, beziehen sich die Antragsteller auf die Nachbargemeinde Inning, durch die schließlich dieselbe Staatsstraße führe, auf der aber seit 2022 ein durchgängiges Tempolimit von 30km/h herrsche. Eben dies müsse endlich auch im Herrschinger Ortsteil Breitbrunn durchgesetzt werden.
In Breitbrunn gibt’s schon Flüsterasphalt – laut ist es trotzdem
Im Laufe der Bauausschusssitzung am Montag machte Bürgermeister Christian Schiller allerdings darauf aufmerksam, dass in Breitbrunn – anders als in Inning – bereits Flüsterasphalt aufgebracht und deswegen die Sachlage eine andere sei. „Außerdem ist die Gemeinde, die sich schon mehrfach für ein Tempolimit in Breitbrunn, gerade wegen der vielen Kurven, ausgesprochen hat, nun einmal nicht für die Staatstraße zuständig“, wiederholte Schiller Bekanntes. Zuständig ist das Landratsamt Starnberg. Und das hat bislang nur im Bereich der Pflegeeinrichtung des Dominikus-Ringeisen-Werks (besser als „Kloster“ bekannt) Tempo 30 angeordnet.
Während im Bauausschuss Einigkeit darüber herrschte, dass die Lärmbelästigung durch die Durchgangsstraße – Flüsterasphalt hin oder her – sehr hoch ist, machte SPD-Gemeinderat Wolfgang Schneider auf einen anderen Punkt aufmerksam: die Gefährlichkeit der engen, kurvenreichen Straße. „Es muss unbedingt Tempo 30 her für ganz Breitbrunn. Gerade bei Begegnungsverkehr ergeben sich immer wieder gefährliche Situationen“, mahnte Schneider. Der muss es wissen. Denn für das Busunternehmen Ammersee-Reisen fährt Herrschings dritter Bürgermeister regelmäßig Kinder und Jugendliche zu den Schulen des Ortes.
Der Bauausschuss entschied einstimmig, den Antrag zu vertagen, aber bei der Unteren Verkehrsbehörde sowie dem Straßenbauamt erneut nach möglichen Lösungen anzufragen sowie zu eruieren, wie hoch die Kosten für ein Lärmschutzgutachten wären. Die klamme Gemeinde könne diese allerdings sicher nicht stemmen. Da dies ein offenes Geheimnis ist, haben sich in Breitbrunn bereits Bürger bereiterklärt, Spenden für sein solches Lärmschutzgutachten einzutreiben, das Grundlage für eine Tempo-30-Regel sein könnte. Könnte nicht muss, wie Schiller betonte, um allzu hohe Erwartungen zu bremsen.
Wenn die Sanierung der Ortsdurchfahrt in Inning startet, war’s das mit Tempo 30
Auch die Information, dass das Tempolimit in Inning zeitlich begrenzt ist, wird den Anwohnern nicht eben Grund zur Hoffnung geben. „Tempo 30 wird in Inning Ende 2027 auslaufen“, wusste Schiller zu berichten, „mit den Sanierungsarbeiten der Ortsdurchfahrt, die das Straßenbauamt vornehmen wird, endet die Geschwindigkeitsbeschränkung. Denn dann werde auch hier Flüsterasphalt aufgebracht – und die Notwendigkeit für Tempo 30 entfallen. Jürgen Hafner, Geschäftsleiter der Gemeinde Inning, bestätigte auf Anfrage, dass es sich in Inning tatsächlich nur um ein zeitlich befristetes Tempo-Limit handelt.
Susanne Böllert



