Bei den Jahresempfängen der Vergangenheit gab’s als Dresscode Abendgarderobe: Die wichtigen Herrschingerinnen und Herrschinger erschienen meist fein gewandet. Beim Jahresempfang 2026 im Festzelt dagegen beherrschten Trachten das Bild: Wer keine Lederhose trug, war entweder aus dem Hirschleder „rausgewachsen“, oder er war frisch aus Nordrhein-Westfalen zugezogen. Das Festzelt war mit rund 1100 Menschen nahezu voll – in den Festsaal im Haus der Landwirts passten nur etwas mehr als 300 Menschen.
Das garantierte eine gewisse Exklusivität. Die ging beim freien Eintritt natürlich verloren, dafür war’s eine Bürgerveranstaltung für alle. Auch die Auswahl der Geehrten bot ein breites Spektrum: verdiente Bürgerinnen und Bürger, junge, aufstrebende Sportler, Schauspieler der zweiten Reihe und viel Vereinsprominenz bevölkerten die Bühne. Hier eine Auswahl der Geehrten.
Peggy Loschko – in Herrsching unentbehrlich: Eine feine und heute nicht mehr selbstverständliche Geste der Willkommenskultur war der Auftritt der ghanaischen Servicekraft im Hotel Seehof, Peggy Loschko. „Ich möchte nichts sagen“, hauchte sie bescheiden ins Mikro, als sie Bürgermeister Schiller um ein paar Sätze bat. Die Ghanaerin ist seit 28 Jahren in Herrsching und hat in dieser Zeit parallel zur Arbeit in Deutschland ein kleines Hotel in ihrem Heimatland gebaut – unter tatkräftiger Hilfe von Herrschinger Freunden. Sie hatten nicht nur Baumaterial gesammelt, sondern auch vor Ort kräftig Hand angelegt. Ein wunderbares Beispiel privater Hilfe für Menschen, die sich in ihrer Heimat eine Zukunft bauen wollen.

Jochen Purzer schützt seit einem Vierteljahrhundert die Natur: Der ehemalige Bundeswehroffizier wacht als Naturschutzwächter seit 25 Jahren im Gemeindegebiet von Herrsching und Andechs im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde über geschützte Gebiete. Zu seinen Aufgaben gehören die Betreuung von Schutzgebieten und Biotopen und die Mithilfe bei Artenschutzmaßnahmen. Im letzten Jahr wurde Purzer das Ehrenzeichen in Gold verliehen. Purzer erledigt sein Wächteramt mit Augenmaß. In einer launigen Kurzrede erzählte er auf der Bühne des Jahresempfangs, dass er eine große Mülltüte im Wald gefunden habe. Freundlicherweise habe die Umweltfrevlerin eine Bestellkarte von Neckermann mit ihrer genauen Anschrift beigelegt. Deshalb bitte er, Purzer, alle Umweltsünder, immer Adresse und Telefonnummer zu hinterlassen, das mache die Aufklärung deutlich einfacher.

Die WWK Volleys Herren II sind bayerischer Pokalsieger geworden. Und das haben sie auf der Bühne gefeiert und dann auch gleich noch Werbung in eigener Sache gemacht: „Kommt doch mal bei uns vorbei, das spornt uns an“, beschworen sie das Publikum. Und Schiller ließ dann auch gleich den Schlachtruf üben: Herr-sching, Herr-Sching: Wir versuchen jetzt mal, alle Namen auf die Reihe zu kriegen: Stefan Stark, Jannik Birkholz, Adrian Nachtwey, Jonas Kaminski, Andreas Schinkel, Daniel Herm, Max Hauser, Julian Herborg, Marten Endres, Nicolas Marx, Christopher Bennett, Lukas Horlemann, Bastian Schindler, Ben Bockfeld, Lorenz Brückmann und Norbert Engemann.

„Zehn Jahre wir schaffen das“ heißt der Verein für die Integration von Flüchtlingen. Die Vereinsmitglieder mit ihrem niedlichen Vereinsheim Blabla in der Bahnhofstraße helfen bei Behördengängen, geben Sprachkurse und unterstützen in vielen Lebenslagen Asylsuchende. Der Verein mit dem Vorstand Silvana Prosperi, Johanna Neubauer-da Lutz, Thomas Hamaus, Sonja Waldvogel und Claus Wecker (Vorsitzender) haben sogar schon den Tassilo-Kultur- und Sozialpreis der SZ gewonnen. Silvana Prosperi, im Hauptberuf Kabarettistin (Faltsch Wagoni) bat das Publikum um weitere Unterstützung, zum Beispiel wäre der Verein dankbar für weitere Sprachkurs-Lehrer.

Ein Hauch von Film-Celebrity wehte über die Bühne, als Schiller die Schauspieler Castro Dokyi und Detlef Bothe begrüßte. Und mit diesen Künstlern aus den Eberhofer-Krimis und aus einem alten James Bond (Spectre) stand auch eine Herrschingerin im Rampenlicht, die inzwischen mit ihren Krimi-Festivals Furore macht: Sabine Thomas Gleichzeitig fühlt sie sich auch literarisch in dem Genre der Heimat-Krimis heimisch. Thomas ist inzwischen gut vernetzt im Schauspieler-Milieu und in Autorenkreisen. Auf die Frage von Schiller, wie man in einer so friedlichen Landschaft wie dem Ammersee auf Mordgedanken komme, meinte Thomas: „Die Idylle ist die Mutter aller Morde.“

Die Bühne füllte sich gut mit der ersten Fußball-Mannschaft des TSV, die den Aufstieg in die Kreisklasse geschafft hatte. Und weil das ein stolzer Erfolg ist, hier auch die Namen von Spielern und Verantwortlichen: Trainer Florian Schober und Betreuer: Dalibor Novak und Yanik Seckin, Laszio Pilz und Abteilungsleiter Peter Seidl. Spieler Alessandro Calandrino, Daniel Costa, Flo Feuerherdt, Daniel Fischer, Sandro Gavran, Hasani Valon Hafiz, Berkcan Inceoglu, Diker Kaan, Ivan Lukic, Mert Mizrak, Daniel Neuhaus, Julian Oudette, Demirel Özgür, Ademir Porca, Viktor Santana, Gökay Sengezer, Mathis Velte, Manuel Ziegler, Alper Acar und Zaid Kulovic.

Einen Sonderapplaus für Hannelore Doch. Nicht nur Sportler des TSV, auch die Chefin des Vereins bekam verbale Blumensträuße: Hannelore Doch führt den riesigen Verein mit 2200 Mitgliedern seit 1993. Der TSV mit sehr erfolgreichen Ballsport-Abteilungen (Volleyball, Handball, Fußball) bietet neben Mannschaftssport aber auch Individualsport wie Tischtennis und Wassersport.



