Von Susanne Böllert
Der Sommer hat in diesem Jahr wirklich alles gegeben. Und die Bootshaus-Mannschaft unter Leitung von Robert Wild auch. Darum kann der neue Kapitän, unter dessen Flagge der Kiosk nun segelt, zum Ende der Saison ein positives Fazit ziehen. „Wir sind wirklich sehr zufrieden“, sagt der 58-Jährige, „die Menschen, vor allem auch viele Herrschinger, haben gemerkt, dass sich etwas tut. Wir konnten alte Stammgäste wieder zurückgewinnen, was uns natürlich sehr freut.“
Dass sich etwas tun musste auf Boot und Minigolfanlage, war klar: Die Gemeinde wollte nicht mehr länger hinnehmen, dass der wunderschön an der Promenade gelegene Bootshaus-Kiosk weiter verkommt. Beschwerden über Müll, einen ungepflegten Garten und schmutzige Toiletten hatten sich gehäuft, wie Bürgermeister Christian Schiller im Frühling gegenüber herrsching.online äußerte. Darum hätte die Gemeindeverwaltung der enational GmbH, die Minigolfanlage und Bootshaus seit 20 Jahren pachtet, gern zum 14. Juni gekündigt. Doch dabei war ihr ein Formfehler unterlaufen: Die Kündigung war als E-Mail-Anhang und nicht, wie vertraglich vorgeschrieben, per eingeschriebenem Brief beim enational-Geschäftsführer Jochen Nibbe angekommen.
Als der sich weigerte, das Ende des Pachtverhältnisses zu akzeptieren, wäre man um ein Haar vor Gericht gelandet. Der Gütevereinbarungstermin konnte aber abgewendet werden, weil Nibbe der Gemeinde einen Deal vorschlug: Er würde die nur bis Ende des Jahres angebotene Pachtverlängerung akzeptieren – unter der Voraussetzung, dass sein Mitarbeiter Robert Wild fortan die Betriebsleitung übernehmen und dem Gemeinderat im November ein eigenes Konzept für den gastronomischen sowie den Minigolfbetrieb vorlegen dürfe. Nur in dem Falle, dass das Gremium dessen Konzept ablehne, dürfe das Bootshaus neu ausgeschrieben werden. Die Gemeinde willigte ein, ihrerseits unter der Voraussetzung, dass Wild zuvor als neuer Geschäftsführer der enational GmbH inthronisiert werden müsse.
Boot weckt Begehrlichkeiten
Potenzielle Pächter gäbe es genügend. Er habe von 30 Kandidaten gehört, erklärt Wild am ersten Oktobervormittag, der so warm daherkommt, als hielt er sich selbst für einen Tag Anfang September. Das Wissen um die Konkurrenz war umso mehr Ansporn für den erfahrenen Gastronomen, die Wünsche der Verwaltung (sowie vieler Herrschinger und auswärtiger Badegäste) zu erfüllen. Nur so würde er sich als langfristiger Käpt’n qualifizieren können, das war dem gebürtigen Münchner bewusst. „Die Toiletten werden drei Mal am Tag geputzt, da gibt es keine Beschwerden mehr. Der Rosengarten, die Hecken, die Rasenflächen lassen wir alles regelmäßig schneiden. Jetzt machen sie einen sehr gepflegten Eindruck“, zählt der Hotelbetriebswirt auf und zeigt auf die Anlage, die inzwischen sogar zwei kleine Olivenbäume zieren. Sollte es für enational eine Pachtverlängerung geben, würde er die teils ziemlich maroden Bahnen umgehend sanieren.

Auch gastronomisch habe sich das Angebot verbessert, fährt Wild fort, der zuvor im Lenbach in der Ottostraße, im Käfer Prinzipal, im Café Neuhausen und zuletzt im Garchinger Augustiner als Betriebsleiter tätig war. „Neben dem üblichen Strand-Essen wie Pommes, dem astrein laufenden Bootshaus-Burger, Nuggets und den Chicken Hits for Kids haben wir auch gesunde Snacks im Angebot wie unsere vegetarischen Frühlingsrollen. Oder unsere Vitaminbombe, der Apfel-, Karotte-, Ingwer-Shot. Den pressen wir rund um die Uhr frisch.“ Vegane Wochenenden, ein Wiesn-Wochenende und vorsichtig ein bisschen Live-Musik hätten ebenfalls dazu geführt, dass das Bootshaus in diesem Sommer wieder deutlich mehr Passagiere an Bord gehabt hätte, sagt der vierfache Vater, der derzeit noch in Kranzberg bei Allershausen lebt, aber gerne nach Herrsching ziehen würde.
Um dann weiter am Bootshaus zu werkeln, den Boden neu zu verlegen, dem gesamten Rumpf einen neuen Anstrich zu verpassen. Das neue (Lounge-)Mobiliar, die Reparaturen am morschen Bug und die neuen Folien gegen den Wind seien erst der Anfang gewesen, verspricht Wild.
Ausreichend Rücklagen habe man in der nun zu Ende gehenden Sommersaison bilden können. Für den Winter würde der neue Kapitän, der in Kürze auch offiziell als Geschäftsführer auftreten wird, gern einen Mast aufstellen und mit Segeln die Terrasse vor Wind und Kälte schützen. Dann gäbe es hier heiße Maronen, Glühwein, dann und wann ein Wintergrillen. Der Herrschinger Promenade, die nach Miene nun auch Goro, Jamal und Mato verloren hat, täte ein neuer Kulttreff nicht schlecht. Doch noch steht Wilds Vorsprechen vorm Gemeinderat aus.




