Jörg Ellinger, 68, hütet beim Verein 1250-Jahre Herrsching, die Kasse. Er muss dafür sorgen, dass die zweiwöchige Jubel-Sause an der Promenade kein finanzielles Fiasko wird. Die Expertise für diesen Job hat er: Ellinger ist Steuerberater und im Hauptberuf Geschäftsführer einer Steuerberatungsgesellschaft. Er wohnt seit 1997 in Herrsching und engagiert sich beim DRK, Ammerseer Bauerntheater, im TSV Herrsching und nun beim Jubiläumsverein 1250 Jahre Herrsching e.V. herrsching.online hat ihn im Festzelt getroffen, das in den nächsten 13 Tagen hoffentlich immer voll ist.
herrsching.online: Wir können Herrsching gratulieren, dass der Jubiläumsverein einen tüchtigen Finanzmanager hat. Ihnen zu dem Job zu gratulieren, wäre vielleicht Zynismus: Wie stemmt man einen Etat von fast einer halben Million Euro mit lauter Ehrenamtlichen?
Ellinger: Das Wichtigste ist eine genaue Vorausplanung der Veranstaltung. Durch erfahrene Mitglieder des Vereins wie meine Vorstandskollegen Ludwig Darchinger und Alexander Tropschug und weiteren Mitgliedern mit Erfahrung in wichtigen Bereichen der Veranstaltungsplanung war es möglich, diese Mammut -Aufgabe zu lösen.
herrsching.online: Wie läuft eigentlich der Kartenvorverkauf? Ist abzusehen, dass Ihre Kalkulation aufgeht?
Ellinger: Der Kartenvorverkauf zieht derzeit stark an, ob wir die geplanten Tickets verkaufen werden, entscheidet sich noch an den Abendkassen. Die Veranstaltungen wurden sehr stark beworben, deshalb rechnen wir mit einem hohen Ticketverkauf am jeweiligen Veranstaltungstag
herrsching.online: Wenn doch was schief ginge, was wir natürlich alle nicht hoffen, wer bliebe auf dem Defizit sitzen?
Ellinger: Wir hoffen nicht, auf einem Defizit sitzen zu bleiben. Durch viele Maßnahmen zur Einnahmenerzielung wie Zuschuss der Gemeinde Herrsching, Betrieb des Festzeltes in Eigenregie, Verkauf des Jahreskalender sowie Gedenkplaketten, Verkauf des Maskottchens Herrsching, Lizenzverträge auf unser Markenrecht, Provisionen aus den Gastronomiebetrieben sowie erhebliche Werbekostenzuschüsse der Gewerbetreibenden aus Herrsching und Umgebung rechnen wir damit, alle Kosten decken zu können. VIele Risiken konnten wir durch Versicherungen abdecken. Sollte tatsächlich ein Defizit entstehen, werden wir versuchen, durch geeignete Mittel das Defizit auszugleichen. Wenn dies nicht gelingt und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Zahlungsunfähigkeit eintritt, müsste ein Insolvenzantrag gestellt werden.
herrsching.online: Viele Herrschinger Themen wie JugendkulturKlub, Kindernachmittag, Fashionshow oder Jahresempfang tragen mutmaßlich wenig zum Budget bei, teure Stars wie die Brettl-Spitzen oder Wolfgang Krebs sind vermutlich die Geldmagneten. Ist der Finanzmanager mit der kommerziellen Balance zufrieden?
Ellinger: Wir wollen mit den verschiedenen Veranstaltungen eine 1250-Jahrfeier für alle Herrschinger Bürgerinnen und Bürger anbieten, für jeden Geschmack und für jede Altersgruppe unter dem Motto: Endlich ist was los in Herrsching. Zu den Veranstaltungen ist grundsätzlich zu sagen, dass es keine Geldmagneten gibt. DIe Stars unter den Künstlern haben hohe Forderungen. DIe Gagen belaufen sich auf 60 bis 70 Prozent der Ticketverkäufe. Dazu kommen die Beiträge zur Künstlersozialkasse, GEMA-Gebühren, Reisekosten sowie die Kosten für Licht- und Tontechnik. Mit Veranstaltungen in dieser Größenordnung ist kein Geld zu verdienen, Kosten werden mit den vorher genannten Einnahmen gedeckt.
herrsching.online: Man wundert sich immer wieder, wie sich Ehrenamtlicher in solche Abenteuer stürzen. Was hat Sie bewogen, im Verein 1250-Jahre-Herrsching ein so schwieriges Amt zu übernehmen?
Ellinger: Für mich war Ehrenamt schon immer ein Bestandteil meines Lebens. Ab dem 17. Lebensjahr war ich als Sanitäter beim DRK ehrenamtlich tätig, danach 12 Jahre im Rettungsdienst. Durch meine berufliche Selbstständigkeit konnte ich danach nur noch beschränkt ein Ehrenamt betreiben. Da ich jetzt wieder mehr Zeit habe, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, wieder ein Ehrenamt anzunehmen. Durch meine berufliche Erfahrung war die Position des Schatzmeisters genau das richtige. Trotz des hohen Zeitaufwandes bereue ich nichts.



