Man kann sich seine Fans nicht immer aussuchen: Die grüne Landtagskandidatin Andrea Schulte-Krauss mit zwei Promenadebesuchern, deren Stimmen sie vermutlich nicht bekommt – sie sind Italiener. Foto: Gerd Kloos

Die Ochsentour der Tierschützerin

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herrsching.online begleitet in diesem Sommer und Herbst Landtagskandidatinnen und – Bewerber bei Wahlkampfauftritten/Heute: 2 Stunden mit der Landtagskandidatin Andrea Schulte-Krauss auf der Herrschinger Promenade//

Wahlkampf in brennenden Zeiten: Auf der Herrschinger Promenade halten die Uferbäume das Thermometer in Schach, Touristen schieben sich wie in der Rüdesheimer Drosselgasse an Lokalen, Kiosken und Fischsemmeln vorbei und träumen wahlweise von einem kühlen Bier oder einem Eisturm. Aber niemand rechnet mit 2 freundlichen Damen, die einem Wahlwerbung in die Hand drücken. Katharina Schulze und Andrea Schulte-Krauss machen auf Herrschings prominentester Meile Promotion für eine Partei, die schon immer wusste, was auf Klimawandel folgt: Affenhitze.

Andrea Schulte-Krauss ist Krailinger Gemeinderätin und hat in zahlreichen Verbänden und Hilfsorganisationen mitgearbeitet: „Die meisten kennen mich als engagierte Tierschützerin, manche haben schon gemeinsam mit mir Kröten an Umgehungsstraßen gerettet.” Heute will sie die Welt retten, und sie preist sich als eines der Lösungsmittel an.

Wie reagieren die Menschen auf die Charme-Attacke der attraktiven rothaarigen Grünen? Viele Landkreisbewohner gibt es an diesem heißen Nachmittag auf der Promenade nicht. Die Touristen wollen im Urlaub meist nicht an die akuten Weltprobleme erinnert werden – und schon gar nicht an eine Bayernwahl, mit der sie nichts zu tun haben. Einige wenden sich sogar demonstrativ ab, haben mit „diesen Grünen” nichts am Hut, einer bekennt ironisch, dass er AfD wähle. Aber wahrscheinlich will er nur in Ruhe gelassen werden. Und die Landtagskandidatin dauerlächelt die Zurückweisungen einfach weg. Schulte-Krauss ist ein zutiefst optimistischer Mensch, und schon längst ein Polit-Profi. Mit Enttäuschungen rechnet sie so routiniert wie ein Fußballschiedsrichter mit Schmähungen der Fans.

Aber Politik ist ja nicht immer mit Enttäuschungen verbunden. Sie erzählt, dass sie im Gemeinderat von Krailing Sammelpunkte für Hundehinterlassenschaften durchgesetzt hat – und jetzt, nach 7 Jahren, hat sie selbst einen Hund und profitiert „von der eigenen Politik”. Dabei lacht sie herzhaft. Stolz aber ist sie auf den Erfolg, im Bannwald eine hochpreisige Seniorenresidenz verhindert zu haben. „Ich habe es geschafft, das Projekt so lange zu verzögern, bis es vom Tisch war.”

Die Krailingerin kann also penetrant widerständig sein, eine Abnickerin wäre sie in der Landtagsfraktion vermutlich nicht. Sie lässt sich auch bei der Ansprache an Passanten nicht entmutigen. Immerhin bleiben ein paar Mütter stehen und nehmen die Werbegeschenke für die Kinder an. Unterstützt wird Schulte-Krauss heute von Herrschings prominentester Politikerin, der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag. Katharina Schulze, heute mit kurzer Freizeithose unterwegs, verteilt ebenfalls tapfer Kinderwindräder und Prospekte, mag sich aber nicht zur aktuellen Diskussion um den Herrschinger Klinikneubau äußern.

Nach der Hitzeschlacht auf der Promenade hat Andrea Schulte-Krauss aber noch längst nicht fertig, auch wenn jeder normale Arbeitnehmer fertig wäre. Sie hatte sich zudem ein Band im Sprunggelenk gerissen und trägt eine Orthese am Fuß, als ob die bescheidenen Umfrageergebnisse nicht Behinderung genug wären. Abends geht die Ochsentour in Wörthsee weiter mit Bürgerinitiativen und dem Kreischef des BUND, Schorn. Ein Heimspiel? Die Naturschützer haben viele Forderungen an die Grünen, und die haben viele Koalitionspartner…

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