Nachtmarkt macht Ärger

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Kollision zwischen Anliegern und Wirtschaftsinteressen: Die Märkte bringen die Anwohner auf die Palme.

Nach dem Nachtmarkt an der Promenade soll es zu gehäuften Anwohnerbeschwerden über laute Musik, betrunkene Marktbesucher und Parkchaos gekommen sein. Sogar auf dem Kinderspielplatz sei noch spät gefeiert worden. Und die Belästigung durch die „Wuidbiesler“ an Gartenzäunen werde immer schlimmer. Die Gemeinderverwaltung hat die Beschwerdebriefe zur Kenntnis an die Gemeinderäte weitergeleitet. Gemeinderat Christoph Welsch fühlt sich nun in seiner kritischen Haltung den Märkten gegenüber bestätigt: „Der Gewinn aus solchen Märkten wird privatisiert, die Belastungen für Anwohner und Gemeinde werden sozialisiert.“ Welsch bereitet einen Antrag an die Gemeindeverwaltung vor, in dem er Auskunft über Gemeinde-Einnahmen und -Ausgaben im Zusammenhang mit den verschiedenen Promenadenmärkte verlangt.

Gemeinderat Christoph Welsch

Pfingst- und Nachtmarkt waren im letzten Februar ein heißes Thema in der Gemeinderatssitzung. Der Herrschinger Veranstalter Geja wollte wieder einen Pfingstmarkt ab dem 22. Mai (vier Tage) durchführen und beantragte auch gleich noch einen Nachtmarkt vom 14. bis zum 23. August. Die Rathausverwaltung hatte beide Veranstaltungen vorsorglich schriftlich abgesagt. Begründung: Es soll „eine gewisse Entlastung für die Anwohnerinnen und Anwohner geschaffen werden“. Die Gemeinde fürchtete Ärger mit den Anwohnern, die durch das Jubiläumsfest im Juni zusätzlich belastet würden. Nach Auskunft des Orga-Chefs Alexander Tropschug gab es aber keinerlei Beschwerden während des Festzeltbetriebs: „Wir haben jeden Anwohner einzeln über die Lärmschutz-Maßnahmen informiert. Wir hatten über der Madeleine-Ruoff-Straße sogar ein Lärmmessgerät installiert, das den Lärmpegel sekundengenau gemessen hatte“, sagte Tropschug. „Die Spitzenlärmmessung stammte von einem Lkw, der die M.-R.-Straße passierte.“

In der Gemeinderatssitzung im Februar hatte der Firmenchef des Veranstalters „Geja“, Gerd Jansohn, die Gelegenheit, für seine beiden gefährdeten Märkte zu werben. Jansohn hatte vorschlagen, mit dem Pfingstmarkt in den Kurpark auszuweichen – für den Gemeinderat aus Umweltgründen keine Option. Jansohn wies in seinem Statement vor dem Gemeinderat daraufhin, dass der Ausfall zweier Märkte für das „kleine ortsansässige Unternehmen einen schwerwiegenden wirtschaftlichen Einschnitt darstellt“. Er sprach sogar von einer existenziellen Bedrohung.

Bürgermeister Schiller hatte in der Sitzung entgegnet, dass die Gemeinde auch den Schutz der Nachbarn zu beachten habe. Geja sei zwar ein super Veranstalter, aber nach jedem Nachtmarkt gebe es Beschwerden von Anliegern. Die Musikbeschallung beim Nachtmarkt läuft von 20 bis 22 Uhr. Der damalige BGH-Gemeinderat Rainer Guggenberger hatte deshalb angefragt, ob die Musik denn sein müsse (muss angeblich sein). Die Zweite Bürgermeisterin Christina Reich, die in Vertretung des Bürgermeisters noch die schriftliche Absage unterschreiben musste, bekannte sich im Gemeinderat zu den Märkten („mal was los in der Gemeinde“) und beantragte auch, dass Veranstalter Jansohn im Gemeinderat das Wort erhielt.

In der Abstimmung gab es dann klare Verhältnisse: Der Nachtmarkt erhielt nur eine knappe Mehrheit, der Pfingstmarkt wurde nicht genehmigt.

Sollte sich die marktkritische Haltung von Gemeinderat Christoph Welsch aber im Gemeinderat durchsetzen, könnte es eng werden für den Promenadenrummel: „Bei den Märkten wird öffentlicher Raum für private Veranstaltungen missbraucht“, sagte er herrsching.online. „Ich will nicht mehr, dass während eines ganzen Drittels des Hochsommers der Uferweg mit Märkten verwendet wird.“

Die letzten Märkte des Jahres in Herrsching

Promenadenmarkt 1. bis 4. Oktober Promenade
Christkindlmarkt 12./13. Dezember Ev. Kirche

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