Der Herrschinger Bahnhof – ein gastronomischer Stern der Region: Große Glasfassade mit Blick auf eine alte Lokomotive im Abstellgleis, an die Bistrotische draußen dringt das beruhigende Plätschern des Kienbachs. In der ehemaligen Wartehalle beugen sich die Gäste über fein ziselierte Speisekarten. Und Herr Vetter freut sich über seinen hübsch gestylten Ticket-Counter. Tagträume eines Bahnhofsromantikers? Nein, so könnte der Bahnhof schon aussehen, wenn die Gemeinde vor drei Jahren einen erfolgreichen Gastronomen ins Boot geholt hätte: Martin Rieb, seit 20 Jahren Chef des 600 Plätze großen Fischer am See in Stegen, hatte sein Interesse an dem alten Gemäuer „hinterlegt“. Er war entschlossen, das Doppel-Haus mit Wartehalle „zu einem Schmuckkästchen zu machen“. Trotz seines Interesse aber, so erzählt er im Gespräch mit herrsching.online, sei dann niemand mehr auf ihn zugekommen. Eine Chance, die so schnell nichtg wieder kommt?
herrsching.online: Sie waren vor drei Jahren ernsthaft am Herrschinger Bahnhof interessiert. Warum haben Sie Ihre Pläne dann nicht weiterverfolgt?
Rieb: Ich finde Herrsching mit seinen Standortvorteilen sehr interessant – zum Beispiel die Seepromenade und die S-Bahn nach München. Und die Location hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte früher mit meinem Bruder den Isartalbahnhof entwickelt. Die Pläne wollten wir mit dem Großgastronomen Inselkammer gemeinsam umsetzen, das Projekt ist dann aber am Geld gescheitert, weil es einfach zu teuer war. Am Herrschinger Bahnhof finde ich das Ambiente, die Gleisanlagen, die zentrale Lage zwischen Ort und See ideal. Deshalb fand ich den Bahnhof so spannend, dass es sich gelohnt hätte, ihn zu entwickeln.
herrsching.online: Und warum haben Sie dann Ihre Pläne nicht weiterverfolgt?
Rieb: Unser Konzept sah einen gastronomischen Betrieb und daneben eine Art Manufaktur vor. In dieser Manufaktur hätten wir dann unsere eigenen Produkte verkauft, natürlich auch eigenes Eis, was ich sehr spannend finde. Wir waren am gesamten Ensemble interessiert.
herrsching.online: Hätten Sie das Gebäude dann gekauft oder gemietet?
Rieb: So weit waren wir damals garnicht. Wir wussten, dass das Haus sanierungsbedürftig ist, und wir wollten uns an den Sanierungskosten beteiligen, in welcher Form auch immer. Kostenschätzungen gab’s damals aber noch nicht. Mit dem Architekten Welsch haben wir dann ein Konzept erarbeitet mit unseren Ideen und unseren Vorstellungen von der Raumaufteilung. Aber es kamen dann auch die Probleme zum Vorschein, zum Beispiel die Mieter, die dort bleiben sollten, der Wein- und Obstladen und der Fahrkartenschalter …
herrsching.online: .. mit dem berühmten Herrn Vetter, eine Herrsching-Institution…
Rieb:… ja, das hätte ich ganz charmant gefunden mit dem Ticketverkauf im Haus. Aber der Keller, so mein Kenntnisstand, war wohl einsturzgefährdet, die Decken mussten erneuert werden. Und mit den vermieteten Wohnungen war auch nicht klar, wie es damit weitergeht. Es stellte sich die Frage, ob man diese Wohnungen umwidmen könnte in Mitarbeiterwohnungen.
herrsching.online: Bei allen ungeklärten Fragen haben wir trotzdem unser Interesse betont und hinterlegt: Ja, wir würden das gerne machen. Aber konkreter ist es dann nie geworden. Auf uns ist trotz des bekundeten Interesses niemand mehr zugekommen. Es kam dann nichts mehr. Deshalb ist das Projekt dann im Sand verlaufen.
herrsching.online: Damals wusste die Gemeinde selber noch nicht, ob sie das Objekt in die eigene Hand nimmt oder weitergibt, weil die Haushaltslage ja noch viel besser war als jetzt. Wieviel Geld hätten Sie denn in die Hand genommen?
Rieb: Schwer zu sagen. Hier in Stegen beim Fischer habe ich über drei Millionen Euro investiert, obwohl mir das Objekt nicht selbst gehört. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Objekt von der Location lebt. Ich bin mir deshalb nach wie vor sicher, dass man aus dem Herrschinger Bahnhof ein Schmuckkästchen machen kann.
herrsching.online: Haben Sie den Fischer gleich so groß aufgestellt?
Rieb: Nein, ich habe ganz klein angefangen. Wir haben mehrmals umgebaut und vergrößert.
herrsching.online: Wie hatten Sie sich die Aufgabenteilung mit der Gemeinde Herrsching vorgestellt?
Rieb: Dass die Gemeinde die Grundsanierung bezahlt und wir den Umbau finanzieren. Wir hätten auf jeden Fall Geld in die Hand genommen.
herrsching.online: Die Bürgergemeinschaft Herrsching und die Grünen träumen ja davon, dass es eine Partnerschaft zwischen Investor und Bürgergenossenschaft geben soll. Glauben Sie, dass ein solches Konstrukt funktionieren könnte?
Rieb: Wenn jemand ganz viel Geld hat und den Bahnhof als Sozialprojekt sieht, dann ja. Aber als Ökonom, der darauf angewiesen ist, dass das Investment wieder zurückkommt und auch ein Gewinn erwirtschaftet wird, kann ich mir dieses Konstrukt nicht vorstellen. Ein Unternehmer will natürlich seine eigenen Visionen verwirklichen.
herrsching.online: Welche sozialen Auflagen könnte ein gewinnorientierter Investor akzeptieren?
Rieb: Ich hatte auf dem Tollwood-Fest ein relativ großes Zelt, das ich betrieben habe. Da gab’s dann auch Altenheimnachmittage. und wir haben Kinderzirkus gemacht. Solche Sachen hätte ich mir auch am Herrschinger Bahnhof gut vorstellen können. Wir hätten da für die Bürgerschaft sicher Veranstaltungen machen können. Aber es muss halt wirtschaftlich passen.
herrsching.online: Nun ist der Bahnhof nicht allzu groß, hätten Sie genügend Plätze für einen ökonomisch auskömmlichen Betrieb bekommen?
Rieb: Ja, durchaus. Unklar war allerdings, ob eine Außengastronomie möglich gewesen wäre. Schließlich gehört die Fläche hinter dem Bahnhof immer noch der Bahn. Und unsere Ideen, die Gleisanlagen mit in das Konzept einzubeziehen, blieben unbeantwortet.
herrsching.online: Also Eisenbahner-Romantik als Alleinstellungsmerkmal…
Rieb: Durchaus. Die Plätze vor und hinter dem Gebäude hätten ausgereicht, um ein wirtschaftliches Konzept umzusetzen. Und wenn man die relativ große Bahnhofshalle verglast hätte mit der Option, bei schönem Wetter alles zu öffnen, wäre ein Schmuckstück entstanden.
herrsching.online: Klingt so, als hätten Sie sich verliebt in das Objekt.
Rieb: Absolut. Wir haben zusammen mit dem Architekten Welsch schon Hirnschmalz investiert.
herrsching.online: Warum sind Bahnhöfe meistens ein Politikum?
Rieb: Bahnhöfe waren Allgemeingut, und daraus leitet sich der Anspruch ab, sie als Allgemeingut zu erhalten.
herrsching.online: Sie feiern jetzt im Fischer am See das zwanzigjährige Bestehen – für einen gastronomischen Betrieb ein biblisches Alter. Wie haben Sie das geschafft?
Rieb: Das weiß ich auch nicht… Wir haben 2006 angefangen, und haben harte Jahre erlebt. Wir haben am 28. Juli aufgesperrt und am ersten Tag, das weiß ich auf den Cent genau, einen Tagesumsatz von 780 Euro gemacht. Wir hatten fünf Leute in der Küche und sechs im Service. Wir haben also mit dem fetten Minus angefangen. Bis 2012 war ich neben der Arbeit im Fischer auf Festivals, um die Rechnungen fürs Restaurant zu bezahlen. Aber wenn man erfolgreich sein will, muss man dranbleiben. Und das ist in der Gastronomie häufig nicht der Fall. Drei von fünf Gastronomiebetriebe schließen gleich im ersten Jahr wieder. Allein das Personal fürs Wochenende zu finden, ist schwer. Dann kommt noch das Wetter als großer Einflussfaktor dazu. Wenn’s Wetter schön war, haben uns die Leute überrannt, bei schlechtem Wetter waren wir allein. Deshalb haben wir, um solche Schwankungen auszugleichen, viel ausprobiert, zum Beispiel Magic Dinners mit zwei Mentalmagiern, Sushi-Abende und vieles mehr.
herrsching.online: Ihr Etablissement wird wegen des professionellen Services gelobt…
Rieb: Herzlichkeit nennen wir das. Unsere Mitarbeiter haben gerne mit anderen Menschen zu tun, sie wollen den Gästen Freude bereiten. So etwas spricht sich herum, auch deshalb haben wir den Umsatz Jahr für Jahr gesteigert. Sogar nach 20 Jahren noch legen wir zu. Aber wir haben auch Erwartungen an die Gäste. Sie sollen wertschätzen, was wir hier machen. Unsere Mitarbeiter und die Gäste begegnen sich auf Augenhöhe, es geht um den gegenseitigen Respekt.
herrsching.online: Wieviele Leute stehen denn inzwischen auf Ihrer Gehaltsliste?
Rieb: Im Sommer etwa 130 Leute im Restaurant, Biergarten und in der Eismacherei Wir haben eine Sieben-Tage-Woche und von 9 bis 23 Uhr offen. .
herrsching.online: Dann freuen sich nicht nur ihre Gäste, sondern wahrscheinlich auch der Kämmerer der Gemeinde Inning.





Die aktuellen Aussagen von Herrn Rieb werfen ernste Fragen zur Handlungsfähigkeit der Gemeinde Herrsching auf. Es ist unerlässlich, dass Herrsching Online eine offizielle Stellungnahme des Bürgermeisters einholt, um Klarheit über die vermeintliche Untätigkeit der Gemeinde zu schaffen. Eine transparente Kommunikation ist entscheidend, um das Vertrauen der Bürger zu erhalten und mögliche Missverständnisse auszuräumen. Die Gemeinde steht in der Verantwortung, sich zu dem vorgebrachten Vorwurf der Untätigkeit zu positionieren.