Drohnen-Produktion in Herrsching – die Rettung für den kommunalen Haushalt?

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Drohne aus der Skyeton-Produktion in Kiew. Foto: Website Skyeton.

Wird die neue Skyeton-Produktionsstätte Herrschings Gewerbesteuer-Aufkommen sanieren? Wie herrsching.online schon am 21. Juni exklusiv berichtete, plant die ukrainische Aviatik-Firma ein Werk in Herrsching zur Herstellung von Drohnen. Die Gesellschaft, die in Kiew rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, hat in der Dornierstraße in Gilching bereits eine kleine Niederlassung eingerichtet. In der Dornierstraße sitzt auch die Gilchinger Asto-Gruppe, die Skyeton jetzt zwei Grundstücke an der Heinestraße im Gewerbegebiet verkauft hat. Ursprünglich sollte auf diesem Areal der Campus Verde entstehen. Skyeton will bereits 2028 mit der Produktion in Herrsching beginnen. Gut unterrichtete Herrschinger berichten, dass die ukranische Firma bis zu 100 Mitarbeiter in Herrsching beschäftigen wolle. Es darf vermutet werden, dass Skyeton nicht nur für den heimischen Markt produzieren will, sondern sich auch um lukrative Bundewehr-Aufträge bemühen könnte.

Der Standort ist gut gewählt von Skyeton: In der Nachbarschaft zum künftigen Werk gibt es schon Hightec-Produktionen. Und der Weg zum Aviatik-Cluster in Gilching-Oberpfaffenhofen ist kurz. Spekulationen darüber, wo Skyethon die Drohnen testet, sind verfrüht – in Herrsching mutmaßlich nicht. Auch die abstrakte Gefahr militärischer Bedrohung, die bereits beschworen wurde, dürfte unbegründet sein: Wenn der Worst-Case eines Angriffs auf deutsche Industrieanlagen geschehen würde, wäre Oberpfaffenhofen ein lohnenderes Ziel.

Wie ein neues Werk Herrschings Infrastruktur, den Wohnungsmarkt und den Verkehr beeinflussen würde, weiß heute noch niemand. Mutmaßlich aber könnte das Geothermie-Projekt im Herrschinger Moos davon profitieren. Mit der neuen Produktionsstätte könnte sich der erste Strang eines Nahwärmenetzes ins Gewerbegebiet lohnen.

Dass die hochfliegenden Pläne der Asto-Gruppe mit dem Campus Verde gescheitert sind, liegt nach Ansicht des Chefs des Herrschinger Gewerbeverbandes WIR, Michael Darchinger, am Wachstumskiller Covid und am Ukrainekrieg. Dass genau dieser Krieg nun dafür sorgen könnte, dass in Herrsching ein neuer Industriezweig entsteht, wäre ein nette Pointe.

Die grün eingefärbten Grundstücke an der Heinestraße im Gewerbegebiet hat Skyeton von der Asto-Gruppe erworben.

2 Comments

  1. Für Herrsching ist die Hoffnung auf zusätzliche Gewerbesteuer und Arbeitsplätze nachvollziehbar. Dafür spricht auch die Nähe zum Luftfahrttechnik-Verbund in Oberpfaffenhofen und Gilching. Aber trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Investigativmedien aus der Ukraine berichten über eine sehr verzweigte Firmenstruktur von Skyeton. Nach 2022 hat das Unternehmen Gesellschaften in mindestens acht Ländern aufgebaut. Estland dient dabei als Holding.

    Heißt, die Eigentumsverhältnisse der ukrainischen Firma wurden stark verändert und sind von außen nur schwer durchschaubar. Zudem gibt es dokumentierte Verbindungen über andere Gesellschaften, die in der Ukraine in Antikorruptionsverfahren verwickelt sind. Allerdings wird Skyeton dabei nicht als direkt involviert beschrieben. Mit Blick auf einen geplanten Börsengang gilt die Nähe zu diesem Umfeld jedoch als mögliches Risiko für den Ruf des Unternehmens.

    Wie transparent und stabil ist die Eigentümerstruktur wirklich? Wie verlässlich ist eine langfristige Ansiedlung in Herrsching, wenn das Unternehmen international so stark verteilt ist? Ein solches Werk kann natürlich Chancen bringen. Bei einer Rüstungsfirma aus einem Kriegsgebiet sollte die Prüfung der Hintergründe aber besonders gründlich sein.

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