Der neue Herrschinger Gemeinderat. Von links: Leo Gruber, Alexander Keim, Susanne Hänel, Wolfgang Schneider, Nikolaus Eisenblätter, Thomas Bader, Roland Lübeck, Gerd Mulert, Christiane Gruber, Florian Lübeck, Michael Bischeltsrieder, May-Britt Stumbaum, Christina Reich, Ludwig Darchinger, Hannelore Doch, Valentin Schiller, Bürgermeister Schiller, Jan Grunwald, Karin Casaretto, Christoph Welsch, Max Grieshuber, Sepp Steger, Julia Voigtländer-Balz, Hans-Hermann Weinen und Wolfgang Darchinger.

Schwarz-Rot dominiert den Gemeinderat

2 mins read

Von Gerd Kloos

Wenn Berlin wissen will, wie eine schwarz-rote Koalition geräuschlos funktioniert, sollte es Herrsching als Modell verwenden: In der ersten Sitzung des neuen Gemeinderates installierten zehn CSU-Gemeinderätinnen und -räte, drei SPD-Fraktionsmitglieder, die Ein-Mann-Fraktion FDP und der Bürgermeister geräuschlos Christina Reich als Zweite Bürgermeisterin und den SPD-Granden Wolfgang Schneider als Dritten Bürgermeister. Die Kandidatin der Grünen und der BGH, Karin Casaretto, fiel gleich zweimal mit 10 zu 15 Stimmen durch. Dafür darf sie sich mit dem Posten der Fraktionssprecherin und einem Sitz im Bauausschuss trösten. Gerd Mulert hatte zugunsten von Casaretto auf eine Vertretung im wichtigsten Ratsausschuss verzichtet. Viele Abstimmungen im neuen Rat endeten so häufig mit einem 15-zu-10-Ergebnis, dass die knapp 50 Besucherinnen und Zuhörer den Eindruck eines stabilen schwarz-roten Bündnisses bekamen.

Das neue alte Bürgermeister-Trio: Bürgermeister Christian Schiller mit Amtskette, Christiane Reich (Zweite Bürgermeisterin) und Wolfgang Schneider (Dritter Bürgermeister).

Von den unterlegenen Fraktionen der Grünen (fünf Sitze) und der Bürgergemeinschaft Herrsching (vier Sitze) forderte der mit einem starken Ergebnis wiedergewählte Bürgermeister Christian Schiller eine verklausuliert formulierte Demutsgeste: „Wahre Demokraten kämpfen vor der Abstimmung um eine Mehrheit, nicht hinterher.“ Schiller hatte diese goldene Regel erfolgreich umgesetzt. Einzelne neue Gemeinderäte hatte er nach der Wahl zu einem Einzelgespräch eingeladen.

Neu in der Runde war der Linke Max Grieshuber, der in seiner knielangen Lederhose zur Vereidigung kam. Tracht ist eigentlich bei spaßigen Anlässen üblich – dabei war die Veranstaltung für Grüne, BGH und Linke nicht vergnügungssteuerpflichtig. Grieshuber monierte gleich seinen Sitzplatz zwischen Grünen und SPD, dabei hatte eine zufällige oder beabsichtigte Regie die SPD in die Nähe des Bürgermeisters gerückt. Die Grünen nahmen auf den hinteren Rängen Platz, die vergrößerte CSU-Fraktion nimmt fast die gesamte Nordflanke ein, nur durch den FDP-Mann von der BGH getrennt.

Wie herrsching.online (7. Mai, https://herrsching.online/2026/05/07/neue-gesichter-alte-mehrheiten/) schon vorab berichtet hatte, gab’s bei den Fraktionssprechern nur bei den Grünen eine Überraschung. Der CSU-Fraktion steht Thomas Bader vor, die BGH führt Christiane Gruber, das SPD-Trio Hans-Hermann Weinen. Bei den Grünen steht jetzt Karin Casaretto (ein Jahr lang) im Wind. Bei der FDP und der Linken war der Posten unumstritten – Keim und Grieshuber sind Ein-Mann-Fraktionen.

Eine längere Diskussion gab’s um die mathematischen Formeln für die Besetzung der Ausschüsse. Man einigte sich das d’Hondtsche Verfahren, das vor allem für den Bauausschuss stabile Verhältnisse bringt. In diesem Gremium, das für viele Räte sogar wichtiger ist als das Plenum, sitzen nur noch acht Vertreter: Für die CSU Thomas Bader, Roland Lübeck, Ludwig Darchinger und Michael Bischeltsrieder; für die Grünen Karin Casaretto und Christoph Welsch, für die BGH Christiane Gruber und für die SPD Wolfgang Schneider.

Wenn sich alle CSU-Vertreter und der Bürgermeister einig sind, gibt es keine Mehrheit mehr für Grüne und BGH – fünf zu drei, würde dann die Siegerformel heißen. Das könnte ein neuer Bauturbo werden, weil CSU und Bürgermeister bei strittigen Baugenehmigungen häufig zusammen gestimmt haben. FDP und Linke sitzen bei Bauentscheidungen nicht (mehr) am Ratstisch. Im alten Bauausschuss hatte Architekt Johannes Puntsch (FDP) häufig wichtige Argumente eingebracht.

Die Neuen im Gemeinderat (von links) nach der Vereidigung: Max Grieshuber (Linke), Nikolaus Eisenblätter (BGH), Karin Casaretto (Grüne), Julia Voigtländer-Balz (SPD), May-Britt Stumbaum (CSU) und Sepp Steger (CSU).

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Aktuellste Meldungen

Die Ampel kommt

Es gibt auch Ampeln, die funktionieren und sehnlichst herbeigewünscht werden – zum Beispiel am Herrschinger Gymnasium.

Goro geht

Neuer Bootsverleiher an der Promenade/Christiane „Tinsi“ Gruber zieht mit ihrem Mann nach Utting, behält aber ihr