• Der neue Stolz des ganzen Dorfes bekam einen selbstgebackenen „Schlüssel". Von links die Backhäusl-Beauftragte Rachel Holzer, der Vorstand des Brauchtumsvereins, Hubert Eichberger, die Pfarrgemeinderätin Theresia Holzer und Bürgermeister Schiller. Foto: Gerd Kloos
  • Die Palisaden-artigen Holzstämme geben der Fassade des neuen Gemeindezentrums Widdersberg einen unverwechselbaren Charakter. Foto: Gemeinde Herrsching
  • Fleißige „Freundinnen des Backhäusls" haben Flammkuchen der Extraklasse für die Einweihungsgäste gemacht
  • Die stolzen Baumeister: Projektleiter Sacha Neukirch, Architekt Ulli Sommersberger und Bauleiter Gerhard Gunperl
  • Wenn die Sauerteigbrote oder Flammkuchen in das 400 Grad heiße Backsteingewölbe geschoben werden, muss vorher das Holzfeuer ausgeräumt werden.
  • Spiel mit dem Feuer: Die Backhäusl-Expertin Rachel Holzer und Backhaus-Freund Wolfgang Werner

Widdersberg hat jetzt seinen „Gasteig“

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Was hat Widdersberg, was Herrsching und Breitbrunn nicht haben? Ein schmuckes Gemeindezentrum, in dem gefeiert, musiziert und debattiert werden kann: Am Samstag wurde das neue, schöne, teure Gemeindezentrum mit Reden, Segen, Weißwürsten, Musik und – steinofengebackenem Flammkuchen eingeweiht. Es ist ein Schmuckstück geworden, auf das andere Ortsteile nun mit großen Augen schauen werden.

Aber dazu gibt es auch gleich eine gute Nachricht: Das Haus mit viel Holz und knapp 200 Quadratmetern Nutzfläche darf von allen Herrschinger Vereinen genutzt werden. Lange wurde um das Haus gestritten – in Widdersberg und im Gemeinderat. Die Grünen sind den Planern immer in ein bisschen gram – zur Einweihung kamen nur zwei grüne Gemeinderäte.

Schon 1994 hatte Detlef Schreiber eine Erweiterung des alten Gemeindehauses ins Spiel gebracht, aber erst 2014 wurde auf Antrag von Margot Gastl die Planung wieder aufgenommen. Das alte Haus geriet zum Dauerbrenner in den Bürgerversammlungen (gebrannt hat’s gottlob nie…). Dann kam der Durchbruch bei einer Bürgerbefragung im Juli 2018: 111 von 219 abstimmenden Widdersbergern haben für einen Neubau votiert – das waren 50,6 Prozent. So wenige Menschen haben selten für die Annahme eines Geschenks gestimmt. Im Gemeinderat fiel die Abstimmung 17 zu 7 Stimmen für den Abriss des alten Gebäudes und eines Neubau aus.

Das Haus fügt sich in seiner länglichen Bauernhof-Form harmonisch in die Umgebung ein. Mit seinen prägenden Palisaden-ähnlichen Holzstäben an der Außenfront und der Holztäfelung der giebelförmingen Saaldecke passt das Gebäude organisch in die oberbayerische Landschaft. Der Entwurf des Architektenbüros Ulli Sommersberger ist auch energetisch ein Vorbild: Auf dem Dach produziert eine Fotovoltaik-Anlage Strom, der 51 Prozent des Energieverbrauchs liefert. Eine Luft-Wasser-Pumpe heizt dem großen Festsaal, der Küche und den Nebenräumen ein (wem’s nicht warm genug ist, der kann ja im neuen, benachbarten Backhäusl dem Brot beim Braunwerden zusehen). Die Pumpe hat eine Nennwärmeleistung von 15 kW.

Soviel Modernität kostet Geld, viel Geld: 1, 442 Millionen lässt sich Herrsching den Widdersberger „Gasteig“ kosten.

Wer im neuen Haus gastieren, diskutieren und musizieren darf, bestimmt der Widdersberger Brauchtumsverein – eine private Nutzung ist bisher noch nicht erlaubt (aber dazu scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein).

So oblag es auch dem Vorsitzenden des Brauchtumsvereins, Hubert Eichberger, die Feier- und Jubelrede zu halten. „Manche Widerstände innerhalb der Widdersberger Bevölkerung mussten beseitigt werden“, erinnerte Eichberger an die Entstehungsgeschichte. „50 Jahre nach der Eingemeindung unseres Dorfes und 25 Jahre nach den ersten Überlegungen und Planungen können wir uns nun über ein gelungenes Werk freuen und die Einweihung festlich begehen.“ Eichberger ließ in seiner Rede noch einen Stoßseufzer der Erleichterung los: „Wie lange hat uns eine solche Begegnungsstätte gefehlt.“ Schließlich gibt es seit längerem kein Gasthaus mehr in Widdersberg.

Für das Haus gab’s viel Anerkennung, vom Backhäusl hinterm Haus aber waren die Besucher schlicht begeistert. Das steinerne Häuschen aus dem 1868 war sogar von Experten aus Glenleiten begutachtet worden und fand den Beifall der Bauernhistoriker. Sabine Bloch hatte dem Häuschen geistig das historische Fundament gebaut, jetzt wird der mächtige Steinhofen vom Freundeskreis Backhäusl betrieben. Fünf Backteams kümmern sich um die gemeindeeigene Brotproduktion, eine mächtige Knetmaschine wird den Sauerteig für die 40 Laibe vorbereiten, die dann bei etwa 400 Grad im Bauch des Häuschens ihre herrliche Kruste bekommen. Rachel Holzer gehört zum Back-Ensemble. „Das ganze Dorf reißt sich um die Brote“, freut sie sich. Den Gästen bei der Einweihung präsentierte sie mit ihren Backfreundinnen Flammkuchen, für den alle Feuer und Flamme waren. Für das Backhäusl, das war vor dem heißen Ofen spürbar, gehen die Widdersberger sowieso durchs Feuer.

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