Man würde es nicht glauben, wenn es nicht der Pfarrer persönlich gesagt hätte: Dekan Simon Rapp berichtete in der Bürgerversammlung, dass der Umbau der alten Nikolauskirche jetzt beginnt und Ende 2027 abgeschlossen sein soll. Dann hat Herrsching einen neuen Festsaal für Konzerte, Theater, Jubiläen, Familienfeiern und Ausstellungen, der Platz für 110 Personen bietet.

Die politische Gemeinde unterstützt den Umbau mit 800 000 Euro. Die Kosten für die Umgestaltung des emeritierten Gotteshauses werden sich voraussichtlich auf 3,2 Millionen Euro belaufen. In der Bürgerversammlung äußerte sich Rapp auch zu den Mietpreisen – und zu Mietinteressenten, die ganz gewiss die ehrwürdige Exkirche nie von innen sehen.

Auf der Nordseite der Kirche soll eine WC-Anlage gebaut werden, so dass kein Bedürfnis unbefriedigt bleibt. Nach den eingereichten Plänen der katholischen Kirchengemeinde bleibt der historische Dachstuhl unverändert. Die Wände werden mit Gipskarton beplankt, die auf einer Stahlkonstruktion aufgebracht sind. Die Empore wird abgerissen, der historische Altar dagegen bleibt erhalten. Der ehemalige Vorbau wird weichen, der Eingang soll mit Holzlamellen verkleidet werden. Finanziert wird der Umbau von der Diözese Augsburg, der politischen Gemeinde Herrsching und – nach gutem katholischen Brauch – auch durch Spenden.
Auch wenn im Laufe der Jahrhunderte Hunderttausende von Menschen in dem Kircherl Taufen und Hochzeiten erlebt und Abschied von den Verstorbenen genommen haben, werden im neuen Festsaal auch Veranstaltungen stattfinden, die keinen kirchlichen Bezug mehr haben. Pfarrer Rapp erwähnte in der Bürgerversammlung wieder die lauernde Frage, ob denn in den heiligen Wänden auch eine muslimische Künstlerin ausstellen dürfe. Rapp antwortete, dass eine solche Künstlerin mutmaßlich sensibler sei als die Leute, die sich die „Rettung des Abendlandes“ auf die Fahne geschrieben haben. „Wer mit dem deutschen Grundgesetz Schwierigkeiten hat, wird die Kirche nicht mieten können.“
Den Festsaal kann man also mieten, denn er soll sich, so Rapp, finanziell selber tragen. Die Miete sei je nach dem sozialen Gehalt der Veranstaltung gestaffet: Für gewerbliche Veranstaltung werde der Mietpreis höher liegen, für Vereine und soziale Zwecke werde eine ermäßigte Miete angesetzt. Das Ensemble Kirche und Festsaal könnte auch eine Hochzeitslocation der kurzen Wege sein: In der neuen Nikolauskirche könne man heiraten, für die Feier ziehen Brautpaar und Gäste dann in die alte Kirche um.
Das spätgotische Kircherl wurde übrigens um 1209 herum erstmals erwähnt, der Hochaltar, der im übrigen erhalten wird, stammt aus der Zeit um 1700. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Kircherl wohl zu klein und um einen Anbau erweitert, der neue Sakralraum neben dem historischen Baudenkmal wurde 1990 fertiggestellt.



