Im Januar 1926 wird die Deutsche Lufthansa AG gegründet, im Juni folgt die Daimler-Benz-AG. Und in einem Dorf am Ammersee entsteht – die Baufirma Kaindl. Möglicherweise ein kleiner Schritt für die bayerische Wirtschaft, aber ein großer für das östliche Ammerseeufer. Breitbrunn gehörte noch nicht zu Herrsching, wer den Zug nach München nahm, ging zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Fuhrwerk zum Bahnhof in Herrsching oder Hechendorf. Der Breitbrunner Bauhandwerker Johann Kaindl wollte nicht mehr für andere buckeln und am Wochenende in Schwarzarbeit auf Bauernhöfen rumsandeln. Er wollte sein eigener Herr sein. 100 Jahre später steht nun sein Enkel Richard in seinem Firmengelände auf der Bühne und ist – soweit es seine Bescheidenheit zulässt – mächtig stolz auf seine Vorfahren und seine Familie. Stolz nicht nur auf Steine, Mörtel, Kabelverlegungen und Leitungssanierung, sondern auch auf den untadeligen Ruf der Firma. Richard Kaindl fasste es weniger pathetisch in einem Satz zusammen: „Wenn wir gerufen werden, sind wir da.“
Alles, was in Herrsching mit Bau, Gewerbe und Politik zu tun hat, hat sich auf dem Bauhof an der Münchener Straße in Breitbrunn eingefunden. Auch die Baufirma Greimel, die ihr Firmengelände 100 Meter weit entfernt betreibt, gratuliert sehr herzlich. Sogar der Wahlkreisabgeordnete Michael Kießling, im Bundestag Ausschuss-Mitglied für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, gibt Kaindl die Ehre. Und die Zweite Bürgermeisterin Christina Reich zitiert den nur halbernst gemeinten Firmenwahlspruch, dass Kaindl für die Ewigkeit baue. Vielleicht heißt das ja, dass es keine Ewigkeit dauert, bis Kaindl auf der Baustelle erscheint. Das haben die Bauleiter am neuen Gymnasium übrigens sehr geschätzt: Wenn überraschend ein neues Problem auftauchte, war die Firma Kaindl schnell zur Stelle. „Wir haben ja einen kürzeren Anfahrtsweg als die Baufirmen aus dem Ausland“, sagt Richard Kaindl.
Große Heiterkeit erntete Kaindl in seiner Ansprache mit seinem kurzen Einblick in Entscheidungsabläufe des „Vorstands“. Seine Frau Kathy, fürs Finanzwesen zuständig, wollte den Firmenhof asphaltieren lassen, damit man bei Regen nicht schon morgens um 7 im Matsch steht. Richard Kaindl hielt das für Geldverschwendung. Die Finanzchefin drohte daraufhin: „Wenn du es nicht machst, beauftrage ich eine Fremdfirma mit der Asphaltierung.“ Begeisterung vor allem im weiblichen Publikum.
Begeisterung liest man auch aus den Zeilen der herrsching.online-Kommentare, die auf den Artikel „100 Jahre Kaindl“ eingingen. Der AWA-Chef Maximilian Bleimaier, mit seiner Wasserversorgung Stammkunde bei Kaindl, schrieb: „Was würden wir in unserer Region nur ohne die Firma Kaindl machen? Vielen Dank für die jahrzehntelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit und den täglichen Einsatz auf unseren Baustellen. Auf die nächsten 100 Jahre.“ Und Evi Buschor lobte: „So eine Firma darf man lange suchen, die auch für kleine Aufträge da ist und das mit so einer Freundlichkeit. Die Leistung ist tausendprozentig und Richard Kaindl ist, genau wie sein lieber verstorbener Vater, noch selber auf den Baustellen und behandelt seine Mitarbeiter mit großem Respekt, was ich ganz toll finde.“ Und Dr. Traugott Schöfthaler vom Runden Tisch in Herrsching lobte das Firmen-Ethos: „Frau und Herr Kaindl haben mit sehr viel Verständnis und Unterstützung einen Auszubildenden aus Afghanistan aufgenommen, dem ich als Integrationshelfer zur Seite stand.“









