Pächter des Bootskiosks an der Promenade will Kündigung wegen Formfehler nicht akzeptieren/Jochen Nibbe will weitere fünf Jahre am Minigolfplatz bleiben/Neuester Kompromissvorschlag: Management-Rochade mit Mitarbeiter/Gemeinde beharrt darauf, „dass der Saustall rund ums Boot beseitigt wird“///
Von Susanne Böllert
In Herrsching braucht‘s nur wenige Stunden Sonnenschein und grad so zweistellige Temperaturen, damit sich die Uferpromenade füllt und die Menschen ihre noch blassen Gesichter in die Sonne halten. Selbstverständlich öffnet dann auch Jochen Nibbe das Bootshaus am Minigolfplatz und gibt die ersten Aperol Spritz, Perger Obstschorlen und Weißbiere des Jahres raus.
Wobei hinter „selbstverständlich“ spätestens in einigen Monaten ein dickes Fragezeichen gesetzt werden muss. Denn, wenn man Bürgermeister Christian Schiller glaubt, muss Nibbe spätestens zum 14. Juni das sinkende Schiff in der Herrschinger Bucht verlassen. So jedenfalls könnt man den vor sich hingammelnden Kiosk in Bootsform durchaus bezeichnen, den Nibbes 2016 verstorbener Bruder Andreas erbaut hat und dessen Bug-Außenwände rund um die Terrasse mehr und mehr verfaulen.
„Der Pachtvertrag mit 20 Jahren Laufzeit wurde nicht verlängert. Der Gemeinderat wünscht sich einen neuen Pächter, der den Saustall rund ums Boot beseitigt und den Kiosk ansprechender als bisher gestaltet“, erklärt Schiller im Gespräch mit der Redaktion. Die Verwaltung erreichten immer wieder Klagen über Unrat am Minigolfplatz.
„Mir wurde nicht gekündigt“, behauptet dagegen Nibbe, der nur zwei Tage nach dem Tod seines Bruders wieder Gäste an Bord geholt und auf die Bahnen seiner Natur-Minigolfanlage geschickt hatte. Stillstand wäre der finanzielle Ruin für die Familie gewesen. Der 65-Jährige öffnet einen dicken Aktenordner und blättert zu Paragraf 3 des Pachtvertrags zwischen der Gemeinde Herrsching und der Enational GmbH vor, deren Geschäftsführung von Andreas auf Jochen Nibbe übergegangen ist. Dort steht: „Wird das Pachtverhältnis nicht mindestens 6 Monate vor Ablauf durch eingeschriebenen Brief gekündigt, verlängert es sich um fünf Jahre.“
Am 28. Juli vergangenen Jahres habe ihn eine E-Mail der Gemeinde, Fachbereich Liegenschaften, darüber erreicht, dass der Pachtvertrag zum 14. Juni 2026 ausliefe. Das war nichts Neues für den erfahrenen Bootshaus-Kapitän. Fortan habe er auf die rechtskräftige Kündigung gewartet, und als diese zu keinem Zeitpunkt in seinem Briefkasten gelandet sei, habe er angenommen, dass die Verwaltung nun doch mit einer Verlängerung um fünf Jahre d’accord sei.
„Es hat ja auch noch keine Ausschreibung für einen neuen Pächter gegeben hat“, fährt Nibbe fort, der wie üblich in knielangen Lederhosen auf den Planken steht. Für den Weilheimer mit dem weißen Bart, der im April 2027 in Rente geht, ist jeder Monat, den er als angestellter Geschäftsführer der Enational GmbH arbeiten und in die Rentenkasse einzahlen kann, Gold wert. Denn der Selbstständige hat in seinem Berufsleben nicht nur eine Pleite zu verkraften gehabt und bislang nur geringe Rentenbezüge erwirtschaftet.
„Aber auch für Herrsching wäre es die günstigste Lösung, alles für fünf Jahre so weiterlaufen zu lassen wie bisher“, glaubt Nibbe, „denn es gibt zwar keinen Pachtzins, den ich zu entrichten hätte, aber ich zahle jedes Jahr um die 500 Euro Grundsteuer und ich betreibe 365 Tage im Jahr die öffentlichen Toiletten für die Gemeinde“. Mit den Kosten für Wasser und Abwasser, Toilettenpapier und Reinigung und vor allem wegen der störungsanfälligen Abwasserpumpen und Steuerungsanlage käme er auf 20.000 Euro im Jahr. Die Toiletten seien im Übrigen entgegen wiederkehrenden Beschwerden immer geöffnet und zu benutzen: „Es gibt ja nicht einmal einen Schlüssel.“
Bürgermeister Schiller beharrt indes auf dem Wunsch, Nibbe loszuwerden: „Ja, er hat Recht, die Mitarbeiterin hat mit der Zustellung der Kündigung einen Formfehler begangen. Nichtsdestotrotz ist diese rechtmäßig erfolgt. Das hat unser Jurist bestätigt. Das Ding ist zugestellt. Dazu gibt es bereits mehrere Urteile.“
Und auf ein solches wird jetzt wohl auch Nibbe warten müssen. Immerhin hat er der Gemeinde bereits (fristgerecht) geantwortet, dass er die Kündigung nicht anerkenne.
Überraschende Wendung zum Schluss: Jochen Nibbe will gar nicht länger pachten, sondern plant eine Rochade mit seinem Mitarbeiter Robert Wild. Der Restaurantfachwirt und „Vollblutgastronom“ würde die 50 Prozent, die Jochens Nichte und Neffen an der GmbH halten, aufkaufen, die Geschäftsführung übernehmen und Nibbe als Angestellten weiterbeschäftigen. Damit hätte die Gemeinde, wie gewünscht, einen neuen Pächter, der endlich auch die erforderlichen Renovierungen durchführen würde, bevor Bootshaus und Minigolfanlage nach Pachtende in Gemeindeeigentum übergehen, verspricht Nibbe



