Trauer, Freude und Genugtuung – die Polizeistatistik fürs letzte Jahr ist durchwachsen. Der Leiter der Polizeiinspektion Herrsching, Winfried Naßl, hatte in seinem Jahresbericht 2025 gute und schlechte Nachrichten: Die Zahl der angezeigten Straftaten ging in seinem Dienstbereich Herrsching, Seefeld-Hechendorf, Inning und Wörthsee um 5,4 Prozent auf 868 Fälle zurück, dafür stieg die Zahl der Verkehrsunfälle und der tödlich Verunglückten an: 2025 kamen im Herrschinger Umland drei Menschen ums Leben, die Verkehrsunfälle nahmen um knapp drei Prozent zu. (Über die Verkehrsstatistik erscheint ein separater Artikel). Dafür nahm – kein Grund zur Freude – die Aufklärungsquote für Herrsching und Umgebung ab.

Bei der polizeilichen Statistik tauchen nicht die Verurteilungen auf, sondern nur die Ermittlungsverfahren. „Es fehlt der klassische Mord in der Statistik“, sagte PI-Chef Naßl erleichtert – im vorletzten Jahr stand das Kapitalverbrechen an dem Autodesigner in den Büchern. Auch bei den anderen Straftaten verzeichneten die Polizisten in Herrsching einen Rückgang. Möglich allerdings, dass die Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums die Statistik etwas schönt.
Nur bei den Ladendiebstählen und bei den Wohnungseinbrüchen stiegen die Zahlen leicht an: Im letzten Jahr ließen sich 33 Langfinger erwischen, im Vorjahr waren es 28. Bei den Wohnungseinbrüchen wurden sieben Fälle registriert, im Vorjahr waren es fünf unerwünschte „Hausbesuche“. Dabei sei der Sachschaden durch das grobe Einbruchswerkzeug meist größer als der Beuteschaden.

Die Zahl der Rauschgiftdelikte nahm dank der neuen Gesetze dramatisch ab – von 51 Fällen im Vorvorjahr auf 17 Delikte im Vorjahr. In der Pressekonferenz wurde Polizeichef Naßl befragt, ob diese Zahlen denn ein korrektes Bild abgeben – schließlich beklagten viele Herrschinger Bürger, dass am Bahnhof immer noch munter gedealt werde. Natürlich würden weiterhin Kontrollen am Bahnhof durchgeführt – wie oft und in welcher Mannstärke, ließ Naßl offen: „Das sind ermittlungstaktische Fakten, die wir nicht bekanntgeben.“

Dass die Herrschinger, Inninger, Seefelder und Wörthseer Bürgerinnen und Bürger wenig kriminelle Neigungen haben, lässt sich an den Straftaten pro 1000 Einwohnern ablesen: Während 46 von tausend Bayern im letzten Jahr aktenkundig wurden, sind es in Herrsching und Umgebung nur 22,9 Bürger – im ganzen Kreis STA liegt die Zahl bei 28,9 Promille. Wir sind also noch etwas braver als der Rest des Landkreises.
Weniger erfreulich ist die Aufklärungsrate der Polizeiinspektion Herrsching – die übrigens traditionell niedriger liegt als in Gesamtbayern: In Herrsching wird nur etwas mehr als die Hälfte der Straftaten aufgeklärt (genau 54,7 Prozent), in Gesamtbayern sind es elf Prozent mehr. Und im Vergleich zur Täterermittlung im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord sieht Herrsching noch ungünstiger aus: Da liegt Herrsching sogar um 14 Prozent zurück.
PI-Chef Naßl antwortete auf die Frage, ob Herrsching zuwenig Personal habe, ausweichend: „Ich hätte gerne mehr Personal“, meinte er in der Pressekonferenz. Die Sollstärke in Herrsching wäre mit 40 Beamtinnen und Beamten erreicht, wie der aktuelle Stand ist, lässt Naßl offen. Es fehle in Herrsching an Ermittlungsansätzen, meinte Naßl, was wohl heißt, dass die Polizei hier weniger Tipps von Bürgern bekommt. Guckt man in Herrsching eher weg, wenn die Firma Klau & Stehle unterwegs ist?
Gegen 442 Männer und Frauen wurde 2025 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet – darunter waren 172 mögliche Straftäter ohne deutschen Pass, das sind immerhin 39 Prozent. Allerdings handelt es sich dabei oft um „importierte Kriminalität“, also ambulante Straftäter. Und knapp fünf Prozent der aktenkundigen Täter waren jünger als 14 Jahre – und damit strafunmündig. Allerdings kümmert sich anschließend oft das Jugendamt um diese Krimi-Kids.
Frauen sind übrigens der bessere Teil der Menschheit: Von den 442 potenziellen Delinquenten (in der Statistik tauchen nur Tatverdächtige auf, keine Verurteilten) sind in der Hauptaltersgruppe 21 und älter nur 105 Frauen, das sind 23,7 Prozent. Wenn’s also nur Frauen gäbe, bräuchte man – theoretisch – drei von vier Polizisten nicht.



