„Wir haben Künstler verpflichtet, die man sich leisten kann“

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Jetzt geht's rund: Das Riesenrad neben dem Festzelt bietet spektakuläre Ausblicke auf den Ammersee, lauschige Plätzchen für Verliebte und die abgedrehteste Bühne für die Herrschinger Blasmusik. Foto: Symbolbild.

Nur noch elfmal schlafen, und dann gar nicht mehr ins Bett: Am übernächsten Sonntag beginnt das größtes Fest in Herrschings Geschichte: Die Seegemeinde feiert ihr 1250. Jubiläum mit Prominenz auf der Festzeltbühne und auf den Bänken. Die Gemeinde hat zu diesem Anlass sogar einen Verein gegründet, sozusagen einen Pop-up e.V., der alle Festivitäten organisiert, orchestriert und bezahlt. Der Zweite Vorsitzende ist der „König vom Ammersee“ Alexander Tropschug, der zusammen mit Sandra Bauer, Ludwig Darchinger und Jörg Ellinger die große Sause auf die Beine stellt. Tropschug will mit diesem Interview auch die herrsching.online-Leser in Feststimmung bringen.

herrsching.online: Kultur und Kult, Bier und Spaß, so könnte man die Festivitäten zusammenfassen? Was bietet die Festwiese zwischen dem 7. und 21. Juni?

Tropschug: Es gibt die klassischen Bierzelte, ein Riesenrad, eine Berg- und Talbahnfahrt für Kinder und einen Wellenreiter, oder wie man auch sagt, ein Kettenkarasell und eine Schießbude.

herrsching.online: also einen erlebnisreichen Rummelplatz?

Alexander Tropschug: Entertainer bei den Volleys, Theatermacher und jetzt auch Festwirt.

Tropschug... genau. Das Programm sollte für uns von Anfang an möglichst breitbandig aufgestellt sein. Und für die Abendunterhaltung haben wir attraktive Namen bekommen, Namen machen Umsatz. Aber man muss natürlich auch aufs Geld blicken, wir haben Künstler verpflichtet, die man sich auch leisten kann. Zum Beispiel die Newcomerband „Falschgeld“, die mit ihrer druckvollen Live-Energie und dreckigem Indie-Pop-Rock für einen mitreißenden Abschlussabend am Ammersee sorgt

herrsching.online: Wieviele Leute fasst das Festzelt?

Tropschug: Etwa 1200 Besucher finden Platz.

herrsching.online: Wieviele Zuhörer braucht Ihr, um profitabel rauszukommen?

Tropschug: Die Highlights sind Django3000 am 12. Juni, die Brettl-Spitzen, die Volkssänger-Revue am 13. Juni, der Wolfgang Krebs am 18. Juni und das erste Stadlfest in Herrsching am 19. Juni. Bei diesen Veranstaltungen wird das Zelt voll werden. Wenn bei den anderen Veranstaltungen das Zelt halb bis dreiviertel voll wird, sind wir zufrieden.  Leider kommt Helene Fischer nicht, das hätte ich mir gewünscht.  Aber ich schreib ihr nochmal, ob sie als Nachbarin zumindest Werbung für uns machen will. Vielleicht liest sie das hier ja. Veranstalter ist ja nicht die Gemeinde, sondern der speziell gegründete Verein 1250 Jahre Herrsching e. V. Wir werden von der Gemeinde so unterstützt, dass wir die Anschubfinanzierungen leisten können.

herrsching.online: Woher nehmen denn Ihre vielen ehrenamtlichen Helfer die Motivation, sich so stark zu engagieren?

Tropschug: Der Verein selber hat 19 Mitglieder, eine Handvoll Leute stemmen die Organisation, die das alles ehrenamtlich machen. Und dann gibt es mittlerweile über 120 Helfer, die sich freiwillig über unsere Webseite gemeldet haben und Hand anlegen. Es werden aber immer noch Helfer gesucht. Man ist Herrschinger, man lebt von Kind auf hier in Herrsching, Für alle, denke ich, ist die Motivation, ein Teil einer großartigen Sache zu sein, über die man noch lange positiv reden wird. So wie ich über die Volksfeste zu meiner Kinderheit mit Autoscooter und Schiffschaukel. Alles an der gleichen Stelle wie heute.

herrsching.online: Wie hoch ist eigentlich Ihr Etat?

Tropschug: Die Bilanzsumme liegt bei fast einer halben Million. Wir vom Verein rechnen damit, dass diese Summe eingespielt wird, um alle Kosten tragen zu können.

herrsching.online: Und wenn dann doch was schiefgeht?

Tropschug: Dann ist es einfach blöd gelaufen. Aber wir haben uns so aufgestellt und geplant, dass wir gegen viele Risiken abgesichert sind. Und deshalb sind wir zuversichtlich, dass das Plus minus null aufgeht.

herrsching.online: Der Verein hat sich von der Stiftung Deutsches Ehrenamt, die ja in Herrsching ihren Sitz hat, beraten lassen.

Tropschug: Als Initialzündung, ja.  Für viele von uns gab’s Neues, zum Beispiel die Pietätsklausel. Sie sichert das Risiko der Absage einer Veranstaltung aus Anstands- und Pietätsgründen, wenn schwere Unglücksfälle, Terroranschläge oder Todesfälle eintreffen. Wenn Deutschland zum Beispiel auf Halbmast geflaggt hat, könnten wir nicht großartig weiter feiern. Und gegen solche Eventualitäten kann man sich absichern.

herrsching.online: Die tausend Kleinigkeiten, die eine solche Veranstaltung verlangt, sind alle bedacht und organisiert?

Tropschug: Alles steht. Zelt, Künstler, Gastro, Energie, alles organisiert.  Das Festzelt kostet eine niedrige fünfstellige Summe. Und wir bewirtschaften das Zelt selber, Bierausschank, Getränkeausschank, alles machen wir selber.  Wir sind selber der Wirt, und bei den Wirten fürs Essen sind wir am Umsatz beteiligt.  Und die Zusammenarbeit mit und zwischen den Gastronomen funktioniert hervorragend, großes Lob an die Betriebe.

herrsching.online: Wie läuft der Ticketverkauf?

Tropschug: Wir haben uns natürlich schlau gemacht bei Leuten, die ähnliche Fest planen. Und wir sind im Soll.  Dass das Fest zwei Wochen dauert, hilft uns natürlich, die Kosten auf viele Tage umzulegen. Daran gibt es nun auch schon wieder Kritik nach dem Motto: Typischer Herrschinger Größenwahn. Das sind auch die Leute, die sagen, in Herrsching sei nichts los. Und wenn was los ist, ist es auch nicht recht. Und freiwillig mithelfen tun diese Motzgis natürlich auch nicht. Wir sorgen dafür, dass abends pünktlich Schluss ist, dass Ordnung herrscht, dass kein Müll rumliegt und das alles friedlich abläuft.

herrsching.online: Weil wir nun in der Abteilung Kritik sind: Manchen Leuten kommt die Geschichte, die in diesem Jubiläum steckt, zu kurz. 

Tropschug: Wir haben uns um die Festwochen zu kümmern.  Aber die Kultur kommt nicht zu kurz. Im Kurparkschlösschen gibt es eine Ausstellung, Vereine sind aufgefordert, besondere Glanzlichter zu setzen,  der Theaterverein macht seine beliebten Ortsführungen in historischen Kostümen zehn Mal ab Juli. Die Theaterleute haben sich diesmal die Seestraße vorgenommen.  Und wenn Künstlerinnen und Künstler zu diesem Anlass selber private Ausstellungen machen wollen, dann sind die natürlich willkommen.

herrsching.online: War der Kalender zum Jubiläum ein Erfolg?

Tropschug: Ja. Die eine Version verkauft sich besser als die andere. Man hätte es sicher anders machen können, da müssen wir uns als Vorstand an die Nase packen. Aber grundsätzlich gehört das Kapitel zur Herrschinger Geschichte.  Man sollte nicht so tun, als wenn es das nicht gegeben hätte in Herrsching.

herrsching.online: Zurück zum lustigen Teil. Die  größte Attraktion ist das Riesenrad?

Tropschug: 38 Meter hoch, man sieht über die Baumwipfel hinweg auf die Alpen. Und wenn wir die Zugspitze wegsprengen, könnten wir bis nach Südtirol schauen… König Ludwig hatte sich ja mal ein Plateau sprengen lassen, wir haben das nicht im Programm. Passte nicht ins Budget. In den Gondeln gibt es ein Weißwurstfrühstück, die Blaskapelle gibt in den Gondeln ein Karussellkonzert. Und wir haben sogar versucht, dass man in einer Gondel heiraten kann.  Interner Gag: Dann sollte man sich auch scheiden lassen in einer Gondel. 

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