„Zwei reichweitenstarke Attraktionen für Herrsching: für die Gemeinde, für die Bürger, für den Ammersee“. So warben zwei Schausteller für ihren „Sommer am Ammersee“ im Gemeinderat. Ihr Vorschlag: Vom 18. Juni bis zum 11. Juli mit dem Riesenrad und einem „Stadl“ einen touristischen Anziehungspunkt schaffen. Mit täglicher Öffnung bis 22 Uhr. Das Rathaus trat dem Plan mit erkennbaren Wohlwollen gegenüber („Wir wollen der Bevölkerung eine Abwechslung bieten“), im Gemeinderat dagegen wurde lebhaft und kontrovers diskutiert. Am Ende gab’s eine knappe Mehrheit für eine abgespeckte Version: Das Riesenrad dreht sich vom 18. Juni bis 4. Juli, der Stadl bekam keine Mehrheit. Die Furcht vor dem Zorn der Anlieger hatte die „Gastronomie im Trachten-Stil“ verhindert.
Tatsächlich sind die Anlieger durch die Promenaden-Märkte inzwischen hörbar genervt. „Unsere Gemeinderäte sollten bei ihren Abstimmungen mehr auf die Anliegen der Herrschinger Bürger eingehen und nicht nur zugunsten der Gewerbetreibenden entscheiden“, schrieb die Herrschingerin Monika Brey in einem Kommentar. „Die Freizeit- und Erholungsflächen am Ufer wecken Begehrlichkeiten“, vermutete Leserin Brey – und sie hatte recht damit.

Beweis: Die zwei Antragsteller, die im Videocall während der Gemeinderatssitzung versicherten, dass da kein Halli-Galli am Strand geplant sei. Und Bürgermeister Schiller führte immer wieder den „Wunsch der Bevölkerung“ an, mal was Neues auszuprobieren – offenkundig sind Bürger und Verwaltung der ständigen Strandmärkte müde. Aus einer Bemerkung war auch zu entnehmen, dass der Marktveranstalter in der Gemeinde neuerdings kein gutes Standing mehr hat.
Christiane Gruber eröffnete die Diskussion mit einem Lob auf das Riesenrad: „War toll.“ Eigentlich sei dieser Promenadenabschnitt aber dem Sport und der Erholung gewidmet und nicht der kommerziellen Verwertung. Hannelore Doch bekräftigte: Eine Veranstaltung, die sich über mehrere Wochen hinziehe, sei eine Zumutung für die Anlieger.
Auch Alexander Keim sah eine Präsenz über fünf Wochen kritisch, begrüßte aber grundsätzlich das Event. Die Betreiber versicherten zwischen den Statements der Gemeinderäte immer wieder, dass da keineswegs ein Volksfest geplant sei. Und gerne könne man mit den lokalen Getränkelieferanten zusammenarbeiten. Bürgermeister Schiller brachte sogar die Mitwirkung Herrschinger Vereine in die Debatte ein.
Nikolaus Eisenblätter vermisste allerdings eine richtige Präsentation der Schausteller. Max Grieshuber, Inklusionsbeauftragter des Rates, erinnerte an die Suchtgefahren durch zusätzlichen und strandnahen Alkoholkonsum.
Wolfgang Schneider brachte eine Kombination aus Riesenrad-Gaudi und Märkten ins Spiel, um die Zahl der Strandbelustigungen zu reduzieren. Außerdem plädierte er dafür, dass die Besucher auf den Märkten mehr erleben sollten – zum Beispiel Handwerker, die Einblick in ihren Beruf geben.
Christoph Welsch, der auf herrsching.online schon einmal die Marktveranstaltungen heftig kritisiert hatte („Der Gewinn aus solchen Märkten wird privatisiert, die Belastungen für Anwohner und Gemeinde werden sozialisiert“) bekräftigte seine Vorbehalte gegen die durchkommerzialisierten Märkte: „Das ist ein Wahnsinn.“ Christina Reich, die sich immer wieder für die Veranstaltungen eingesetzt hatte („Es muss sich was rühren in Herrsching“) fand Riesenrad und Stadl allein zu langweilig. Das Konzept, meinte sie, sei noch nicht ausgereift.
Nach einer langen Diskussion, die sich quer durch alle Fraktionen bahnte, kam es schließlich zum Schwur: Wer ist für eine Präsenz mit vier Wochen und fünf Wochenenden? Neun Stimmen vor allem aus der CSU-Fraktion. Vorschlag abgelehnt.
Und wer ist für eine zweiwöchige Dauer mit drei Wochenenden nur mit der Riesenrad-Attraktion? 13 Rätinnen und Räte hoben die Hand – das war die Mehrheit.
Vom 18. Juni bis 4. Juli dreht sich in Herrsching alles ums Riesenrad.




Der einzige Grund, warum ich als Herrschingerin schon lange nicht mehr auf die Märkte gehe ist der, dass ich seit vielen Jahren bereits vorher weiß, welcher Stand an welcher Stelle steht, und ich das einfach langweilig finde. Die Marktsituation könnte meiner Meinung nach so bleiben wie sie ist, nur mit jährlich wechselnden Anbietern, auch aus Kunst und Handwerk, etwas was wieder Lust macht, zu stöbern. Viele Herrschinger sind dieser Ansicht …
Ich verstehe nicht, warum unsere letzte Erholungs- und Freizeitfläche im Kernort durch die nächste und zusätzliche Veranstaltung belegt werden muss. Eine Festwoche ist akzeptabel und bringt die Herrschinger buchstäblich wieder an den Tisch, das Riesenrad als Attraktion schön anzuschauen. Als Anwohner wehre ich mich aber gegen die Nutzung dieses so wertvollen Bereichs für kommerzielle Zwecke, wie es die Seemärkte darstellen. Lasst uns diesen Bereich weiter als Fläche für die dörfliche Gemeinschaft nutzen, wie unsere Großeltern dies bei der Schaffung des Bereiches „am Sportplatz“ im Sinn hatten.
Alle zitierten Gemeinderäte haben gute Gründe in die Diskussion eingebracht. Viele sprechen gegen die geplante Übernutzung des Erholungsgeländes für kommerzielle Zwecke und Veranstalter. Vielleicht könnte man die genehmigten Veranstaltungen auf zwei Jahre im Wechsel machen? Muss denn in Zukunft alles jedes Jahr stattfinden? Eventuell kommt vielleicht auch noch eine Ironmanveranstaltung und das wäre dann vielleicht endgültig zu viel für die Herrsching Promenade. In anderen Gemeinden gibt es am Ortsrand Volksfestwiesen. In Rausch, Ellwang, Breitbrunn und Widersberg wäre eventuell eine geeignete Wiese…
Eine wundervolle Idee, die Märkte und eventuell auch ein Volksfest zu verlegen. Kommt einem doch gleich die ehedem dem Gymnasium zugedachte Fläche in den Sinn. Dem Riesenrad wäre auch dort auch ein spektakulärer Ausblick gesichert, das Herrschinger Moos ist sehenswert.
Richtigstellung(
Ich habe mich ganz klar GEGEN die erneute Aufstellung des Riesenrads ausgesprochen, (ohne besonderen Anlass, wie z.B. die 1250 Jahrfeier) und auch dementsprechend gegen das Riesenrad abgestimmt !
Gleichzeitig habe ich mich FÜR eine alternative Gestaltung der Seemärkte ausgesprochen, mit mehr Fokus auf Familien, Vereine und ortsansässige Unternehmen.