Fußballfans schauen in der U-Bahn in die Röhre, Pendler kommen nicht rechtzeitig zur Arbeit, die Straßen sind verstopft – Verdi lässt bei den Warnstreiks die Muskeln spielen. Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst bringen aber nicht nur die Arbeitnehmer ins Schwitzen, auch in vielen Rathäusern sind die Kämmerer besorgt: Was bedeuten die Lohn- und Gehaltsforderungen für die Gemeindehaushalte? herrsching.online hat bei der Kämmerin in Herrsching, Miryam Goodwin, nachgefragt, wie stark die Personalausgaben den Haushalt belasten. Ergebnis: Die Personalaufwendungen sind in den letzten elf Jahren von 3,3 Millionen auf 5,8 Millionen gestiegen – eine Steigerung von 75 Prozent. Wie Bürgermeister Christian Schiller dazu ergänzend mitteilte, geht dieser Mehraufwand aber nur zu einem kleineren Teil auf die Schaffung neuer Stellen zurück. „Bereits im laufenden Haushaltsjahr werden Stellen, die nicht zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde gehören, reduziert“, sagt er dazu.

Und so haben sich die Ausgaben fürs Gemeindepersonal von 2016 bis 2025 entwickelt (Auskunft Kämmerei Herrsching):
| 2015 | 3,3 Mio. Euro |
| 2016 | 3,4 Mio. Euro |
| 2017 | 3,6 Mio. Euro |
| 2018 | 3,8 Mio. Euro |
| 2019 | 4,2 Mio. Euro |
| 2020 | 4,5 Mio. Euro |
| 2021 | 4,6 Mio. Euro |
| 2022 | 4,9 Mio. Euro |
| 2023 | 5,3 Mio. Euro |
| 2024 | 5,6 Mio. Euro |
| 2025 | 5,8 Mio. Euro |
herrsching.online: Die Personalkosten sind innerhalb von 10 Jahren um rund 75 Prozent gestiegen. Ist das den Gehalts- und Lohnsteigerungen geschuldet, oder wurden im Rathaus in dieser Zeit mehr Stellen geschaffen?
Bürgermeister Schiller: „Die tariflichen Lohnsteigerungen betragen in dem Zeitraum etwa 40 Prozent, Großraumzulage und leistungsorientierte Bezahlung zusätzlich noch einmal 200.000 Euro.“
herrsching.online: In welchen Abteilungen wurden neue Stellen geschaffen?
Schiller:
• 2017: Neuer Fachbereich Soziales
• Ab 2017: 0,5 Stelle Feuerwehr, ab 2019: insgesamt 3,5 Stellen
• Ab 2022: Vergabestelle Bauverwaltung
• Ab 2023: Zusätzliche halbe Stelle Umwelt/Energie (aktuell entfallen)
• 2024-2025: zeitweise 2 Stellen Bauverwaltung zur Digitalisierung von Bauakten (bereits wieder entfallen)
• Bauhof seit 2015: etwa 2 Stellen
• seit 2015: Kindergarten, Jugendhaus, Bauamt, Bücherei (je ca. 0,5 – 1 Stelle).
herrsching.online: Mussten aufgrund der tariflich vereinbarten Arbeitszeitkürzungen neue Stellen geschaffen werden, oder musste die Gemeinde neue Aufgaben schultern?
Schiller: Nein. Jedoch löst der grundsätzliche Teilzeitanspruch von Mitarbeitern sehr oft eine kleine Stellenmehrung aus.
herrsching.online: Welche Maßnahmen will die Gemeinde ergreifen, um die Personalkosten künftig einzufrieren oder vielleicht sogar zu verringern?
Schiller: Wir reduzieren bereits in diesem laufenden Haushaltsjahr die Stellen, die nicht zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde gehören.
- Stellen in dem freiwilligen Leistungsbereich werden vorerst nicht wieder besetzt.
Zum Beispiel für die Themenfelder Städtepartnerschaft, AGENDA und so weiter. - Jede Stellennachbesetzung wird vorher eingehend auf Notwendigkeit und Möglichkeit zum Entfall geprüft.
Im Bereich der Pflichtaufgaben können keine Einsparungen durchgeführt werden. Zusätzliche Aufgaben der Kommunen müssen ebenfalls berücksichtigt werden und lösen meistens Mehrarbeit oder Stellenmehrungen aus. Zum Beispiel die Vergabestelle für Ausschreibungen, Kinderbetreuung und Digitalisierung der Bauakten.



