• Diese Hölle ist 400 Grad heiß. Die Feuerwehrleute müssen in den Flammen löschen und bergen. Foto: Gerd Kloos
  • Durch das Fenster in der Steuerzentrale sieht man Feuerwehrmänner, die bei 400 Grad Hitze und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit eine Puppe bergen. Foto: Gerd Kloos
  • Ein bisschen ähneln die Feuerwehrmänner und -frauen den Starwars-Kriegern. Der Wasserdunst ist so heiß, dass er im schlimmsten Fall durch die Schutzkleidung kriechen kann. Foto: Gerd Kloos
  • Der Fire Dragon kostet pro Tag 2500 Euro. Plus Propangas-Flaschen. Foto: Gerd Kloos
  • Herrschings Kommandant Daniel Pleyer ist stolz auf seine „Atemschutzträger", die dort löschen, wo's gefährlich wird. Ein unverzichtbares Stück: Das Hohlstrahlrohr zerstäubt das Löschwasser. Foto: Gerd Kloos
  • Der Rauch, der aus dem Brandcontainer dringt, ist ungiftig
  • Noch lacht er: Feuerwehr-Sprecher David Bauer muss auch gleich ins Feuer
  • So sieht's in der Hölle aus, wenn das Feuer aus ist: Die Luftfeuchtigkeit durch das Löschwasser erinnert an den Regenwald. Foto: Gerd Kloos

80 Feuerwehrleute im flammenden Inferno

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In der Hölle ist es 400 Grad warm, die Luftfeuchtigkeit liegt bei knapp 100 Prozent, Stimmen schreien verzweifelt um Hilfe, auf dem Rücken drückt eine kiloschwere Sauerstoffflasche. Aus einem „Sofa“ schlagen Flammen, auf dem Boden liegt ein 80 Kilo schwerer Körper. 2 Männer in Brand-Schutzkleidung kämpfen gegen das Feuer, die Hitze, vielleicht auch die Angst. Sie zerren schließlich das menschenähnliche Ding aus dem Inferno. Die Sicht ist miserabel, weil sich das Löschwasser in einen Vorhang aus Wasserdunst verwandelt hat.

Dann geht die „Kellertür“ auf, die Männer legen das „Opfer“ im Freien auf den Boden. Sie sind erschöpft und wirken doch glücklich: Auftrag erfüllt, Puppe gerettet und selber der Hölle unverletzt entkommen.

80 Feuerwehrleute von 20 freiwilligen Feuerwehren im Landkreis haben diesen Höllentrip am Wochenende durchlebt: Einsatz im Schlund des Fire Dragons. Der Drache ist ein umgebauter LKW-Aufleger, in dem ein Kellergeschoss nachgebaut ist. Aus Propangasflaschen kommt der Zündstoff, der den Raum in ein Flammenmeer verwandelt. Aus einer feuerfesten Regiezentrale steuert der Container-Kommandant das Inferno: Vier Monitore geben schemenhaft wieder, wie sich die Feuerwehrmänner zum Brandherd vorkämpfen, durch 2 Fenster sieht er direkt in die Hitzekammern. Wenn die Feuerwehrmänner im Übungseinsatz ein Problem haben, kann er mit einem Griff das Feuer abstellen. „Haben die Frauen und Männer im Einsatz schon mal Panik-Attacken bekommen?“ wollen wir wissen.„Ich hab’s mal bei einer Feuerwehrfrau erlebt, dass sie starr vor Angst nicht mehr handlungsfähig war. Der Kamerad hat sie dann aus der Gefahrenzone gezerrt“, erzählt der Feuer-Regisseur. „Haben Frauen mehr Angst im Angesicht des Feuers?“ Der Dragon-Steuermann verneint. „Auch heute haben wir bei der Übung in Herrsching wieder eine Frau dabei.“

Der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Herrsching, David Bauer, erklärt den Sinn der Übung so: „Die Übung ist einem realen Brand nachempfunden. Dabei gibt es verschiedene Szenarien: brennende Wohneinrichtung, Gasflaschen, die versteckt sind, und eine 80 Kilo schwere Puppe, die geborgen werden muss. Obwohl da echtes Feuer lodert, sind die Kameraden nie in Gefahr, weil überall Notausschalter vorhanden sind. Gelöscht wird mit echtem Wasser, sogenannten Hohlstrahlrohren, die das Wasser zerstäuben. Dabei geht es auch darum, mit ausreichend Wasser so effektiv wie möglich zu löschen, damit der Wasserschaden gering bleibt.“

Gehört da Mut dazu, sich dieser Flammenhölle auszusetzen? Trauen sich da auch Frauen rein? „Wir machen keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Von den 70 aktiven Feuerwehrleuten in Herrsching sind 10 Frauen.“

Der Herrschinger Feuerwehr-Kommandant Daniel Pleyer betont die körperliche und psychische Belastung, die auf den Kameradinnnen und Kameraden lastet: „Die Übungstrupps, jeweils 2 Teilnehmer, müssen sogar zweimal je eine Viertelstunde in den Brandcontainer. Einmal üben sie die Brandbekämpfung, beim zweiten Mal müssen sie eine 80 Kilo schwere Puppe aus der 400 Grad heißen Kammer retten. Da werden schon auch die psychischen Grenzen aufgezeigt.“ Vom Band kommen Hilfeschreie und Gekreische, um die Simulation möglichst realistisch zu gestalten. „Gefährlich kann sogar das Wasser werden“, erzählt Pleyer, „ein Liter Wasser, der durch das Hohlstrahlrohr im Raum zerstäubt wird, verwandelt sich in 1700 Liter Wasserdampf, der so heiß werden kann, dass er durch die Schutzkleidung diffundiert. Dabei könnten sich die Feuerwehrleute sogar verbrennen.“

Der Fire Dragon der Firma Dräger, die auch die berühmten Alkoholtestgeräte herstellt, kostet übrigens rund zweieinhalb tausend Euro. Bezahlt wird er durch die Gemeinden, die ihre Feuerwehrleute zu der Übung schicken. „Plus Gasflaschen“, ergänzt der Container-Kommandant, „die Herrschinger wollten es besonders heiß. Hier brauch ich 12 Propangasflaschen, bei Übungen an anderen Orten sind’s nur 8 Flaschen“, lacht er.

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