Neuer Bootsverleiher an der Promenade/Christiane „Tinsi“ Gruber zieht mit ihrem Mann nach Utting, behält aber ihr Gemeinderatsmandat///
Von Susanne Böllert
Helene Fischer, Heino Ferch, Judith Williams. Der Ammersee konnte sich immer mit diversen Prominenten schmücken. In Herrsching allerdings dürfte niemand so bekannt sein wie Peter Neuner. Auch wenn ihn die wenigsten unter diesem Namen kennen. Aber „Goro“, mit seiner schwarzen Sonnenbrille, dem ganzjährig braungebrannten Gesicht, den grauen Locken, seiner kurzen Hose und den Schlappen, die er höchstens mal gegen Gummistiefel tauscht, den kennen alle.
Den Sommer verbringt der gebürtige Franke von Sonnenaufgang bis -untergang lässig auf seinem Hocker zwischen Bayerischer Brandung und Matos Fischladen. Neben sich ein altes Telefon mit Schnur, vor sich 21 solarbetriebene Elektro- sowie Tret- und Ruderboote, die er verleiht. Immer schön der Reihe nach, Vorreservierungen gibt es nicht. Man eile mit Weile.
Goro war Promenaden-Inventar
Generationen von Kindern haben hier ihr Taschengeld aufgebessert, mit großem Ernst und noch mehr Spaß den Gästen beim Ein- und Aussteigen geholfen und sie eingewiesen in die Kunst des kollisionslosen Anlegens an den Steg. Goro war Promenaden-Inventar. Genauso wenig wegzudenken wie die Sonnenuntergänge, die die Brandungsgänger genießen, sobald die Temperaturen es zulassen. Genauso selbstverständlich immer da wie der Kiosk selbst, den er in den 80ern gebaut hat und den sein Schwager Miene Gruber elf Jahre lang betrieb, ähnlich populär wie Goro selbst.
Sie wechseln das Ufer

Und jetzt ist er weg. Einfach so. „Ich werde dieses Jahr 70 und die Gesundheit lässt es nicht mehr weiter zu“, erklärt Goro, weshalb er den Bootsverleih der Familie Stumbaum vor wenigen Tagen verlassen hat. Er und seine Frau Christiane Gruber, Sprecherin der BGH-Fraktion im Gemeinderat, werden nach Utting ziehen, wo Schwager Miene nun schon seit einem Jahr das Strandbad führt. „Der Umzug fühlt sich schon komisch an“, sagt Goro und, dass er ja nicht Knall auf Fall das Ufer wechselt. Denn er werde in der nächsten Zeit ja noch seinen Nachfolger einarbeiten, Nihat Celik. Der stammt aus der Türkei und wird mit seiner Frau Emine und den beiden Jungs fortan die Geschicke des Bootsverleihs leiten.
Stumbaums haben seit fast 400 Jahren Fischereirecht
Früher hat Celik einen großen Bauernhof mit Fischerei geführt. Und hier schließt sich der Kreis. Denn angestellt wird der freundliche Familienvater nun bei May-Britt Stumbaum sein, der letzten Vertreterin einer alten Herrschinger Fischerfamilie. Sie erklärt: „Meine Familie hat seit fast 400 Jahren das Fischereirecht am Ammersee und damit auch das Recht, Boote zu vermieten, inne.“
Peter „Goro“ Neuner hat, nachdem er als junger Mann aus Franken an den Ammersee gezogen ist, bei Uli Stumbaum, May-Britts Vater, eine Anstellung gefunden. Die heutige Inhaberin von Fischerei und Bootsverleih erzählt: „Goro hat bei meinem Vater Uli und meinem Großonkel Toni erst den Fischwirt, später noch den Fischermeister gemacht, damit wir hier weiter Fischwirte ausbilden konnten.“ Sie selbst lebte eine Weile in Berlin, trat aber nach dem Tod ihres Großonkels 2005 das Familienerbe an und kehrte 2021 wieder in die Summerstraße zurück.
Zu der Zeit führte bereits der aus Hagen stammende Thomas Piechota, ebenfalls eine echte Type und besser als „Mato“ bekannt, den Fischladen. Goro hatte zum Bootsverleih gewechselt und wurde nach und nach zur Ikone der Herrschinger Promenade. Nun also geht er doch in Rente – und nun werden ihn Nihat und Emine beerben, ihrer Chefin bereits aus früheren Arbeitsverhältnissen als zuverlässig und geschickt bekannt.
Zwar müssen Peter Neuner und Christiane Gruber die Betriebswohnung zu Ende Oktober verlassen, doch behält die Gemeinderätin einen Wohnsitz und eine Meldeadresse in Herrsching. So kann die BGH-Vertreterin nicht nur ihr politisches Mandat, sondern auch ihr Ehrenamt im Kirchenvorstand weiter ausüben. Und auch ihre Arbeit in der Bücherinsel Herrsching wird „Tinsi“ Gruber nicht aufgeben.
Stumbaums haben große Pläne
Auf dem Grundstück der Fischerei werden sich in den nächsten Jahren indes wohl noch weitere Veränderungen ergeben. Denn May-Britt Stumbaum, ab Montag parteilose Gemeinderätin in Herrsching, plant, das sanierungsbedürftige Haus an der Summerstraße 20 und die angrenzenden Holzhütten durch ein dreigeschossiges Wohnhaus zu ersetzen. Mit Fischladen, Restaurant und Bootsverleih soll es das Stammhaus Stumbaum in der Summerstraße 22 ergänzen. Der Bauantrag muss allerdings noch den Bauausschuss passieren.
Weitere Infos zum Bootsverleih wird es in Kürze auf www.fischerhof-stumbaum.de geben. Die Preise liegen für Elektroboote zwischen 29 und 49 Euro pro Stunde, für Tretboote bei 18 Euro, Ruderboote gibt es für 12 Euro die Stunde, das „Wiggerl“ für 30 Euro Tagesmiete, das Anglerboot für 20 Euro Tagesmiete.



