Der Leiter der Polizeiinspektion Herrsching, Winfried Naßl ( Zweiter von links) mit seinem Stellvertreter Marco Hoffmann, bei der Jahrespressekonferenz. Rechts der Dritte Bürgermeister von Herrsching, Wolfgang Schneider, und die neue Bürgermeisterin von Wörthsee, Sassa Bäumler. Wörthsee gehört wie Seefeld-Hechendorf und Inning zum Dienstbereich der PI Herrsching. Foto: Gerd Kloos

Unfallursache Handy: Polizei darf Telefon nicht auslesen

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Es kracht wieder öfter in Herrsching und Umgebung: Im letzten Jahr nahm die Polizeiinspektion Herrsching 2,7 Prozent mehr Unfälle auf – mehr als 1000 Mal gerieten Blech und Blech oder Blech und Mensch aneinander. Manchmal, und dann wird’s tragisch, endet die Fahrt auch an einem Baum. Die Mehrzahl der Unfälle fiel allerdings in die Kategorie Kleinunfälle mit geringem Schaden. Dramatisch zugenommen haben die Wildunfälle: 245 Mal kam ein Wildtier unter die Räder. Ebenso unerfreulich: Autofahrer, die andere Fahrzeuge angerempelt haben, stahlen sich im letzten Jahr 217 Mal davon, ohne am Unfallort zu warten. Und noch bedrückender: Nur jede dritte Unfallflucht wurde aufgeklärt.

Grafik: Polizei Herrsching

Bei den Unfällen gab es 133 Verletzte. Wie oft der Blick aufs Handy während der Fahrt Unfallursache war, lässt sich aus der Polizeistatistik nicht ablesen. Und selbst wenn es einen schweren Unfall gibt und das Handy verräterisch im Fußraum liegt, dürfe die Polizei das Telefon nicht auslesen – Datenschutz kontra Ermittlungsauftrag. Nur wenn es einen Anfangsverdacht auf fahrlässige Tötung gäbe, so der Herrschinger Polizeichef Winfried Naßl, wäre möglicherweise ein Check des Handys ein „Ermittlungsansatz“.

Drei tödliche Unfälle ereigneten sich 2025 im Dienstbereich der Inspektion Herrsching

Eine andere Art von „Sucht“ ist im Verkehr schon leichter nachzuweisen: Der Alkoholkonsum spielt auch in Herrsching und Umgebung eine Rolle. Bei zwölf Unfällen war Alkohol im Spiel (Vorjahr: acht). Und nun die gute Nachricht: 2025 wurden nur 18 Fahrer bei Alkoholkontrollen erwischt – genau halb soviel wie im Vorjahr. Ob das nun an der wachsenden Vernunft der Autofahrer oder aber an der geringeren Zahl der Kontrollen liegt, geht aus der Statistik nicht hervor.

Sind die Autofahrer vernünftiger geworden, oder gab es weniger Kontrollen: Die Zahl der Alko-Sünder nahm deutlich ab.

Drogen spielten praktisch keine Rolle, nur ein Fahrer wurde bekifft erwischt. Die Liberalisierung von Cannabis spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, weil Gras und Gas in Kombination nach wie vor verboten sind. Wenn bei einer Kontrolle der Verdacht auf Cannabiskonsum besteht, dann wird die Fahrerin beziehungsweise der Fahrer zum Urintest gebeten. „Das machen wir auf menschenwürdige Weise“, versichert Polizeichef Naßl.

Eine spannende Information steuerte der Bürgermeister von Seefeld-Hechendorf, Klaus Kögel, zum Thema Wildunfälle bei: Wildtiere mögen den Geruch von Bauschaum nicht. Deshalb hatten Unbekannte an der Inninger Straße Häufchen von Bauschaum auf die seitlichen Straßenbegrenzungspfosten gesprayt. Kögel erzählte, dass das Straßenbauamt natürlich nicht begeistert war von dieser unorthodoxen Vergrämungsmaßnahme. Deshalb habe man zurückversetzt Pfähle eingeschlagen, auf denen nun ein Bauschaumhäufchen Gerüche absondert, die Wildtiere vertreiben sollen. Es gäbe Hinweise, dass diese Methode wirksam sei. Der Schaum dient dabei lediglich als Trägermaterial (Depot) für geruchsintensive Substanzen. Durch UV-Strahlung öffnen sich die Poren des Schaums und geben über längere Zeit Düfte frei, die auf Wildtiere wie Reh- und Rotwild abstoßend wirken. Oft werden Mischungen verwendet, die Gerüche von natürlichen Feinden (Wolf, Luchs, Bär) sowie Mensch imitieren.

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