Sage Deine Meinung, aber sage sie mit offenem Visier und ohne Pöbelei. Mit diesem Anliegen wendet sich die ehemalige Ärztin und politisch engagierte Bürgerin Dr. Regine Böckelmann an die herrsching.online-Leser. Böckelmann gefällt nicht, dass manche Kommentare unter herrsching.online-Artikeln mit einem Pseudonym ohne Klarnamen erscheinen. Auch andere Leserinnen und Leser haben sich über diese Verschleierung der eigenen Identität beschwert. Der Redaktion gefällt diese Praxis ebenfalls nicht. Andererseits erschienen schon anonyme Kommentare, die wichtige Nachrichten ans Licht der Öffentlichkeit brachten (Whistleblower). Wir veröffentlichen den kurzen Essay von Regine Böckelmann als Anregung für weitere Meinungsäußerungen.
„Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut in Deutschland, sie ist grundgesetzlich abgesichert. Ihre Grenzen sind sehr weit gesteckt, und das ist auch gut so. Trotzdem wird oft davon geredet, dass auch in unserem Land die Meinungsfreiheit eingeschränkt sei. Gemeint ist damit meistens Widerspruchsfreiheit oder gar Beleidigungsfreiheit.
Ein gelegentlicher Blick in die sozialen Medien kann einen das Gruseln lehren: es tut anscheinend unheimlich gut, dem anderen, dem mit der anderen Meinung, mal so richtig zu sagen, wie schlecht man über ihn denkt. Auf X, vormals Twitter, kommt mittlerweile kaum ein Tweet ohne die Beleidigung der Gegenseite aus, oft nachgeschoben an das eigentliche Argument, oder auch völlig selbstständig als alleinige Antwort. Die Positionen spitzen sich zu, bis am Ende nur noch gepöbelt wird.
In einem solchen Setting ist es schwierig, sich mit den Ansichten anderer Menschen wertschätzend auseinanderzusetzen. Vieles wird möglicherweise auch falsch verstanden. Es fehlt die Gelegenheit zur unmittelbaren Gegenrede und die Möglichkeit, dem Gegenüber, wie bei einem Gepräch, ins Gesicht zu sehen.
Die Auseindersetzung erfolgt natürlich üblicherweise nicht unter Klarnamen, sondern man legt sich ein hübsches Pseudonym zu. Unter diesem Schutz lässt es sich doch gleich noch viel besser aus der Hüfte auf einen Meinungsgegner schießen, den man höchstwahrscheinlich gar nicht persönlich kennt.
Warum dieser Text hier erscheint? Manchmal könnte man die Sorge haben, dass die aus den sozialen Medien bekannten Umgangsformen auch auf den begrenzten Leserkreis von herrsching.online abfärben. Dabei möchte man sich doch eigentlich im richtigen Leben wieder ohne Vorbehalte begegnen können, auch mal im Supermarkt ein kleines Gespräch führen, einen Smalltalk beim Spaziergang abhalten, vielleicht sogar bei einem netten Anlass ein Bier miteinander trinken. Möglicherweise würde man, wenn man sich so gegenübersitzen würde, sogar feststellen, dass man meinungstechnisch gar nicht so weit auseinanderliegt.
Die Welt ist nervös, wir sind nervös – aus nachvollziehbaren Gründen. Dazu kommt das Gefühl, sich permanent in irgendeinem Wahlkampf zu befinden. Aber auch manches kleine Problem wird zu einem großen aufgeblasen.
Zwar gehört Auseinandersetzung zum Wesen der Demokratie, aber bitte, lasst uns mit offenem Visier (sprich unter Klarnamen) und ohne persönliche Herabsetzungen miteinander streiten. Verbale Abrüstung statt Eskalation wäre manchmal die bessere Alternative. „Sprache fällt auf diejenigen zurück, die sie benutzen“ hat Edgar Selge kürzlich so oder so ähnlich geschrieben.
Vielleicht würde eine größtmögliche Fairness beim Diskutieren andere, bisher schweigsame Leser:innen von herrsching.online sogar dazu animieren, sich ab ab und zu in den Diskurs einzumischen. Ich fände das großartig.“





Warum kommentiert jemand auf ,,Herrsching online“ anonym? Vielleicht steckt da Furcht vor der Öffentlichkeit dahinter. Ich bin dafür sich offen mit dem Klarnamen zu äußern. Damit unterstützte ich Frau Böckelmann vollkommen.