IRONMAN: Verausgaben sich die „Eisenmänner“ bald am Ammersee?

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Ironman-Triathlet vor der Skyline von Frankfurt
Die Rahmenbedingungen für einen Ironman sind in Herrsching natürlich andere als in Frankfurt. Das Bild zeigt Teilnehmer an der Ironman European Championship von 2025. Copyright: Ingo Kutsche

Die Ironman GmbH sucht neue, geeignete Austragungsorte für ihre internationale Triathlon-Veranstaltung und hat vergangenen Sommer schon einmal beim Kreis Starnberg nachgefragt. Wirklich eignen würde sich für das Mega-Event, bei dem 3,8 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer per Rad und 42,2 Kilometer per pedes zurückgelegt werden, unter allen 14 Landkreisgemeinden wohl nur Herrsching. Mit 14:10 Stimmen hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, eine nicht verpflichtende Absichtserklärung für mindestens drei „Eiserne Männer“ in Folge zu unterzeichnen. 2028 wäre es zum ersten Mal so weit.

Ein Schelm, wer Böses denkt. Das mag Christian Schiller durch den Kopf gegangen sein, als er auf der Gemeinderatssitzung am Montagabend das Ansinnen der Veranstalter und der gwt Starnberg (Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung) vorstellte. Zumal Sohn Felix ein erfolgreicher Triathlet ist, der bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii sogar schon einmal Zehnter seiner Altersklasse (18 bis 24 Jahre) geworden ist. Und der Vater nun einmal Bürgermeister des bevorzugten Austragungsortes ist. Allein, so habe es sich nicht verhalten, beteuerte dieser.

Radstrecke durch den halben Landkreis

„Tatsächlich war es so, dass die Ironman GmbH sich erst bei der gwt gemeldet hat und die dann auf den Felix zugekommen ist, damit er mögliche Strecken vorschlägt“, erklärte Schiller die Reihenfolge. Schiller Junior hat nun also die Herrschinger Bucht als für die Schwimmstrecke geeignet befunden sowie den Sportplatz am See und die Sportanlagen an der Realschule als mögliche Wechselzonen, wo die Athleten aus der Badehose und in die Pedale steigen könnten. Immerhin 2000 bis 3000 Räder müssten dann hier parat stehen. Die Radstrecke ginge wiederum durch den halben Landkreis. Verkehrstechnisch durchaus eine Herausforderung. Die Laufstrecke verliefe entlang des Ammersee-Ostufers, wahrscheinlich entlang des Rad- und Fußwegs nach Wartaweil.

Während Alexander Keim (FDP) und Wolfgang Schneider (SPD) die internationale „knackige“ Großveranstaltung für eine Tourismusregion wie das Fünfseenland für sehr passend erachteten und es aus Reihen der CSU hieß, die sechsstellige Zahl der Gäste während eines Ironmans stelle am Ende sicherlich auch einen großen finanziellen Gewinn für die Region dar, waren andere Gemeinderäte skeptischer. So erklärten Christiane Gruber (BGH) und Maximilian Grieshuber (Die Linke), dass die Gemeinde sowohl, was finanzielle als auch personelle Ressourcen angehe, durch ein derartiges Großevent über die Maßen gefordert wäre. „Wir drehen hier jeden Cent um“, mahnte Gruber, während Grieshuber dafür plädierte, sowieso schon belastete Berufsgruppen wie Sanitäter, Polizisten und Bauhofmitarbeiter nicht zu noch mehr Überstunden zu zwingen.

Geld ist keins da

Am Ende einigte man sich darauf, dass Herrsching zwar die Liegenschaften zur Verfügung stellen könnte, der von der Ironman Gmbh „erwartete, regionale Betrag von 250.000 bis 300.000 Euro“ jedoch keinesfalls von den Landkreisgemeinden aufgebracht werden würde, sondern ausschließlich über Sponsoring sowie Sach-und Dienstleistungen erbracht werden. Auf diese Bedingungen hatten sich Kreis und Gemeinden zuvor bereits festgelegt. Auch die benötigten mehrere tausend freiwilligen Helfer müsse die Ironman GmbH im Zweifelsfalle selbst auftreiben, beschloss man im Gemeinderat.

Mit zehn Gegenstimmen fasste das Gremium am Ende den Beschluss, die erforderlichen Prüfungen zur technischen, organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Machbarkeit zu befürworten. Am 28. Juli wollen die betreffenden Bürgermeister auf einer Dienstbesprechung dazu einen gemeinsamen Letter of Intent, also eine nicht verpflichtende Absichtserklärung, unterzeichnen.

Aloha Herrsching!

Sollten sich die eisernen Männer (und natürlich Frauen) tatsächlich in Zukunft auch in Herrsching verausgaben, würde dies, laut Vorgaben des Veranstalters, mindestens drei Jahre in Folge geschehen müssen. Die Sportveranstaltung von internationalem Rang würde also von 2028 bis 2030, voraussichtlich während der großen Ferien Ende August, Anfang September den Ammersee aufmischen und seine Umgebung in Bewegung setzen. Wer den Herrschinger Ironman in Bestzeit absolviert, qualifiziert sich im Übrigen für die WM auf Hawaii.

  • Neben dem Ironman in der Langdistanz soll auch der Ironman 70.3 ausgetragen werden. Dafür müssen „nur“ 1,9 km geschwommen, 90 km geradelt und 21,1 km gelaufen werden. Alle weiteren Infos gibt’s hier: IRONMAN Triathlon

17 Comments

  1. Aus meiner Sicht als Leiter einer Radsportabteilung halte ich diese Idee für nichts weiter als einen Aprilscherz. Es gibt kaum einen Ort, der für eine solche Veranstaltung weniger geeignet wäre als Herrsching. Die Lage am See mag zwar reizvoll sein, ist aber verkehrstechnisch völlig ungeeignet. Jede Radroute müsste entlang einer der sehr stark befahrenen Staatsstrassen verlaufen, was schlichtweg nicht machbar ist.

  2. Der Landkreis braucht Geld, genau deshalb halte ich das Projekt für so spannend. Der DATEV Challenge Roth erzeugt laut einer unabhängigen Studie jährlich über 16 Mio. € regionale Wertschöpfung und einen Medien- bzw. Werbewert von über 100 Mio. €. Solche Veranstaltungen sind ein echter Wirtschaftsfaktor und positionieren eine Region weltweit als Sportstandort. Wenn die Finanzierung ohne zusätzliche Belastung der öffentlichen Hand gelingt, wäre das aus meiner Sicht eine außergewöhnliche Chance.

    Quelle: DATEV Challenge Roth – Regionale Wertschöpfung und Medienanalyse: https://www.challenge-roth.com/de/lokale-wertschoepfung.html

    • Mit Interesse verfolge ich die Diskussion um einen möglichen Triathlon am Ammersee. Sportveranstaltungen können eine Bereicherung für eine Region sein – vorausgesetzt, sie werden so organisiert, dass Natur und Anwohner nicht zu den Verlierern werden. Vor einigen Wochen fand oberhalb von Herrsching ein Firmenevent im Wald statt. Als Spaziergängerin mit meinen kleinen Hunden wurde ich mehrfach von Sportlern auf schnellen Fahrrädern zum Ausweichen gezwungen. Der Wald, der für viele Menschen und Tiere ein Ort der Ruhe und Erholung ist, verlor für Stunden genau diese Qualität.

      Diese Erfahrung lässt mich fragen, welche Auswirkungen eine deutlich größere Sportveranstaltung hätte. Der Ammersee , die Seewege, seine Wälder sind kein beliebiger Veranstaltungsraum, sondern ein sensibler Natur- und Erholungsraum. Wer hier Sport treiben möchte, sollte dies mit Respekt gegenüber anderen und gegenüber der Natur tun.

      Ich wünsche mir deshalb, dass bei allen Planungen verbindliche Regeln gelten: klare Streckenführungen, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Natur, Rücksicht auf Fußgänger und Anwohner sowie eine konsequente Ahndung von Regelverstößen. Nur so kann ein sportliches Ereignis zu einem Gewinn für alle werden.

      Sport begeistert – aber Rücksicht und Naturschutz sollten dabei immer Vorrang haben.

      Patricia Wolf, Herrsching

      • Die Bedenken sind absolut nachvollziehbar. Ja, an einem Renntag wird es Einschränkungen geben – das lässt sich nicht vermeiden. Gleichzeitig sprechen wir über einen Tag im Jahr.

        Ich war selbst schon bei einigen Veranstaltungen dieser Art – als Teilnehmer und als Zuschauer – und habe die Stimmung auf und neben der Strecke immer als etwas Besonderes erlebt. Gleichzeitig habe ich erlebt, dass der Respekt gegenüber Natur, Anwohnern und Helfern in der Regel sehr groß ist.

        Herrsching hat das gerade erst gezeigt: Die Radstrecke des Triathlons am Wörthsee führte teilweise durch Herrsching. Ich war selbst Teilnehmer und wohne direkt an der Strecke. Was mir besonders aufgefallen ist: kein Müll, ein respektvoller Umgang und eine tolle Stimmung. Genau solche Erfahrungen machen mich optimistisch, dass Sport und Rücksichtnahme gut zusammenpassen können

    • Die Ausrichtung eines Ironman-Events bringt erhebliche Herausforderungen für die Kommunen mit sich. Auch wenn die Ironman GmbH Sach- und Dienstleistungen im Wert von 250.000 bis 300.000 Euro anfordert, sind die tatsächlichen Kosten für die öffentliche Hand oft weitaus höher. Der Einsatz von Mitarbeitern des Bauhofs und anderen kommunalen Angestellten führt zu Überstunden, die in vielen Fällen nicht durch Freizeitausgleich ausgeglichen werden können und somit direkt den Haushalt belasten. Darüber hinaus erfordert der Einsatz von hunderten Feuerwehrangehörigen zusätzliche Ressourcen und möglicherweise die Anschaffung neuer Gerätschaften, was ebenfalls eine finanzielle Belastung darstellt. Diese Aspekte verdeutlichen beispielhaft, dass die vermeintlichen Sachleistungen in der Realität erhebliche Kosten für die Kommunen nach sich ziehen und die wirtschaftliche Argumentation zugunsten solcher Großevents kritisch hinterfragt werden sollte.

  3. Herrsching wäre aus meiner Sicht ein perfekter Ironman-Standort. Kaum ein anderer Ort vereint einen so attraktiven See, eine hervorragende Erreichbarkeit per S-Bahn und die Nähe zu einer Millionenregion.

    Ein Ironman bringt internationale Aufmerksamkeit, zusätzliche Gäste für Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel und stärkt das Image Herrschings als Sport- und Tourismusstandort. Die verkehrlichen Einschränkungen dauern nur einen Tag – die positive Wirkung kann über Jahre bestehen.

    Ich hoffe sehr, dass alle Beteiligten diese Chance nutzen und gemeinsam eine Lösung finden.
    Ich würde mit anpacken.

  4. In Roth betreibt eine Firma den Challenge, ein Familien Unternehmen. Es ist unmöglich sowas ehrenamtlich zu stemmen. Natürlich aber auch mit vielen freiwilligen Helfern.

    • Welche Auswirkungen hätte eine deutlich größere Sportveranstaltung?
      Der Ammersee und seine Wälder sind kein beliebiger Veranstaltungsraum, sondern ein sensibler Natur- und Erholungsraum. Wer hier Sport treiben möchte, sollte dies mit Respekt gegenüber anderen und gegenüber der Natur tun.

      Ich wünsche mir deshalb, dass bei allen Planungen verbindliche Regeln gelten: klare Streckenführungen, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Natur, Rücksicht auf Fußgänger und Anwohner sowie eine konsequente Ahndung von Regelverstößen. Nur so kann ein sportliches Ereignis zu einem Gewinn für alle werden.

      Sport begeistert – aber Rücksicht und Naturschutz sollten dabei immer Vorrang haben.

      Patricia Wolf, Herrsching

  5. Vielleicht sollte man sich in aller Ruhe die Organisationsdaten der Triathlon Veranstaltung in Roth zu Gemüte führen. Hilfreich ist dabei der nachfolgende Link: https://www.challenge-roth.com/de/Angeberwissen-aus-der-Triathlon-Traumfabrik.html
    Auszugsweise ein paar Zahlen:
    – 15 Zelte mit 5626 Quadratmetern Fläche
    – Ein Eventboden mit über 5000 Quadratmetern Fläche
    – 72 Duschen und 479 mobile Toiletten
    – 400 Polizeibeamte / über 600 Feuerwehrleute / 500 Rettungsdienstkräfte / 7500 freiwillige Helfer
    Die Veranstaltung dauert 5 Tage.

    • Danke für die Zahlen und Fakten. Jetzt kann ich mir die die Dimensionen dieses Events vorstellen. Und das soll dann jedes Jahr stattfinden?

      • Nachtrag…Ironman ist immer ein Triathlon, aber nicht jeder Triathlon ist ein Ironmansport. Es liegt wohl am eisernen Regelwerk. Waere es für die sportliche Idee und den Breitensport im Landkreis nicht besser kein so kommerzielles und geschäftsorientiertes Landkreisevent zu unterstützen. Die Sportvereine in den Gemeinden sind doch recht engagiert.

        • Ich finde nicht, dass sich das ausschließt – im Gegenteil. Die Sportvereine leisten großartige Arbeit und bilden die Basis für den Breitensport. Ein IRONMAN kann genau diese Arbeit ergänzen: Er schafft Aufmerksamkeit, inspiriert Menschen, selbst mit dem Sport anzufangen, und bringt Besucher sowie Wertschöpfung in die Region. Viele Kinder und Erwachsene kommen gerade durch große Veranstaltungen erstmals mit Triathlon in Berührung und landen anschließend in den örtlichen Vereinen. Das eine lebt vom anderen – ein starkes Vereinsleben und ein internationales Leuchtturm-Event können sich hervorragend gegenseitig stärken.

          • Große kommerzielle Ironman-Veranstaltungen helfen dem Breitensport in Vereinen oft nicht, weil sie finanzielle Ressourcen binden, hohen organisatorischen Druck erzeugen und den fokussierten Kommerz über die lokale Nachwuchsarbeit stellen.

  6. Interessant was wir in Herrsching nicht alles auf die Beine stellen können, wenn „wir“ wollen.
    Darüberhinaus bin ich sehr gespannt wie sich das mit der geplanten Großbaustelle in der Summerstraße verträgt und wie weit fortgeschritten die Schließung der Schindelbeck Klinik ansteht . Hoffen wir das alle Beteiligten daran Freude haben und nicht nur ein paar wenige.

  7. Mich würde interessieren, warum nur Herrsching für diese Großveranstaltung geeignet ist. Leider wird das neben den finanziellen Problemen und der zusätzlichen ehrenamtlichen Belastung nicht genauer begründet. Kann Herr Schiller das noch mit seinem Sohn der Bevölkerung genauer erklären? Events dieser Kategorie finden doch eher in Großstädten statt. Eine Informationsveranstaltung der Antragsteller wäre sicher sinnvoll.

    • Liebe Frau Körner,
      Percha hatte man auch in Betracht gezogen, weil es dort auch Möglichkeiten gegeben hätte, Wechselstationen zu errichten. Doch die direkte Nähe zur Autobahn ist für den Start der Fahrradstrecke nicht sehr zuträglich. So hat sich Christian Schiller während der Gemeinderatssitzung geäußert.

  8. Tolle Nachricht. Ich war selbst Teilnehmer beim Iron man am Wörthersee in Kärnten und habe einige Iron men von Frankfurt bis Hawaii besucht. Die Veranstaltung sowie die Tage davor sind einfach nur fantastisch. Herrsching ist auf jeden Fall optimal geeignet und es wäre eine Bereicherung für unseren Ort. Es würde mich sehr freuen wenn es uns gelingen würde, die Veranstaltung nach Herrsching zu holen. Ich melde mich hiermit auch gleich als freiwilliger Helfer.

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