Start ins Schuljahr: Macht dann bitte 64,70

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Oskar, Miriam und Felix Schmitter suchen die Schulmaterialien zusammen, die von der Schule vorgeschrieben werden. Das ist nicht immer einfach – wer weiß schon, was ein „Silbenstift" ist? Foto: Böllert

Schule ist heute so kompliziert wie das ganze Leben: Pausenbrot und Hefte in den Schulranzen und losschlurfen, das war einmal. Heute gibt es vor Schuljahresbeginn Materiallisten, die den Müttern, hilfsweise auch Vätern, die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Damit die Kinder vollsortiert in der Schule aufkreuzen, gibt es jetzt sogar eine Website namens Leichteliste, die bei der Materialbeschaffung helfen soll. Unsere Autorin hat das Start-Up-Tool ausprobiert..

Heftumschlag liniert mit Rand, Din A 4; Schnellhefter mit fünf Trennblättern; mittel- oder azurblauer Umschlag für Französisch; abheftbarer Locher… abheftbarer Locher? Was zum Henker ist denn das? Jedes Jahr, wenn sich die Ferien dem Ende zuneigen, wiederholt sich dasselbe Spiel: Ratlose Eltern – je mehr Schulkinder, desto ratloser – starren zunehmend verzweifelt auf die Materiallisten, die ihnen die Schulen zugeschickt haben. Sie versuchen, sich in den engen Regalen der Schreibwarengeschäfte zu orientieren und möglichst passende Artikel zu den häufig kryptischen Bezeichnungen zu finden (was mag sich hinter einem „Silbenstift“ verbergen?). Matcht endlich ein Produkt zwischen Regal und Liste, muss der Posten auf der Materialliste umgehend gestrichen werden. Und bitte nicht den Überblick verlieren, denn sonst heißt es: „Alles auf Null. Bitte starten Sie erneut.“

Relativ gelassen steht Miriam Schmitter zwischen ihren Söhnen Oskar, der am 15. September in die achte Klasse kommt, und Felix, der in die siebte startet, in der Köglmayr-Filiale in Herrsching und füllt nach und nach ihren Korb mit Heften, Stiften, Blättern, Umschlägen, Kleber und Schere. Die Söhne der Herrschingerin besuchen nach einem längeren Auslandsaufenthalt als Tagesschüler das Landheim Ammersee in Schondorf und unterstützen ihre Mutter im Schreibwarenladen nach Kräften.

Ich selbst durfte daheim kurz zuvor auf die Hilfe meines eigenen Sohnes zählen, der uns die Materialliste für die Jahrgangsstufe 9 ausgedruckt hatte. Damit wollen wir die Website leichteliste.de füttern. Die Inhaber des 2024 gegründeten Start-Ups, Staffan Schilke aus Gräfelfing und Jakob Thiele aus Weßling, versprechen Großes: „Wir haben LeichteListe entwickelt, um Eltern beim Einkauf der Schulartikel zu unterstützen. Dabei können sie ganz einfach ihre Schulmaterialliste bei leichteliste.de hochladen. Die Artikel auf der Liste und die auf der Liste genannte Schule werden mittels KI analysiert und zugeordnet. Mit diesem Ergebnis bekommen die Eltern dann konkrete Produktvorschläge und unterschiedliche Bezugsquellen zur Auswahl.“

Für Herrsching und Umgebung werden drei stationäre Händler genannt: Der Köglmayr in Herrsching, der in Seefeld und Dein Laden in Wörthsee. Wir wollen nun wissen, ob das neue Tool, das nach Angaben von Schilke in diesem Jahr bundesweit bereits 40.000 Listen abgearbeitet hat, tatsächlich eine Erleichterung ist auf dem beschwerlichen Weg der Schulmaterial-Beschaffung.

  1. Upload der Liste. Easy
  2. Korrigieren: Einige Angaben hat die KI nicht richtig verstanden, die menschliche Intelligenz muss nachhelfen. Die Angabe „Im Schnellhefter liniertes Papier mit Rand“ hat LeichteListe zum Beispiel überfordert, sie schlägt einen weiteren Schnellhefter vor. Außerdem können wir jetzt (erst) die Artikel wieder abwählen, die wir noch vorrätig haben – und streichen diese parallel online und auf Papier.
  3. Shop-Auswahl: Wir wählen natürlich den Herrschinger Laden, auch wenn uns alternativ mehrere Onlineshops vorgeschlagen werden, deren bestes Angebot bei 77,70 Euro liegt.
  4. Kommentare: Hier ergänzen wir „die linierten Blätter“.
  5. Abschicken und Erhalt einer Bestätigungs-Mail.

Die Neugier treibt mich gleich darauf in den Schreibwarenladen, wo mich Mitarbeiterin Astrid Götz mitnimmt an den Computer. Tatsächlich. Meine Bestellung über LeichteListe ist schon im Posteingang gelandet. „Das ist allerdings das erste Mal, dass ich eine solche Mail von LeichteListe sehe“, sagt Götz. Ihr Chef Wolfgang Köglmayr bestätigt: „Ich habe mich dieses Jahr mit meinen Läden in Murnau, in Seefeld und in Herrsching bei LeichteListe registriert, aber bislang in keinem der drei Standorte eine Bestellung darüber erhalten“. Köglmayrs Vermutung ist, dass die Lehrer zu spät von dieser Möglichkeit erfahren haben, um davon noch Gebrauch machen zu können.

Dass die Eltern ihre Materiallisten selbst per E-Mail schicken oder gleich im Laden vorbeibringen, sei allerdings schon seit langem Usus, erklärt seine Mitarbeiterin. „Wir machen die Bestellung dann bis spätestens zum nächsten Tag fertig. Und wir sagen vor Abholung natürlich Bescheid, wenn wir etwa noch ein Buch bestellen müssen“, erläutert Götz einen Service, den viele Schreibwarenläden ganz unabhängig von LeichteListe bieten.

Tatsächlich, nur einen Tag später kann ich sämtliches Material abholen … und muss erst einmal schlucken: Statt der 77,70 Euro des billigsten Onlineshops werden beim Köglmayr 97,43 Euro fällig. Rossmann und der Baumarkt Hobbyland bieten in Herrsching ebenfalls Schulmaterial an, und zwar deutlich preiswerter, geht es mir durch den Kopf. „Das stimmt“, pflichtet Köglmayr mir bei, „doch haben Sie dort längst nicht dieselbe Qualität wie bei uns und es kann auch nicht alles vorgehalten werden.“ Als weitere Gründe für die fast 20 Euro Differenz im Vergleich zum Onlinehandel führt Köglmayr an: Im stationären Handel müssen Personal- und Mietkosten gezahlt werden. „Doch dafür liefern wir auch eine fachkundige Beratung und die Möglichkeit zur Reklamation.“ Außerdem, so appelliert der Schreibwarenladen-Inhaber, solle sich jeder Verbraucher vor Augen halten, wie sehr Lieferdienste zur CO2-Produktion beitrügen – und nicht zuletzt zum Ladensterben in Städten und Gemeinden.

Und unser Fazit zu LeichteListe? Die Zuordnung Artikel auf der Liste/reelles Produkt finden wir gut. Dass bei den Online-Shops der Preis vor Bestellung angezeigt wird, ist ein Muss. Wünschenswert, aber wohl nicht umsetzbar, wäre das auch für den lokalen Handel. Die Liste, wie gewöhnlich, an den Fachhändler des Vertrauens zu mailen oder einfach vorbeizubringen und sich von den fachkundigen Angestellten helfen zu lassen, bleibt aber wohl die praktischste Lösung. sus

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