Kampagnenstart für kippenfreies Herrsching

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Almut Albert kommt aus dem Projektmanagement. Ihre Fähigkeiten will sie derzeit aber nicht als SAP-Consultant einsetzen, sondern für ein ehrenamtliches Umweltprojekt. Die 64-Jährige und ihre Mitstreiterin Ela Bauer haben im Verein ProNatur den Arbeitskreis „Kippenfreies Herrsching“ gegründet. Sie wollen unseren Ort nicht nur von Tonnen weggeworfener Zigarettenkippen befreien, sondern vor allem auch ein Bewusstsein dafür schaffen, wie giftig die Stummel eigentlich sind.

Um ihr ehrgeiziges Vorhaben zu professionalisieren, haben sich die Herrschingerinnen über ProNatur bei der bundesweiten Initiative „Kipp it clean“ mit Sitz am Bodensee registriert. Denn sie möchten ihre Awareness- und Säuberungskampagne vor allem über Spenden finanzieren und das geht nur als Verein. Rückenwind hat Almut Albert aber auch auf der Gemeinderatssitzung am Montag erfahren: Einstimmig haben die Ratsvertreter ihrem Antrag zugestimmt, die „Kampagne gegen Kippen“ zu unterstützen, etwa indem sie auf herrsching.de dafür werben kann . Dass die abgebrannte Gemeinde ihre Unterstützung nichts kosten soll, war sicherlich mit ausschlaggebend für die breite Zustimmung. Immerhin muss Albert, auf Vorschlag von Florian Lübeck (CSU), keine Gebühren für die Plakatierung im Gemeindegebiet zahlen.

„115 bis 200 Millionen Zigarettenstummel landen in Deutschland jeden Tag in der Umwelt“, sagt Almut Albert, dies sei nicht nur unschön, sondern auch gefährlich. Immerhin könne eine einzelne Kippe mit ihren mehr als 7.000 Schadstoffen bis zu 40 Liter Grundwasser verschmutzen, wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland auf seiner Homepage schreibt. Und weiter: Fische sterben bereits ab einem Stummel pro Liter Wasser.

Nicht nur unschön, sondern auch gefährlich ist die Vielzahl von Zigarettenstummeln, die sich vor allem auf dem Boden vor Sitzbänken finden. Giftstoffe wie Nikotin, Arsen, Blei und Mikroplastik landen im Grund- oder Seewasser. Foto: privat

„Als ich nach 45 Jahren 2024 in meinen Heimatort zurückgezogen bin, war ich bestürzt darüber, wie sehr auch Herrsching von der Plage achtlos weggeworfener Kippen betroffen ist“, erklärt Albert: „Dabei geht es vor allem um den hoch sensiblen Bereich des Seeufers, aber nicht nur. Auch am Bahnhof sieht es schlimm aus und nach öffentlichen Veranstaltungen wie den Märkten an der Promenade erst recht.“ Eine pragmatische Lösung für die Kippenflut liefert sie gleich mit: „Man sollte die Aussteller aber auch die Vereine, die etwa das Schlossgartenfest organisieren, verpflichten, Fässer mit Sand aufzustellen, in denen die Raucher ihre Zigaretten ganz einfach loswerden können.“

Albert, eine Frau der Tat, ist auch am Morgen nach der Ratssitzung wieder am Seeufer zum Kippenauflesen unterwegs, und zwar mit dem Kippenwagen, den ein überdimensionierter Zigarettenstummel ziert. Gebastelt haben ihn Ela Bauer und Almut Albert aus Pappmaché. Seinen Zweck – Aufmerksamkeit zu erregen – erfülle dieses Gefährt jedenfalls hervorragend, berichtet seine Fahrerin: „Die Leute sind sehr interessiert und finden die Aktion super. Sehr viele Menschen sind unheimlich genervt von den vielen herumliegenden Kippen.“

Raucher vermissen ausreichend Müllbehälter für ihre Kippen

Andererseits hat die Initiatorin von „Herrsching kippenfrei“ auch festgestellt, dass viele Raucher wirklich gerne ihre Zigarettenreste sachgerecht entsorgen würden, wenn nur genügend Abfallbehälter bereitstünden. Auch hier ist die Umweltschützerin bereits aktiv geworden: Sie hat 200 von ProNatur finanzierte T’Aschenbecher gegen Spenden verteilt und die Kosten so wieder hereingeholt. Auch BGH-Gemeinderat Leo Gruber zeigte sich begeistert von den mobilen Aschenbecherchen: „Ich oute mich jetzt mal als Raucher und muss sagen, wenn das Angebot für eine vernünftige Entsorgung von Kippen da ist, wird es auch genutzt.“ Und Almut Albert findet: „So selbstverständlich wie die Leute inzwischen Hundekot in Beuteln entsorgen, müssen auch Kippen in geeigneten Aschenbechern oder dem Restmüll landen.“

Aus eigener Tasche finanziert hat sie 50 „Kipp it Clean“-Plakate, die sie zusammen mit den selbst entworfenen Plakaten „Herrsching kippenfrei“ im Ort verteilen. Allerdings: „in Absprache mit der Verwaltung, an wildem Plakatieren ist mir nicht gelegen“.

Der Kippenwagen aus Pappmache macht neugierig.

Weitere Bestandteile der spendenfinanzierten Anti-Kippen-Kampagne sind: Umweltbildung an Schulen, Kooperationen mit dem Gewerbeverband und Vereinen sowie Öffentlichkeitsarbeit, auch auf social media. Die Aufstellung von speziellen Zigaretten-Mülleimern, den so genannten Kippstern, ist ebenfalls geplant.

  • Wer das Projekt unterstützen möchte, kann an ProNatur spenden unter dem Stichwort „Herrsching kippenfrei“. IBAN: DE46 7009 3200 0002 7727 44, BIC: GENODEF1STH

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