„Tanz macht Musik sichtbar“

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Von Catharina Geiselhart

Mit einer faszinierenden Tanzshow begeisterte das Herrschinger Tanzstudio East Coast das Publikum im Andechser Florianstadl. Unter dem Titel „Sign of the Times – Zeichen der Zeit“ stand die Sommershow auch im Zeichen des 1250-jährigen Ortsjubiläums von Herrsching.

Insgesamt präsentierten sich 190 Kinder in 23 Tanzgruppen, am Sonntag folgten 110 Teilnehmer in 21 weiteren Auftritten. Ergänzt wurde das Programm durch Gastgruppen. Tänzerinnen und Tänzer im Alter von drei bis 18 Jahren zeigten gemeinsam mit den Companys der Tanzschule die große Bandbreite des Studios – von klassischem Ballett über Contemporary und Modern Jazz bis Hip-Hop und Urban Dance.

Vor winterlichem Daunengestöber wirbelten Tänzerinnen in farbenfrohen Schlafanzügen über die Bühne, ehe der Frühling mit einem zarten Ballett zu einer modernen Interpretation von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ Einzug hielt. Vor blühenden Apfelbäumen brillierten die Schülerinnen der Ballettlehrerinnen Sophie und Heather mit Leichtigkeit und Eleganz.

Besonders eindrucksvoll war das Urban-Dance-Solo „Let Go“ des Tanzlehrers Ur (Ugur Uzaroglu). Vor einer Kulisse aus einengendem Beton und einem sich öffnenden Himmel erzählte die Choreografie mit großer emotionaler Ausdruckskraft vom Loslassen des Winters und vom Aufbruch in die Freiheit.

Ein Höhepunkt des Frühlings war auch „My Future Self“. Fast 20 Tänzerinnen formten unter der Leitung von Heather MacIsaac zu einem ruhigen Klavierstück unter einem leicht bewölkten Sommerhimmel ein harmonisches Corps de Ballett. Die zarten Bewegungen und das stimmige Gesamtbild sorgten für einen der poetischsten Momente des Abends.

Mit Beginn des Sommers wechselte die Stimmung. Heiße Temperaturen auf einer Wüstenstraße, kurze Jeans, schwarze Caps und energiegeladene Musik bestimmten den Auftritt einer Jazzgruppe unter der Leitung von Trainerin Luisa Albrecht. Ebenso mitreißend präsentierte sich „Funky Jazz III“, das spanisches Sommerfeeling mit glutrotem Sonnenuntergang, Flamenco-Elementen und kraftvollen Beats verband. Schwarz-rote Kostüme unterstrichen die intensive Atmosphäre.

Auch ruhigere Töne fanden ein begeistertes Publikum. „Don’t you want me“ zeigte einen verregneten Sommertag mit melancholischer Musik und der Stimmung eines Cafés am Fenster. Im Solo „Alejandro“ überzeugte Emma Langwieser gemeinsam mit vier Schülerinnen vor der Skyline von Miami, Florida.

Für ausgelassene Stimmung sorgte anschließend die jüngste Gruppe. Die sieben- bis zehnjährigen Tänzerinnen verwandelten die Bühne mit Oktoberfest-Kulisse, Achterbahn und Kettenkarussell in einen fröhlichen Jahrmarkt und wurden mit viel Applaus belohnt.

Mit „Driving through memories“, einer Choreografie der Nachwuchstalente Kathi, Merle und Lotti, zeigte das Tanzstudio eindrucksvoll, wie kreativ die Schülerinnen selbst arbeiten. Ausdrucksstark und sensibel erzählte das Trio seine Geschichte vor einem stimmungsvoll bewölkten Abendhimmel.

Im Contemporary-Bereich beeindruckte zunächst „Blue sky“ mit zwölf Tänzerinnen in blauen Hosenanzügen, deren fließende Bewegungen die Weite eines sommerlichen Himmels widerspiegelten. Choreografiert wurde das Stück von Anna Maria Johannes. Düsterer präsentierte sich anschließend „Don’t trust me“: Nebelschwaden, Hochhäuser und eine geheimnisvolle Novembernacht bildeten die Kulisse für eine spannende Choreografie von 14 Tänzerinnen in kurzen schwarz-silbernen Satin-Kostümen.

Nach der Pause leitete „She was“ mit warmen Herbstfarben und gefühlvoller Musik den Wechsel in die zweite Programmhälfte ein. Es folgte einer der künstlerischen Höhepunkte des Abends: Die Iwanson International School of Contemporary Dance begeisterte mit „Echoes beneath“. Vor einer grasbewachsenen Anhöhe und sturmgepeitschten Wolken entstand durch perfekte Körperbeherrschung und fließende Bewegungen ein beeindruckendes Gesamtbild, bei dem die einzelnen Tänzerinnen nahezu im harmonischen Zusammenspiel der Gruppe aufgingen.

Ebenso berührend war „Fix you“ der East Coast Company unter der Leitung von Ben Edwards. Zwölf Tänzerinnen ließen mit hellblauen, transparenten Röcken und sphärischen Klängen eine poetische Morgenstimmung entstehen, während vorbeiziehende Wildgänse den Hintergrund bildeten.

Für einen spontanen Höhepunkt sorgte das Freestyle-Lab. In einem improvisierten Hip-Hop-Battle zwischen Ur und seiner Schülerin durfte das Publikum die Musik auswählen und feuerte die Tänzerinnen lautstark mit Klatschen und Jubelrufen an. Eine Minute pure Energie sorgte für beste Stimmung im Florianstadl.

Den glanzvollen Abschluss gestaltete die East Coast Company mit „Showtime“. Vor der Kulisse des Moulin Rouge sorgten zunächst schwarze Glitzerkostüme und High Heels für echtes Revueflair. Im Finale tauchten goldene Glitzereffekte und fließende, lilafarbene Gewänder die Bühne in eine stimmungsvolle Atmosphäre und beendeten den Abend mit einem wehmütig-schönen Schlussbild.

„Tanz macht Musik sichtbar“, so beschrieb Tanzschulleiterin Nina Fritzsche die Philosophie ihrer Tanzschule zum Abschluss der Show. Genau das wurde an diesen beiden Abenden eindrucksvoll erlebbar. Musik war nicht nur zu hören, sondern in jeder Bewegung, jedem Bühnenbild und jeder Choreografie zu sehen. Fritzsches Dank ging an alle beteiligten Tänzerinnen und Tänzer, Trainerinnen und Trainern, Helferinnen und Helfern sowie den zahlreichen Unterstützern, die die aufwendige Produktion ermöglicht hatten.

Der langanhaltende Schlussapplaus zeigte, dass die Botschaft beim Publikum angekommen war. Mit ihrer Mischung aus Kreativität, tänzerischem Können und spürbarer Freude auf der Bühne machte das Tanzstudio East Coast seine Sommershow zu einem tänzerischen Höhepunkt im Herrschinger Jubiläumsjahr.

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