Das Opfer ist ein 40-jähriger Familienvater, der vier Kinder und eine Ehefrau hinterlässt/Flüchtlingshelfer fassungslos: Asylbewerber-Unterkunft galt als sehr friedlich/Herrschinger Polizeichef Naßl: Containerdorf war kein Problem für die Polizei/Verwandte des Opfers aus ganz Deutschland trafen am Donnerstag im Containerdorf ein/Familie soll schon einmal in einem anderen Haus für Flüchtlinge gewohnt haben, musste dann aber wieder ins Containerdorf umziehen///
In einer früheren Version dieses Artikels war davon die Rede, dass die Ausländerbehörde die Familie wieder ins Containerdorf umgesiedelt habe. Erfahrene Flüchtlingshelfer aber berichten, dass das Haus, in dem die Familie untergebracht war, wohl einfach nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestanden habe. Es könnte sein, dass einfach der Mietvertrag ausgelaufen und ein Umzug deshalb unvermeidlich war. Die Behörde in Starnberg war am Freitagnachmittag nicht mehr zu erreichen.
Zwei Tage nach der Tat kam die Polizeimeldung des Polizeipräsidiums Oberbayern aus Ingolstadt: In der Asylbwerberunterkunft in Herrsching stach am Mittwoch ein 36-jähriger einen 40-jährigen Landsmann nieder und verletzte ihn am Oberkörper und am Kopf. Mitbewohner haben daraufhin sofort die Polizei alarmiert. Die Beamten der Polizeiinspektion Herrsching nahmen den Täter im Wohncontainer fest, der Mann leistete keinen Widerstand. Der Verletzte starb nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen im Krankenhaus. Ein Untersuchungsrichter erließ einen Haftbefehl, der Täter wurde in die Justizanstalt eingeliefert. herrsching.online wird im Laufe des Tages weiter berichten.
Nach Informationen aus Herrsching geschah die Tat am Mittwochabend gegen 20 Uhr, im Polizeibericht gab es keine Informationen über den Tathergang. Die Bluttat geschah im Freien vor dem Container. Am Donnerstag hatten Hausmeister über die Blutflecken, die am Boden noch zu sehen waren, Sand gestreut.
Das Opfer, ein 40-jähriger Afghane, lebte schon viele Jahre mit seiner Familie im Containerdorf. Er hinterlässt vier Kinder und eine Frau. Der jüngste Sohn ist noch keine drei Jahre alt, der zweitjüngste vier Jahre, der älteste Sohn 15 und die Tochter 17 Jahre alt.
Familie soll von der Behörde wieder ins Containerdorf umgesiedelt worden sein
Wie Asylhelfer herrsching.online berichten, ist der Fall besonders tragisch, weil die Familie M. schon einmal aus dem Containerdorf ausgezogen war und in einem vom Landratsamt angemieteten Haus als dezentrale Unterkunft lebte. Sie musste dann wieder ins Containerdorf umziehen, mutmaßlich weil der Mietvertrag mit dem Landratsamt ausgelaufen war. Diese Information ist aber noch nicht bestätigt.
Der Herrschinger Leiter der Polizeiinspektion, Winfried Naßl, sagte herrsching.online am Freitag, dass die Asylbewerberunterkunft nie ein Problem für die Herrschinger Polizei war. Gemeinderat Alexander Keim hatte in einer Sitzung vor einigen Jahren berichtet, dass die Asylunterkunft nicht einmal einen eigenen Sicherheitsdienst benötigt habe.
Bei ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern der Asylbewerber im Containerdorf herrscht seither große Ratlosigkeit. Franz Bissinger, Sprecher des Asylhelferkreises und Betreuer von Flüchtlingen seit dem Jahr 2015, sagte herrsching.online, dass er nie und nimmer mit einer solchen Tat in Herrsching gerechnet habe: „Das Containerdorf in Herrsching ist die friedlichste Ayslunterkunft, die ich kenne.“

Der 40-jährige afghanische Familienvater lebte mit seiner Familie schon viele Jahre in Herrsching und wurde nicht mehr betreut, weil eine intensive Betreuung wohl nicht mehr notwendig war. Über den Beruf und das Arbeitsverhältnis des Opfers ist bisher noch nichts bekannt.
In dem Dorf, so Bissinger, leben die Asylbewerberinnen und -bewerber aus Afghanistan und Afrika getrennt, die soziale Kontrolle durch die Landsleute funktioniere sehr strikt. „Menschen aus afrikanischen Kulturen mit Kolonialerfahrung wirken zunächst meist aufgeschlossener als Menschen aus eher islamisch geprägten Kulturen. Allerdings besteht häufig Mißtrauen der weißen Gesellschaft gegenüber, was ja reale Ursachen hat und nicht leicht zu überwinden ist“, sagte Bissinger in einem früheren Gespräch mit herrsching.online.
„Viele Asylbewerber müssen mit Verlustschmerzen fertig werden“
Über die seelischen und mentalen Belastungen, denen die Heimbewohner ausgesetzt sind, machen sich Außenstehende kein Bild. Christl Voit, die lange als Asylhelferin gearbeitet hatte und eine afghanische Fmilie betreut, schilderte bei einer Sitzung mit Gemeinderatsmitgliedern das entbehrungsreiche Leben in einem Stahlkasten, der für alles außer Wohnen gut ist. „Diese Container sind hellhörig, fußkalt und im Sommer eine blecherne Sauna.“ Viele der 120 Asylbewerberinnen und -bewerber seien traumatisiert, müssten allein mit Verlustschmerzen fertig werden, wenn der Vater, der Bruder, der Sohn die Flucht nicht überlebt hatten. „Manche Frauen weinen nachts still in ihre Kissen, um die jungen Männer nicht aufzuwecken, die am nächsten Tag fit sein müssen. Afrikanerinnen hätten auf der Flucht Gewalt erfahren, die sich niemand vorstellen wolle. Eine 14-jährige Tochter schlafe immer noch im Bett bei der Mutter, um ihre Ängste zu bekämpfen. Professionelle psychologische Hilfe gebe es nicht. Unter den 56 Kindern im Containerdorf gebe es viele Schreibabys, die das Leben in den beengten Räumen auch nicht leichter machen. „Dazu kommen die Belastungen durch das Asylverfahren“, schilderte Voit ein Leben zwischen Hoffen und Bangen. Eigentlich müsste, so Voit, ein solches Dorf ein Pulverfass sein. Dabei, so Gemeinderat Alexander Keim, sei nichts von Polizeieinsätzen bekannt. Ein anderer Gemeinderat erzählte, dass das Herrschinger Containerdorf sogar ohne Sicherheitsdienst auskomme.
Knapp 200 Asylbewerber leben in Herrsching
In Herrsching lebten zum Jahresbeginn 198 Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge in den beiden Gemeinschaftsunterkünften. Diese Zahlen gab die Gemeinderätin Hannelore Doch, Beauftragte für Integration, in der CSU-Hauptversammlung bekannt.
Anerkannte Flüchtlinge sollten eigentlich nicht mehr in den Gemeinschaftsunterkünften leben, die Wohnungssuche gestaltet sich allerdings sehr schwierig. Bei der Wohnungssuche ist die Initiative raumgeben.net des Breitbrunners Dr. Georg Strasser stark engagiert.
Im Herrschinger Containerdorf nahe der Goethestraße haben 133 Personen eine Unterkunft, darunter
• 17 Familien und
• 47 Alleinreisende.
• Von den Bewohnern sind 44 männlich, 35 weiblich, 54 sind Kinder
Bei den Nationalitäten führt Afghanistan (67), es folgen Nigeria (18), Sierra Leone (12) und Kongo (13). 4 Bewohner kommen aus Syrien.
In Vollzeitarbeit sind 21 Personen, 8 in Teilzeit, 3 in Ausbildung, 38 sind Schulkinder.
In der Gemeinschaftsunterkunft in Breitbrunn in der Seestraße leben 65 Asylsuchende, 5 Familien ohne Kinder, 7 mit Kindern. 26 von ihnen sind männlich, 7 weiblich, 14 sind Schulkinder, die anderen Kleinkinder. In Breitbrunn stammen 17 Menschen aus Afghanistan, der Rest verteilt sich auf viele Nationen, darunter zum Be



