„Aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen„

Britta Hundesrügge, Direktkandidatin der FDP für den Kreis Starnberg: Dass es die FDP nicht über die 5-Prozent-Hürde geschafft hat, ist natürlich auch für uns im Landkreis sehr schade, weil ich Listenplatz 3 hatte, wir hatten ein tolles Erststimmenergebnis. Starnberg ist in ganz Oberbayern auf Platz 2 bei den Erststimmen. Deshalb ist es ein Riesenjammer, dass es die Gesamtpartei nicht in den Landtag geschafft hat. Die Chance für mich wäre da gewesen.
Ich habe ja fest geglaubt, dass es die Partei schaffen würde, weil die Stimmung an den Infoständen immer gut war. Wir wurden nie doof angeredet, ich habe E-Mails von Leuten bekommen, die uns Hilfe anboten. Gefühlt war es nicht so, dass man das Gefühl haben musste, oh das wird eine knappe Kiste. Deshalb haben wir auch nicht verstanden, dass die Umfragen uns nur 3 Prozent vorhersagten. Unser Genickbruch war dann aber doch das Umfrage-Ergebnis vom Donnerstag vor der Wahl, das die 3 Prozent bestätigt hat. Potenzielle Wähler haben befürchtet, dass eine Stimme für die FDP eine verlorene Stimme sei. Und das war natürlich Mist. Aber natürlich mach ich jetzt weiter, ich bin stellvertretende Land-, Kreis- und Gemeinderätin. Jetzt heißt es Aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen.
„Beim Thema Migration können die Grünen nicht gut punkten“

Andrea Schulte-Krauss, Direktkandidatin der Grünen: Vom Erststimmenergebnis her bin ich unter den Top Ten in Oberbayern. Der Kreis Starnberg hat es gut mit uns gemeint. Es kommt jetzt auf die Zweitstimmen an, das wissen wir morgen mittag.
Bei aller Freude über das Starnberger Ergebnis muss man aber feststellen, dass wir nicht nur eine Klima-, sondern auch eine gesellschaftliche Katastrophe haben. Ich bin auch tief verärgert über die CSU und die Freien Wähler, weil die für ein paar Prozente Wahlstimmen ein solches Angst-Szenario aufgebaut haben. Sie haben nicht nur die Regierung beschädigt, sondern auch die Demokratie. Die Geschichte hat doch schon gezeigt, wohin solche Ängste führen.
Das Wahlergebnis der CSU im Landkreis ist auch auf eine höhere Mobilisierung zurückzuführen. Das bestätigen die Briefwahlergebnisse. Zudem hatten wir 2018 eine starke Fokussierung auf den Klimaschutz. In diesem Wahlkampf ging’s um Ängste und um Migration. Und bei diesem Thema können die Grünen nicht so gut punkten. Im Wahlkampf geht’s schlicht um die Frage: Welche Partei bietet für mich die größte Sicherheit. Wenn ich es denn doch nicht schaffen sollte, habe ich das große Glück, dass ich jederzeit wieder an die Ludwig-Maximilian-Universität kann.
„Mir ist rätselhaft, wie man eine Partei wie die AfD wählen kann“

Thomas Bader, Fraktionssprecher der CSU im Herrschinger Gemeinderat: Wir sind zufrieden mit dem Wahlausgang, weil wir in Herrsching immerhin um 4,5 Prozent zugelegt haben. Schade ist natürlich das Wahlergebnis für die AfD, wie man eine solche Partei wählen kann, ist mir rätselhaft. Die anderen Parteien haben aber einige Themen wie die Einwanderung nicht besetzt. Ob das gute Wahlergebnis in Herrsching mit der Arbeit der CSU-Fraktion im Rathaus zu tun hat, weiß ich nicht, ich will mich da nicht mit selber loben. Richtig ist aber schon, das wir nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Fraktion nun geschlossen auftreten.
„Mit der Hetze wuchs auch die Zustimmung“

Ruth Paulig, ehemalige Fraktionssprecherin der Grünen im Landtag: Ich finde das Wahlergebnis enttäuschend. Es resultiert aus einer großen Verunsicherung der Bevölkerung. Vielleicht kam die Wahl für uns Grüne auch zu früh, wir haben an den Info-Ständen gegen Ende des Wahlkampfs festgestellt, dass mit der Hetze gegen uns Grüne die Zustimmung zu unserem Programm gewachsen ist. Die Leute haben sich darauf besonnen, wie wichtig die Klimapolitik ist. Enttäuschend finde ich, dass wir den zweiten Platz im Parlament verloren haben. Aber Andrea Schulte-Kraus hat sich sehr stark engagiert und einen kreativen, abwechslungsreichen Wahlkampf geführt.
„Es wurde bei der Wahl anerkannt, dass wir im Gemeinderat eine gute ökologische Politik gemacht haben“

Gerd Mulert, Gemeinderat für die Grünen in Herrsching: Ich bin froh, dass die Grünen auf Landesebene nur bedingt haben Federn lassen müssen. Wir haben es in Herrsching auch gespürt, dass die Anfeindungen, die Vorwürfe, die Vorurteile teilweise richtig erschreckend waren. Über das AfD-Ergebnis bin ich natürlich entsetzt.
In Herrsching haben wir ganz gut abgeschnitten, wir liegen hier über 10 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Wir haben uns nicht erschüttern lassen von den fast täglich abgerissenen Plakaten, die ich am Tag danach gleich wieder drangetackert habe. Die sachliche Arbeit wurde vom Wähler gewürdigt.
Wir haben als Grüne am Ratstisch mit der BGH zusammen eine gute ökologische Politik gemacht haben. Das wurde bei der Wahl anerkannt. Gerade in den letzten Wochen haben wir das wieder deutlich machen können. Ich glaube, dass ich die Politik der Gemeinderäte positiv ausgewirkt hat.




