Max Grieshuber ist bei der Wasserwacht, kein schlechtes Sprungbrett für eine Herrschinger Kommunalkarriere. Er wird die Linke im Gemeinderat vertreten.

Linke will in den Gemeinderat: Auch ein Schlagloch ist nicht unpolitisch

5 mins read

Max Grieshuber – wär‘ der was für den Gemeinderat? Der Ergotherapeut kandidiert als Spitzenkandidat für die Linke in Herrsching. ////

Der 36 Jahre alte Max Grieshuber könnte die Herrschinger Kommunalpolitik, die eher brav, mitunter bieder wirkt, gründlich aufmischen. Er setzt sich dafür ein, dass leerstehende Wohnungen wieder in den Markt zurückkommen, beim Bau aufs Grün und auf einen Anteil von bezahlbaren Wohnungen geachtet wird. Und er will gerechte Mobilität für 8- bis 80-Jährige. Der ehemalige Germeringer ist couragiert, klar in seinen Forderungen und fast so schnell beim Formulieren wie …? Na, wie wer wohl? Die Linke Herrschings unterstützt übrigens die Bürgermeister-Kandidatin Karin Casaretto.

herrsching.online: Links sei nicht schick oder elegant, sondern altbacken und gehe in die falsche Richtung, sagte Söder über Ihre Partei. Sind Sie altbacken?

Grieshuber: In die falsche Richtung geht im Jahr 2026, wer Politik für Immobilienspekulanten und Großspender macht, Herr Söder. Eine weibliche junge Partei, die tatsächlich christliche Werte vertritt, muss für ihn ein harter Brocken sein. Fakt ist, wir sind die jüngste und am schnellsten wachsende Partei Bayerns. Wenn altbacken bedeutet, sich für bezahlbare Mieten, Inklusion und gerechte Mobilität einzusetzen, dann bin ich gerne altbacken.

herrsching.online: Was war der Grund dafür, dass die Linke ein so überraschendes Comeback hingelegt hat?

Grieshuber: So überraschend war das Comeback jetzt eigentlich nicht, wir waren in unserer Linie ja immer klar. Jetzt wird’s vielleicht nur deutlicher wahrgenommen. Wir stehen für soziale Gerechtigkeit und genauso klar für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaat auf Grundlage unseres Grundgesetzes.

Und nein, Autokraten und Kriegsverbrecher wie Putin sind für uns keine Partner, sondern eine Bedrohung für Frieden und Demokratie. Ich glaube, das haben die Leute mittlerweile mehr verstanden oder wir haben es besser kommuniziert.

Gleichzeitig ist es auch so, dass viele Menschen genug von einer Politik haben, die nach oben verteilt und nach unten kürzt. Die Mieten explodieren, der Alltag wird teurer und trotzdem fehlt der politische Wille, Vermögen angemessen zu besteuern, obwohl die Mittel dafür da wären. Stattdessen werden Sozialstaat und die arbeitende Bevölkerung angegriffen. Die Menschen merken sehr genau, wer ihre Sorgen ernst nimmt und wer Lobbypolitik für diejenigen macht, die ohnehin schon profitieren.

herrsching.online: Wie lange leben Sie schon in Herrsching?

Grieshuber: Ich lebe seit gut fünf Jahren in Herrsching. Als ehemaliger Germeringer hatte und habe ich einige Schulfreunde in Herrsching. Und meine Eltern haben sich in Herrsching kennengelernt. Damals war der Bahnübergang an der Riederstraße auch schon Thema. Der Biber allerdings noch nicht. Herrsching ist mein Zuhause und mein Alltag, ich arbeite hier und bin hier verwurzelt.

herrsching.online: Wie kamen Sie zur Politik?

Grieshuber: Mich hat einfach zunehmend gestört, wie stark nach unten getreten wird. Gegen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, gegen Minderheiten und alle, die nicht ins gewohnte Mehrheitsbild passen, gegen ArbeitnehmerInnen und gegen den Sozialstaat selbst. Ich halte das für grundfalsch. Unsere Vielfalt und unsere Solidarität sind zentrale Ressourcen unseres Wohlstands und unseres Zusammenhalts. Gleichzeitig besitzen immer weniger Menschen immer mehr Vermögen, die Schere klafft auseinander und wir hätten längst die Instrumente, das zu korrigieren. Es fehlt einfach am politischen Willen. Es profitieren zunehmend rechte Kräfte, Steuergerechtigkeit und die Gesellschaft bleiben auf der Strecke.

Ich bin in die Politik gegangen, weil ich davon überzeugt bin, dass wir nur durch Solidarität und soziale Gerechtigkeit stabil und resilient werden.

herrsching.online: Welche Erwartungen haben Sie bei der Wahl?

Grieshuber: Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung. Geht wählen Leute! Ansonsten erwarte ich, dass es so fair und respektvoll bleibt wie bisher im Wahlkampf. Und freue mich natürlich über jede Stimme für die Linke.

herrsching.online: Wo engagieren Sie sich noch ehrenamtlich?


Grieshuber: Nach der Wahl möchte ich mich entweder im Gemeinde- oder Inklusionsbeirat einbringen, je nach Wahlergebnis. Ich bin bei der Wasserwacht aktiv und seit kurzem auch Mitglied bei ProNatur. Außerdem engagiere ich mich in der Sozialsprechstunde unserer Partei DIE LINKE. Da unterstützen wir Bürgerinnen und Bürger ganz konkret bei Fragen zur Miete, Heizkosten, sozialen Anliegen oder Ähnlichem.

herrsching.online: Viele Kommunalpolitiker sind der Meinung, dass lokale Politik eigentlich gar keine Politik sei, sondern eine eher apolitische Suche nach Sachlösungen. Wo schimmert in der Kommunalpolitik aber doch Weltanschauung durch? Braucht es in der Kommunalpolitik Parteien?

Grieshuber: Es gibt ja diesen Spruch: „Ein Schlagloch hat kein Parteibuch“ und das stimmt natürlich. Aber die Frage ist schon, welche Straße wir zuerst sanieren, ob wir bezahlbaren Wohnraum priorisieren oder Prestigeobjekte, ob wir soziale Angebote ausbauen oder kürzen. Also die Prioritäten sind immer politisch.

Parteien haben den Vorteil, dass sie überregional aktiv und weiter vernetzt sind als örtliche Wählergruppen. Was es am Ende braucht, entscheiden zum Glück die WählerInnen. Solange wir konstruktiv, respektvoll und fair miteinander umgehen, finden wir auch gute Lösungen für die ganze Gemeinde.

herrsching.online: Alle sprechen vom Bauturbo. Da wird es künftig öfter Konflikte zwischen Bagger und Baum, zwischen Bauen und Natur geben. Wie werden Sie sich verhalten?

Grieshuber: Das ist für mich kein Entweder-Oder. Als unsere gemeinsame Lebensgrundlage hat die Natur natürlich oberste Priorität. Wir wohnen hier in einem wunderschönen, empfindlichen Ökosystem, das über Generationen gewachsen ist, das können wir nicht auf Knopfdruck ersetzen, das ist klar.

Gleichzeitig leben wir im 21. Jahrhundert, wir haben alle Möglichkeiten, um naturnah und zukunftsfähig zu bauen. Das muss kein Widerspruch sein. Wer baut, muss Verantwortung übernehmen. Für die Gemeinschaft und für unsere Lebensgrundlage. Darum fordern wir eine Gestaltungssatzung mit verbindlichem Grünflächenanteil und 30 Prozent bezahlbarem Wohnraum bei größeren Neubauprojekten, außerdem wollen wir Versiegelung begrenzen, Entsiegelung fördern und Baumbestand schützen.


herrsching.online: Welche Probleme stellen sich die nächsten Jahre im Gemeinderat noch, welche Felder wurden vom alten Gemeinderat nicht vernünftig bearbeitet?

Grieshuber: Erstens: Leerstand. Ganz klar. Bei den Haustürgesprächen und beim Flyern habe ich sehr viel Leerstand gesehen. Und ganze Häuser, die fast nur aus Zweitwohnung bestehen. Wir können so viel bauen, wie wir wollen, aber wenn so viele Wohnungen leer stehen, lösen wir das Problem nicht. Und es wird höchste Zeit, dass wir das angehen. Da hat sich lange lange nichts getan.

Was könnte die Gemeinde machen, um leerstehende Wohnungen und Gebäude wieder dem Markt zuzuführen?


Grieshuber:
Zuerst brauchen wir einen klaren Überblick. Ein Leerstandskataster, damit wir wissen, wo dauerhaft Wohnraum leer steht. Und ja, auch eine Zweckentfremdungssatzung. Nicht um jemanden vorzuführen, sondern um deutlich zu machen: Eigentum verpflichtet und Wohnraum ist kein Spekulationsobjekt.


Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass viele Wohnungen nicht aus bösem Willen leer stehen. Oft sind EigentümerInnen mit Sanierung, Bürokratie oder Vermietung schlicht überfordert.Hier sollte die Gemeinde ansetzen: mit Beratung, mit konkreten Ansprechpersonen und pragmatischer Unterstützung. Also mit Verbindlichkeit auf der einen Seite und Hilfe auf der anderen. Das Problem am Leerstand ist: Die Auszubildende findet nichts, die Pflegekraft zieht weg, die junge Familie schaut sich woanders um. So werden wir nicht resilienter, sondern verletzlicher. Wegschauen bringt uns da nicht weiter.

herrsching.online: Und was gehört noch zu Ihrem Programm?

Grieshuber: Inklusion und Barrierefreiheit. In meiner Arbeit treffe ich täglich Menschen in Herrsching, die nicht mobil sind und auch gar nicht mobil sein können, weil der Ort nicht barrierefrei ist. Für die Inklusion tun wir allgemein zu wenig. Stadtratssitzungen sollten auch online übertragen werden, für Menschen die ihr Haus nicht verlassen können. Wir werden als Gesellschaft älter, das Thema wird immer wichtiger. Da haben wir in guten Jahren zu viel liegen lassen.

 
Drittens die Mobilität im Ort. Der öffentliche Raum ist für alle da. Nicht nur für Autos. Ob ältere Menschen mit Rollator oder Kinder auf dem Schulweg, viele fühlen sich im Straßenverkehr einfach an den Rand gedrängt. Da hat es der alte Gemeinderat verpasst, mutiger zu sein. Wir brauchen durchgängig Tempo 30 im gesamten Gemeindegebiet und ein besseres Rad- und Fußwegenetz. Gerechte Mobilität für alle! Die 80-Jährige und den 8-Jährigen.


6 Comments

    • Hallo Christina. Wir das ist zumindest meine Familie und ich denke ein nicht allzu kleiner Teil der Herrschinger die von Leuten, die nicht mal ihren Namen zeigen genervt sind.

      • Sehr geehrte Frau Schmid,
        es ist bedauerlich, dass Sie anscheinend Schwierigkeiten haben, sachliche oder konstruktive Kommentare zu den jeweiligen Berichten abzugeben. Ihre Anonymität im Forum (Alias-Name?, kombiniert mit teils beleidigenden und lächerlichen Äußerungen, lässt auf einen Mangel an Respekt und Ernsthaftigkeit schließen. Ein kritischer Austausch sollte stets auf einer respektvollen und sachlichen Ebene stattfinden.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Aktuellste Meldungen

Goro geht

Neuer Bootsverleiher an der Promenade/Christiane „Tinsi“ Gruber zieht mit ihrem Mann nach Utting, behält aber ihr