„Singen können prinzipiell alle Menschen – auch Kinder“

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Teresa Boning bei einem Weihnachtssingen im Kurpark. Irgendwann werden die Nachwuchsängerinnen und Sänger stolz erzählen, welch prominente Gesangslehrerin sie hatten. Foto: Gerd Kloos

Die Herrschinger Sopranistin Teresa Boning tritt mit einem Chor aus Kindergarten- und Grundschulkindern auf der 1250-Jahrsfeier der Gemeinde auf. Am 10. Juni klappert im Festzelt „die Mühle am rauschenden Bach“ und ward „Kein schöner Land in dieser Zeit“ gesehen. Hochkultur schult Nachwuchs, oder einfacher: So geht Engagement für die Heimatgemeinde.

Von Susanne Böllert

Das Singen mit den Kindern hat im vollgepackten, aber vorbildlich gepflegten Terminkalender von Teresa Boning seit langem einen festen Platz. Die Weihnachtskonzerte der kleinen Nachwuchs-Nachtigallen mit der Opernsängerin und promovierte Musikpädagogin gehören längst zum kulturellen Kanon von Herrsching. Die kleinen Sängerinnen und Sänger werden später einmal voller Stolz erzählen, dass sie von einer Künstlerin, die auf den Opernbühnen mit der „Königin der Nacht“ reüssiert, das Chorsingen gelernt haben.

„Ich möchte den Kindern zeigen, dass sie mit dem Gesang über eine Ressource verfügen, auf die sie ihr ganzes Leben lang zurückgreifen können“, sagt Boning voller Enthusiasmus. „Es ist so ein erhebendes Gefühl, wenn man merkt, dass man mit wenigen Mitteln aus sich selbst heraus ein Lied, eine Melodie kreieren kann.“ Dazu müsse man einerseits lernen, den Körper als Instrument zu nutzen, andererseits der Stimme, der Freude am Ausdruck, der eigenen Musikalität freien Lauf lassen. „Wenn wir ganz bei uns sind, alle Sorgen und Pflichten für den Moment vergessen und zum ‚klingenden Menschen‘ werden, dann gelingt uns eine kreative Pause vom Alltag“, schwärmt die Sopranistin. Zehn Minuten täglich für diesen Akt der Selbstfürsorge. Mehr bräuchte es nicht.

„Musik soll nichts Elitäres sein!“, sagt die Musikpädagogin und Künstlerin. „Denn Singen können prinzipiell alle Menschen – auch Kinder“, weiß die 38-Jährige. „Mir geht es gar nicht darum, die Leistung der Kinder zu bewerten. Einfach mal machen! Das ist mein Motto!“, sagt die Künstlerin, die an ihren eigenen drei Kindern studieren kann, was Musik mit jungen Menschen macht.

Die Schule besucht hat sie nicht weit entfernt: in St. Ottilien. „Mein Vater war dort Lehrer, meine Mutter hat im Klosterladen gearbeitet“, erklärt Teresa. Als Schülerin erlebte Teresa Musik eher als Nebenfach, Latein und Altgriechisch waren angesagt. Immerhin konnte sie von 2007 bis 2009 ihrer Leidenschaft an der Bayerischen Singakademie nachgehen. „Wem ich die Einladung zu verdanken hatte, weiß ich bis heute nicht!“, sagt sie und zuckt die Schultern.

Die gebürtige Landsbergerin hat klassischen Operngesang am Mozarteum Salzburg studiert, fünf Jahre lang Tag für Tag Stunde um Stunde geübt – und schließlich an der international renommierten, altehrwürdigen Universität ihren Master of Arts abgelegt.

Ihr erstes Engagement führte Boning 2015 ans Theater für Niedersachsen. Dort gab sie die Papagena aus der „Zauberflöte“, Kate Pinkerton in „Madame Butterfly“ sowie in der Operette „Boccaccio“ die Beatrice. In dem Jahr lernte die Oberbayerin mit den tschechischen Wurzeln auch einen bekannten, aus Oldenburg stammenden Komiker kennen. Mit Wigald Boning ist sie längst verheiratet – gemeinsam ziehen sie ihre drei Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren auf, sofern Wigald nicht einen Auftritt hat – oder abtaucht. Wörtlich gemeint: Denn der Herrschinger geht seit mehr als 1400 Tagen in den See oder andere zur Verfügung stehende Freigewässer. Es sind auch Fotos überliefert, auf denen seine Frau Teresa in einen mit Eis bedeckten Tümpel steigt. Sie erzählte hinterher, dass sie vergessen habe, Handschuhe anzuziehen, die Hände seien an der eiskalten Badeleiter kleben geblieben.

Bleibt zu hoffen, dass die Bonings an Herrsching kleben bleiben – sie sind inzwischen unentbehrlich für die Seegemeinde.


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