So ähnlich könnte eine Historientafel an den beiden umstrittenen Straßennamen aussehen. Die Fakten auf dem fiktiven Schild in der Fotomontage sind einem Dossier der Gemeindearchivarin Dr. Hellerer entnommen.

Geschichtsunterricht an belasteten Straßennamen?

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Die grüne Gemeinderatsfraktion will mit einer neuen Strategie die NS-belasteten Straßennamen wieder auf die Tagesordnung bringen: In einem Antrag an Verwaltung und Gemeinderat schlagen die sechs Grünen vor, an den umstrittenen Straßenschildern Madeleine-Ruoff-Straße und Erich-Holthaus-Straße Hinweisschilder „mit den wesentlichen Eckpunkten zur Person“ anzubringen. Auf diesen Tafeln sollen nicht nur die Kritikpunkte, sondern auch die Wohltaten der durch einen Straßennamen Geehrten vermerkt werden. Da die Forschungen der Historikerin und Gemeindeachrivarin inzwischen soviele negative biografische Details ans Licht gebracht haben, würde sich der uninformierte Betrachter allerdings fragen: Warum wird eigentlich eine Straße nach einer Person benannt, die so stark in NS-Machenschaften verwickelt war?

Begründet wird der Antrag damit, dass die Tafeln „einen Beitrag zur Befriedung der Bürgerschaft liefern würden“. Sie zeigten zudem die Offenheit der Gemeinde, kritisch mit den Namen aus der NS-Zeit umzugehen.

Zudem solle auf der Website der Gemeinde, auf der die Forschungsergebnisse von Dr. Friederike Hellerer zu lesen sind, das Gesamtbild der Person gewürdigt werden.

Antragsteller Gerd Mulert, der im Gemeinde- und Kreisrat sitzt, schreibt in seinem Antrag, dass in der letzten Gemeinderatssitzung gefordert worden sei, der Öffentlichkeit bestmöglich die kritische Historie rund um die beiden Straßennamen nahezubringen. „Die aktuell gewählte Form mit QR-Code an den Straßennamen ist zu wenig.“

Der Antrag müsste eigentlich dem SPD-Gemeinderat Wolfgang Schneider gefallen. Er argumentierte in der Gemeinderatssitzung, dass in drei Jahren niemand mehr wissen würde, warum man die Straße umbenannt habe. Deshalb forderte er ein „Erinnerungstool“, das könnte dann die Mulertsche Tafel sein – einen QR-Code gibt es schließlich schon.

Wie die Bürgergemeinschaft Herrsching den Vorschlag von Mulert aufnimmt, bleibt abzuwarten. Es gibt Hinweise darauf, dass sie die Initative der Grünen ablehnt. Gemeinderat Rainer Guggenberger hatte sich in der Gemeinderatssitzung vehement für eine Umbenennung der Straßen eingesetzt: „Mit einer Umbenennung wird ja niemand bestraft. Es fällt nur eine Ehrung weg.“ Dass die betroffenen Bürger Umbenennungen ablehnten, sei ja klar, dabei sei der Aufwand, die neue Adresse zu kommunizieren, mininmal. Zusammenfassend sagte er: „Wir feiern im Sommer das 1250. Gründungsjubiläum von Herrsching. Wir sollten deshalb endlich einen Schlussstrich unter die Sache ziehen.“

Auch die Sprecherin der BGH im Gemeinderat, Christiane Gruber, äußerte sich im Gespräch mit herrsching.online ähnlich: „Die Entscheidung, die jetzt gefallen ist, hat uns sehr geärgert, gerade, weil sie in Kenntnis aller Fakten passiert ist.“ Die Ratskollegen und der Bürgermeister hätten eine Rolle rückwärts vollführt, urteilt die BGH-Sprecherin. Gemeint ist damit, dass CSU, SPD, FDP sowie Schiller gegen das eigene Votum gestimmt hätten.

4 Comments

  1. „So etwas wie eine ‚Gnade der späten Geburt’ gibt es nicht, es gibt nur die Pflicht der späten Erkenntnis.“
    Beeindruckende Rede von Hape #Kerkeling heute zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ #Buchenwald.

    • Waere es nicht sinnvoll dem Herrschinger Gemeinderat einen Besuch des KZ Buchenwald zu empfehlen. Was für Schulklassen gut ist, koennte auch dem Herrschinger Gemeinderat helfen, wenn es um NS Vergangenheitsbewaeltigung geht. Eine Umbenennung nur aus der Tagespolitik der Anwohner heraus zu entscheiden, wird der Sache nicht gerecht.

  2. Die KI Montage mit der Informationtaffel ist sehr anschaulich und kann bei Ortsfuehrungen und Exkursionen fuer Schüler und Erwachsene zum Nachdenken anregen. Ich wage zu behaupten, dass es der vorerst abgewählten Umbenennung für die naechsten Zeit als Uebergangsloesung dienen könnte. In dieser Kombination wird eindeutig nichts vertuscht.

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