Der Bahnhof ist ein heißes Eisen – zur Zeit darf man das auch wörtlich nehmen. Da wäre doch eine isolierende Holzfassade ein wirksamer Hitzeschutz. Im Sommer-Interview meinten die Fraktikonssprecherin der Grünen, Karin Casaretto, und ihr Kollege Gerd Mulert, dass Geld nicht das zentrale Problem für die Bahnhofssanierung sei. Auch die Gemeinderätin Christiane Gruber und ihr Kollege Nikolaus Eisenblätter haben sich im Sommer-Interview zu Herschings größter Bau-Stelle geäußert. Ihre Hauptforderung: Der Bahnhof muss für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Das, so Gruber, könnte allerdings die Attraktivität des Objekts bei Investoren beeinträchtigen.

herrsching.online: Der Bahnhof als Bürgerhaus, hieß die große Vision. Jetzt wird ein Investor gesucht, der das marode Haus übernimmt und wahrscheinlich kommerzialisiert. Sehen Sie noch Chancen für Ihre Pläne?
Gruber: Es gibt ja schon ein Konzept für den Bahnhof, das der Gemeinderat bereits beschlossen hat. Dieses Konzept enthält eine Nutzung mit Gastronomie und als Kulturraum. Daneben sehen die Pläne auch kleine Geschäfte und einen Fahrkartenschalter vor. Ein Investor, der sich jetzt bewirbt, muss wissen, dass der Bahnhof für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben muss. Diese Vorgaben erleichtern natürlich ein Engagement nicht. Dazu kommen noch als weitere Erschwernisse: die statische Ertüchtigung, der Denkmalschutz und bestehende Mietverträge. Außerdem gehören ja die hinteren Flächen immer noch der Bahn. Das könnte die Attraktivität des Objekts bei Investoren beeinträchtigen. Dass der Bahnhof aber öffentlich genutzt werden kann, ist bei allen Fraktionen bis zum Bürgermeister Konsens.
herrsching.online: Ein Investor, der Millionen investiert, will doch freie Hand haben.
Gruber: Die Gemeinde hat ja beim Verwaltungsgerichtsprozess gegen den damaligen Käufer von einer Vorkaufssatzung profitiert, in der steht, dass das Gebäude für soziale und kulturelle Nutzungen verwendet werden soll. Daran ist die Gemeinde gebunden. Natürlich ist verhandlungsfähig, welcher Teil des Bahnhofs diese Funktionen erfüllen muss. Unsere Argumentation ist jedenfalls, dass der Bahnhof ein Herzstück der Gemeinde ist. Der Bahnhof ist auch die Verbindung vom Ort zum See, hier kommen die Gäste an, da muss man was Schönes draus machen.
Eisenblätter: Wir sind ja offen, wenn es ums das Bahnhofskonzept geht. Es kann ein Investor mit einer sozialen Bindung sein, das kann ein Bürgerverein sein, eine Genossenschaft oder eine gemeinnützige GmbH. Die Zeit drängt natürlich, weil wir für das Konstrukt Erbbaurecht eine Frist bis Ende 2027 gesetzt haben. Wir sind durch die Haushaltslage nicht selbst in der Lage, den Bahnhof zu entwickeln. Es daher ist toll, dass es ja auch schon eine Gruppierung von Bürgern und Bürgerinnen gibt, die sich für den Bahnhof einsetzen.
Gruber: Die Stadt Starnberg steht vor der gleichen Frage, und dort wird das Thema Bahnhof anders bewertet. Da gibt es kulturelle Interessenten, da gibt es Firmen, die Interesse zeigen. Aber Starnberg will, dass der Bahnhof mit seiner Historie für die Bürgerschaft erhalten bleibt. Nur weil die Gemeinde Herrsching aktuell kein Geld für das Objekt hat, ist das noch lange kein Grund, sich von dem historischen Gebäude zu trennen. Deshalb wollen wir den Bahnhof in Erbpacht weitergeben.
Eisenblätter: Es wäre ein großer Verlust, wenn man die Gestaltungsmöglichkeit für den Bahnhof aus der Hand geben würde. Der Bahnhof ist eine große Chance für Herrsching.




