Kommt jetzt Dampf in das Herrschinger Geothermie-Projekt? Die Gemeinde Herrsching bietet der Projektfirma Erdwärme Herrsching nun einen Brunnen für die Bohrungen an. Wie berichtet, schlägt die Gemeinde einen neuen Bohrplatz für die Gewinnung des 120 Grad heißen Tiefenwassers vor: Gebohrt werden soll nun auf den Grundstücken, die für die neue Fusionsklinik Herrsching-Seefeld vorgesehen waren (Flurnummern 325,326, 327 und 329). Verwaltung und Gemeinderat stimmen darin überein, dass das Gebiet Herrschinger Moos zwischen Gewerbegebiet, Seefelder Straße und Pilsensee aus naturschützerischen Gründen nicht angetastet werden soll.
Die Grundstücke gehörten ursprünglich der Katholischen Kirche. Sie hatte das Gelände mit der Zweckbindung für eine Klinik an die Gemeinde veräußert. Inzwischen traf das O.K. der Kirche ein, dass die Grundstücke auch für ein Geothermieprojekt verwendet werden dürfen. Auch das Wasserunternehmen AWA sieht die Verwendung des Brunnens für das Bohrprojekt positiv.
Der Brunnen wird nicht mehr für die Trinkwasserversorgung benutzt. Er hat eine Förderleistung von 35 Liter in der der Sekunde. Wie der Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung mitteilte, müsse das Projektunternehmen Erdwärme Herrsching GmbH die Genehmigungen für die Nutzung des Brunnens in die Wege leiten. Ob der alternative Bohrstandort an der Seefelder Straße vom zuständigen Bergamt positiv gesehen oder sogar genehmigt wird, ist noch nicht bekannt.
Die Stellungnahme der Betreibergesellschaft Erdwärme Herrsching nach dem überraschenden Angebot eines neuen Bohrplatzes klang im März nicht begeistert. Wörtlich heißt es in einer Mail an herrsching.online: „Bislang kann die Gemeinde nicht beantworten, ob es sich beim Klinikareal überhaupt um eine belastbare Alternative handelt. Um diese Frage zu klären, müssten die Untersuchungen der vergangenen drei Jahre komplett neu durchgeführt und ausgewertet werden – mit offenem Ausgang, ob die Klinik-Grundstücke am Ende überhaupt geeignet wären.“
Die Untersuchungen zum Bohrplatzstandort im Norden von Herrsching seien dagegen ordnungsgemäß erfolgt und abgeschlossen. „Der Standort wurde umfassend fachlich geprüft. Der Prüfprozess hat mehr als drei Jahre in Anspruch genommen. Die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ist vollständig erfolgt.“ Der Bescheidsentwurf des Bergamts Südbayern (Regierung von Oberbayern) liege der Erdwärme Herrsching derzeit zur Stellungnahme vor und sehe die Zulassung des Hauptbetriebsplans für das Geothermieprojekt Herrsching am vorgesehenen Projektstandort vor.
Wie berichtet, besitzt die Gemeinde ein Grundstück, über das die provisorische Erschließungsstraße zum ursprünglichen Bohrplatz im Herrschinger Moos führen würde. Verwaltung und Gemeinderat sind allerdings nicht bereit, dieses Grundstück für die Erschließungsstraße zur Verfügung zu stellen.



