• Wer wird der Größte im Dorf? Der Kirchturm von St. Johannes scheint seinen „Höhenkonkurrenten" kritisch zu betrachten. Alle Fotos: Gerd Kloos
  • Jetzt keinen Fehler machen: Die fünf Stemmgabeln wuchten den Baum Zentimeter um Zentimeter in die Senkrechte.
  • Triumpf der Muskelkraft: Die Männer an den Stemmgabeln mussten hart zupacken.
  • Wie eine College-Mannschaft wirkten dagegen diese Herren mit feinem Trachtenzwirn.
  • Seit hundert Jahren bewährt: Die mit einem Seilgeflecht verbundenen Stemmgabeln. Die Seilgeflechte mussten immer wieder umgeflochten werden, weil der Stamm nach unten immer dicker wurde.
  • Sehen und gesehen werden: Schauspieler Alexander-Klaus Stecher und Unternehmer Andy Schimpf.
  • Das gesellschaftliche Highlight des Dorfjahres: Alle Familien mit Tradtionsbewusstsein schauten dem Baum beim „Wachsen" zu.
  • Das weltexklusive Foto aus dem entscheidenden Augenblick: Sobald der Stamm vollständig in der Vertikalen stand, wurde der Sockel verschlossen.
  • Diese Fahne zeigt nicht nur den Dorfbewohnern, sondern sogar den Seglern vom nahen See, woher der Wind weht.

Stangerlgrad und kerngesund

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Die Ecke Kirch- und Schulstraße hat wieder einen Stammbaum, stangerlgrad, kerngsund und vom Wetterhahn bewacht: In 134 Minuten haben 20 kräftige Burschen, Feuerwehrmänner, der Dorfadel, Adabeis und Vigili del Fuoco aus Ravina die 30 Meter hohe Fichte in ihren Eisensockel gewuchtet.

Maibaumchef Andy Steigenberger, 55, hat fünf Stemmgabel-Besatzungen wie ein Orchesterdirigent geführt. Nur halt etwas mehr piano, weil die Instrumente länger waren als ein Geigenbogen. Gottes Segen ruhte auch auf der Brauchtumspflege, Pfarrer Rapp hatte vorher seinen Segen mit Weihwasser gespendet.

„Jo, der Breitenberber Hermann hot des in der Hälfte der Zeit gschafft“, kam’s aus der Breitbrunner „Früher-war-alles besser-Ecke“, aber da ist dem Zeitzeugen die Zeit etwas durcheinander geraten. Hunderte von Zuschauern, fast alle mit Dirndl und Lederhose bekleidet (man sah auch eine fesche Trachtenfrau mit Flipflops an den bloßen Füßen) folgten dem kollektiven Kraftakt.

Eigentlich ist ein Maibaum unpolitisch. Aber wer hat da nicht abwegige Gedanken, wenn er diesen wendigen Wetterhahn sieht?

Der Stärkste am Baum durfte natürlich nicht eingreifen – ein Kranausleger sicherte den mutmaßlich 2,5 Tonnen schweren Stamm, der sechs bis sieben Ster Holz unter der Rinde hatte. Und jetzt sind wir natürlich noch den Namen der Spenderfamilie schuldig: „Die Familie Hirschvogel hat uns den Stamm geschenkt,“ erzählte Andy Steigenberger.

Der hatte den Baum im November im Wald in der Nähe des Breitbrunner Sportplatzes – zusammen mit einem sachverständigen Maibaum-Komitee – ausgesucht. Dann wurde das Prachtstangerln in einem Zelt auf dem Kindergarten-Bolzplatz poliert, grundiert, bemalt und bewacht, als wären es Kronjuwelen aus dem Louvre.

Falsch: Er war natürlich besser bewacht… Dabei haben die nächtlichen Wachen mehrere Spione ausgemacht, die sich für das Stangerl interessierten. „Muaß ja net sei“, sagte Andy Steigenberger, „hätte uns 60 Maß Bier und 20 Brotzeiten gekostet.“ Das sind zur Zeit die Tarife für die Auslösung eines gestohlenen Maibaums. Die Tragerl Bier, die während der Nachtwachen durch die Kehlen flossen, waren jedenfalls billiger.

Der phantasieanregenden Wirkung des Gerstensaftes ist es auch zu verdanken, dass ein Gerücht durch Breitbrunn schleicht: Wir wollen uns, sagen einige Dörfler, doch lieber Inning anschließen – schließlich wären Buch und Breitbrunn ein schmuckes Paar. Und dann könnte man im nächsten Jahr wieder einen Maibaum aufstellen – dieses Mal in Buch. Und das fusionierte Dorf in Buchbrunn umbenennen.

So sieht der alte Maibaum im Second life aus: Ein Stück Traditionsholz für die Gärten. Das Stück ging in einer Versteigerung für 300 Euro weg.


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