Johannes, 6, ist sich sicher: Er will auch mal Feuerwehrmann werden wie sein Papa. Am Tag der Offenen Tür bei der Freiwilligen Feuerwehr Herrsching hat er schon mal ausprobiert, wie sich das Steuer eines großen Löschzugs anfühlt. Die rotlackierte Technik fasziniert Kinder und Jugendliche auch heute noch. Und so kann die Herrschinger Feuerwehr mit Stolz vermelden: keine Nachwuchssorgen.
Kommandant Peter Saur und seine Mannschaft haben am Samstag alle zehn Fahrzeuge im Hof präsentiert. „Und wenn jetzt was passiert?“ fragte eine Frau besorgt. „Dann haben wir sofort drei Fahrzeuge auf der Straße“, beruhigt sie der Zweite Vorstand David Lampl. Aber es blieb zum Glück ruhig, und viele hundert Bürgerinnen und Bürger konnten entspannt durchs weiträumige Feuerwehrhaus schlendern. Alle halbe Stunde hatten die Frauen und Männer in Blau einen „Act“ geplant: Der Funkraum mit der Kommandozentrale, die Bedienung eines handelsüblichen Feuerlöschers am Spielfeuer, die Schlauchwäsche im Keller und viele andere spannende Gerätschaften fanden das Interesse der Feuerwehrleute von übermorgen.
Zur Zeit stehen 68 Männer und acht Frauen im aktiven Dienst in Herrsching, neun männliche Anwärter und drei Anwärterinnen wachsen gerade in den aktiven Dienst hinein. Arbeit gibt es bei der Feuerwehr genug: Vom Zugführer, Atemschutzgeräteträger, vom Maschinisten, Drehleitermaschinisten, Kran- und Bootsführer, Gefahrengutfachmann bis zum Rettungssschwimmer reicht das Angebot der (unbezahlten) Jobs.
Wenn ein Feuerwehrmann aber während seiner Arbeitszeit ausrückt und Gehaltsverluste hat, kommt die Gemeinde natürlich für diese Geldlücke auf. Manche Arbeitgeber haben Verständnis für die Einsätze, solange die Berufsarbeit später erledigt wird. „Es gibt aber auch Arbeitgeber, die kategorisch verfügen: Nein, Feuerwehreinsatz während der Arbeitszeit geht gar nicht“, sagt Pressesprecher David Lampl, „jeder Feuerwehrmann muss mit seinem Arbeitgeber eine individuelle Lösung finden.“
Aber Lampl erinnert sich an keinen Einsatz, bei dem zu wenige Männer erschienen sind. „Wir haben Studenten, Mitglieder, die im Home Office arbeiten, und viele Schichtdienstler, die auch tagsüber zur Verfügung stünden. Ich fahre nun schon Einsätze mit, seit ich 16 bin und kann sagen: Ein Einsatz war noch nie gefährdet, weil zu wenige Leute an Bord waren.“
Bei einer Präsentation der Funkzentrale hatte Lampl noch einen netten Gag parat. Er demonstrierte mit einem Tablet den Digitalisierungsstand der Feuerwehr – beim Einsatz sind Flachrechner vor Ort und vermitteln der Zentrale mit Livebildern das Lagebild. „Und wenn das Internet mal ausfällt?“ fragte eine besorgte Besucherin. Dann, sagt Lampl, „haben wir tatsächlich noch ein Faxgerät.“ Herrschings Feuerwehr ist also auf alle Krisenlagen eingestellt.





