Von Susanne Böllert/
Weil’s Feiern so schön ist, hat das zehn Monate alte Gymnasium noch einmal zur Eröffnung eingeladen: Am Vormittag zu einem Festakt, bei dem Ministerpräsident Markus Söder, anders als angekündigt, fehlte. (Berlin hatte den Ammersee ausgestochen.) Am Nachmittag mit einem Tag der offenen Tür für die künftigen Fünftklässler. Hier wechselten sich Chemie-Shows mit Klimmzug-Challenges ab und mathematische Knobeleien mit physikalischen Experimenten. Vor allem aber konnten die Schüler und Schülerinnen den Besuchern stolz „ihre Lernwohnungen“ präsentieren.
„Ich glaube, es ist die dritte Einweihung, die wir heute feiern“, eröffnete Jens Waltermann seine Rede und schmunzelte. Dabei hatte auch er allen Grund zu feiern: Denn vor 18 Jahren hatten Waltermann als Erster Vorsitzender des Fördervereins und seine Mitstreiter den zähen Kampf für ein Gymnasium im westlichen Landkreis begonnen.
Am Anfang war noch vieles unklar
Heute befinde man sich aber nicht nur in einem architektonisch einmaligen Schulbau an einem einmalig schönen Standort, waren sich sämtliche Redner einig. „Vor allem handelt es sich um ein Gymnasium mit Haltung, wie wir es uns immer gewünscht haben“, erklärte Waltermann, der kürzlich den Fördervereinsvorsitz gegen den des Elternbeirates eingetauscht hat. „Mehr noch, es hat sich zu einem Gymnasium mit Kopf, Herz und Haltung entwickelt.“ Zu verdanken sei dies in erster Linie einer hochengagierten Schulleitung und Lehrerschaft sowie den Kindern und Jugendlichen, die „mutig genug“ waren, eine Schule zu wählen, bei der am Anfang noch vieles unklar gewesen sei.
Die Eltern ermutigte Waltermann wiederum, loszulassen und zu vertrauen. „Denn an diesem Gymnasium werden sich Ihre Kinder zu starken jungen Menschen entwickeln, die ihren Weg finden werden in einer immer komplexeren Welt, die aufeinander achten werden und demokratische Werte wie Vielfalt, Freiheit und Verantwortung verteidigen lernen.“
Musik in allen Facetten
Die Gymnasiasten, die ihre derzeit 585 Mitschüler auf der Bühne vertreten durften, präsentierten sich schon heute als selbstsichere und sympathische junge Menschen. Sie fühlten als Interviewer der Architektin Ellen Dettinger und ihrem Kollegen Professor Felix Schürmann auf den Zahn, schmetterten mit einigen gesanglich begabten Lehrern eine „Ode an die Freude“ in Rockversion und stürmten schließlich mit coolem Hip-Hop zu „I like to move it“ (was viele Anwesenden an die eigene Schulzeit erinnert haben dürfte) die vollbesetzte Aula. Als Landrat Stefan Frey sich von so viel Elan mitreißen ließ und mit den Kids auf der Bühne abtanzte, war klar: Der Enthusiasmus, mit dem die Vorkämpfer des Gymnasiums, die politischen Unterstützer, die Architekten und seit etwa einem Jahr auch das bunt zusammengewürfelte Kollegium die neue Schule am Ammersee-Ostufer gestalten, ist ansteckend.
Keine Versuchskaninchen
Denn dass inzwischen auch die Schüler den Stolz auf „ihr“ Gymnasium teilen, machte ihr Sprecher Dominik Wolf klar – auch wenn man „eine emotionale Achterbahnfahrt hinter sich habe“. Der Neuntklässler sagte: „In meinem ersten Grundschuljahr hieß es, wir würden einmal der erste Jahrgang am neuen Gymnasium sein. Das war 2016. Man kann sich vorstellen, was das ganze Hin und Her über all die Jahre an Unsicherheit, aber auch Spannung für uns bedeutet hat.“ Doch schon mit dem Betreten des Gymnasiums am ersten Schultag hätte man sich nicht mehr als „Versuchskaninchen“ gefühlt. „Wir waren ja alle neu hier, nicht nur die fünften Klassen. Aber wir haben sehr schnell neue Freundschaften geknüpft, klassen- und sogar jahrgangsübergreifend, weil wir hier so eine offene Aula haben, die offenen Lernlandschaften, in denen ganz viele unterschiedlichen Gruppen zusammenkommen“, lobte der Schülersprecher.
„Man wir so freundlich begrüßt in Herrsching“
Das wird besonders Ellen Dettinger und Felix Schürmann, die das Gymnasium entwarfen und bauten, gefreut haben. Schürmann blickte in die eigene Schulzeit zurück, in der er häufig mangelnde Wertschätzung erlebt habe. „Eben dies war die Motivation, ein Haus zu formen, in dem ihr euch nicht nur als Schüler, sondern auch zu vollständigen Menschen entwickeln könnt.“ Dass dies mit den vier hellen Lernhäusern, der großzügigen Aula und Mensa, der Dreifachturnhalle und endlich auch mit den fertig gestellten Sportplätzen gelungen ist, empfindet Schürmann bei jedem Besuch: „Man wird immer so freundlich begrüßt in Herrsching. In diesem Haus gibt es eine besondere Stimmung, in jedem Raum fühlt man gute Schwingungen.“ Seine Kollegin Dettinger ermunterte die Schülern: „Werdet weiter heimisch hier, prägt dieses Haus, eure Lernwohnungen, mit eurem eigenen Charakter.“










