Streit in Breitbrunner Flüchtlingsunterkunft: Hubschrauber fliegt Verletzten in Klinik

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Im Flüchtlingsheim in der Breitbrunner Seestraße (Bild) leben zur Zeit etwa 75 Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge. Obwohl die Heimbewohner mehr Unterstützung denn je brauchen, um sich im Behördendschungel zurechtzufinden, gibt es immer weniger Helferinnen und Helfer. Eine unermüdliche Unterstützerin ist die Breitbrunnerin Julia Rothbauer.

Polizei muss zweimal eingreifen/Flüchtlingshelferin beklagt dramatischen Rückgang der Behördenunterstützung///

Am Dienstag wunderten sich Bewohner der Breitbrunner Seestraße über Polizeiwagen und Rettungshubschrauber in ihrer Nachbarschaft. Wie der Herrschinger Chef der Polizeiinspektion, Winfried Naßl, mitteilte, stritten sich am späten Vormittag des Dienstags eine 44-jährige und eine 35-jährige Frau so heftig, dass die Polizei die Auseinandersetzung schlichten musste. Damit war der Streit aber nur vorläufig erledigt: Am frühen Nachmittag flammten die Streitigkeiten wieder auf, weil sich gleich mehrere Familienmitglieder in die Auseinandersetzung einmischten. Dabei wurden mehrere Mitglieder der afghanischen Familien verletzt. Die Polizei musste wieder eingreifen und die Lage beruhigen. Ein 50-jähriger Famlienvater aber wurde bei dem Streit so schwer verletzt, dass der ADAC-Rettungshubschrauber zum Einsatz kam und den Verletzten in eine Klinik fliegen musste. „Der Grund für die Streitigkeit“, so der Erste Polizeihauptkommissar Winfried Naßl, „ist bislang nicht bekannt.“ Die Polizei ermittelt nun den Ablauf der Streitigkeiten, damit „strafrechtlich relevante Taten verfolgt werden können“.

Dass bei den extrem beengten Wohnverhältnissen in dem fast vollständig belegten Haus Streitigkeiten ausbrechen können, ist für Kenner der Verhältnisse kein Wunder. Trotzdem sei die Stimmung im Breitbrunner Flüchtlinsheim eigentlich immer noch friedlich, sagt eine Flüchtlingshelferin, „und manchmal wundert man sich, dass das bei den Schicksalen in der Unterkunft so ist.“ Die Sozialberatung der Ämter sei inzwischen krass heruntergefahren worden, dabei seien viele Asylsuchende mit dem Behördendeutsch in den Formularen überfordert.

Ein Schicksal berührt die Helferin besonders: Eine Familie in dem Heim wohnt zu viert in einem Zimmer – der Mann ist Schmerzpatient und jede Woche angewiesen auf medikamentöse Therapie. Er sei natürlich mit seinem Leiden nicht arbeitsfähig – das wenige Geld verdient die Mutter, die allerdings noch nicht als Asylberechtigte anerkannt sei. Ein Kind habe ebenfalls nur eine Duldung, das andere dagegen sei zusammen mit dem Vater anerkannt.

Eine eigene Wohnung ist unerreichbar, weil man für ein gemietetes Dach überm Kopf eigenes Geld verdienen müsse. Dass die Kinder nicht ihren Kindergartenplatz verloren hätten, sei nur ihrer Unterstützung zu verdanken, sagt die Helferin. Dazu kommen noch die Tücken der deutschen Gesetze: Plötzlich fliegt ein Flüchtling aus der gesetzlichen Krankenkasse, nach drei Monaten aber flattert eine Rechnung in den Briefkasten, die Flüchtlingsfamilie möge doch endlich die Prämie für eine private Krankenversicherung bezahlen.

Die Situation in dem Breitbrunner Heim sei nicht ganz einfach, weil anererkannte Bewohner keine Perspektive hätten. Die meisten der 80 Heimplätze seien mit Menschen belegt, die nur kurz in Breitbrunn blieben.

Dass der Flüchtlingshelferkreis praktisch nicht mehr existiert und nur noch wenige Breitbrunnerinnen und Breitbrunner Unterstützung anbieten, mache die Arbeit auch nicht leichter. Schließlich müsse man die Defizite, die Behörden wegen der reduzierten Beratung hinterlassen, durch privaten Support ausgleichen. Die Helferin, die sich bereits ein Jahrzehnt lang um Geflüchtete kümmert, wundert sich deshalb, dass trotz dieser Lebensumstände meistens eine friedliche Atmosphäre in dem Heim herrsche.

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