Heiraten im Stundentakt

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Die evangelische Pfarrerin Dr. Camilla Wischer (Bild) und ihr Kollege Ulrich Haberl geben am Freitag in der Erlöserkirche den Hochzeitssegen im Stundentakt. Heiraten wird so einfach wie ein Konzertbesuch. Für Frohsinn sorgen gut gelaunte Pfarrer und bunte Luftballons in Herzform. Foto: Gerd Kloos

Ein Paar ist katholisch und will heiraten. Das funktioniert leider nicht, weil Geschiedene in der katholischen Kirche keinen zweiten Segen für ihre neue Lebensgemeinschaft bekommen. Und plötzlich ploppt eine Möglichkeit auf, doch noch unter Gottes Segen zu schlüpfen. Die evangelische Landeskirche hat ein großes Herz und lädt sogar katholische Paare zu einer Art Pop-up-Wedding ein: Am Freitag, 26. Juni, wird in der Evangelischen Erlöserkirche in der M-R-Straße fast wie am Fließband geheiratet.

Gleich vier evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer geben zwölf Paaren den kirchlichen Segen: Pfarrer Ulrich Haberl und Pfarrerin Dr. Camilla Wischer von der DreiSeen-Gemeinde, und die Pfarrerinnen Anna Hertel (Pöcking) und Rina Mayer (Starnberg) sprechen im Stundentakt die Trauungsformeln.

Die Paare, die am Freitag ihre Lebensgemeinschaft noch einmal feierlich bekräftigen wollen, sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Ein Paar ist schon 30 Jahre zusammen, ein anderes Paar heiratet am Freitag im Kurparkschlösschen standesamtlich und hat dann einen sehr kurzen Weg in die Erlöserkirche zum kirchlichen Segen. Andere Paare haben sich in der Coronazeit das Jawort gegeben, konnten wegen der staatlichen Auflagen aber nicht richtig feiern. Und das wird jetzt nachgeholt.

Der Ablauf der Hochzeiten ist perfekt organisiert: Paare, die sich vorher angemeldet haben (man kann sich immer noch anmelden unter camilla.wischer@​elkb.de, drei Zeitslots sind noch frei), kommen eine Stunde vor der geplanten Trauung in die Kirche. Dort legen sie zuerst einmal ihren Personalausweis und die Urkunde ihrer standesamtlichen Trauung vor (falls sie in die Kirchenbücher eingetragen werden wollen). Dann füllen sie einen Fragebogen aus, suchen sich einen Trauspruch, der sie durch das weitere Leben begleiten wird und führen dann mit der Pfarrerin, dem Pfarrer ein zwanzigminütiges Traugespräch. Aus diesem Gespräch wird dann die kurze Hochzeitspredigt improvisiert. Nach dem Traugespräch ist das Brautpaar zwanzig Minuten allein in trauter Zweisamkeit, bevor es Ernst wird. „Die Gespräche mit den Paaren sind meist sehr intensiv“, weiß Pfarrerin Camilla Wischer.

Natürlich fehlt bei den Hochzeiten der feierliche Rahmen nicht. Die (hochgeschätzte) Kirchenmusikerin Organistin Christa Edelhoff-Weyde wird an der Orgel sitzen. Und wer bei dem herrlichen Wetter lieber im Freien heiraten will, tritt im Hof des Gemeindegartens vor den Open-Air-Altar. Hier wird die Leiterin der evangelischen Kantorei, Birgit Henke, die Zeremonie musikalisch begleiten.

Wer nun immer noch behauptet, die Kirche hänge verstaubten Ritualen an, wird nach dieser Pop-up-Feiern mit mindestens einem Vorurteil aufräumen müssen.

1 Comment

  1. Das ist eine wirklich gute Idee. Aus eigenem Erleben in der Familie weiß ich, dass gläubige katholische Christen fast daran verzweifeln können, wenn sie nach einer gescheiterten Ehe nicht mehr kommunizieren dürfen und geächtet werden. Da ist in den letzten Generationen sehr viel falsch gemacht worden. Segnen kann in der Liebe nicht falsch sein. Problematisch finde ich es nur, wenn Waffen oder Rüstungsgüter gesegnet werden.

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