Bohren statt Operieren: Auf dem Gelände für die Klinik Herrsching-Seefeld (die Pläne sind inzwischen eingestampft worden) könnte nach den Vorstellungen des Gemeinderates die Geothermie-Bohrung stattfinden. Nördlich der geplanten Klinik-Zufahrtsstraße (also am unteren Bildrand) sollen keine Industrieansiedlungen erlaubt sein.

Geothermie-Firma kritisiert „Blockade-Haltung“ des Rathauses

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In der Erde kocht das Wasser, in Herrsching kochen die Emotionen: Rathausspitze und Gemeinderat hatten in einer nichtöffentlichen Sitzung einen neuen Bohrplatz für die Geothermie vorgeschlagen. Begründung: Man will das sogenannte Herrschinger Moos, in dem sich auch landwirtschaftliche Flächen befinden, von industrieller Nutzung freihalten. Die Erdwärme Herrsching GmbH, die über die Bergrechte zur Ausbeutung von geothermischen Vorräten verfügt, lehnt aber den vorgeschlagenen neuen Bohrplatz in der Nähe der Seefelder Straße gegenüber des Wohngebietes „Weinberg“ ab.

Auf dem eingerahmten Gelände sollte die neue Klinik entstehen. Die kommt nun nicht, das rot eingerahmte Gemeindegrundstück plus das Grundstück darunter könne für die Geothermie-Bohrstelle verwendet werden, sagt die Gemeinde.

Begründung: Für den neuen Standort wäre ein „komplett neues Genehmigungsverfahren erforderlich“. Das Problem für die Geothermie-Gesellschaft: Die temporäre Kiesstraße zur Erschließung des Bohrgeländes würde über Gemeindegrund führen. Dazu sagt der Gemeinderat Nein. Nun ist die alte Pattsituation wieder hergestellt. Nachdem Bürgermeister und Gemeinderatsvertreter in herrsching.online ausführlich zu Wort kamen, veröffentlichen wir nun auch die Gegenargumente der Erdwärme Herrsching GmbH. Der folgende Text in Anführungszeichen stammt wörtlich von der Erdwärme Hersching GmbH & Co. KG. Die Redaktion kann die darin enthaltenen Behauptungen nicht unabhängig überprüfen.

„Umfassende Analysen belegen die Eignung des Ackers“

„Nach einem über dreijährigen, intensiven Selektions- und Prüfprozess kann festgestellt werden: Die vorliegenden Fachgutachten bestätigen lückenlos, dass alle strengen gesetzlichen Anforderungen zum Schutz von Mensch und Natur am Projektstandort erfüllt und vollumfänglich gewahrt werden.

• Umfassende Analysen zum Lärm-, Natur-, Umwelt- und Anwohnerschutz belegen die uneingeschränkte Eignung des Ackers. Sowohl in der Bauphase als auch im laufenden Betrieb ist die Einhaltung höchster Standards für Anwohner und lokale Ökosysteme sichergestellt. Dieses Projekt ist ein essenzieller Baustein für die regionale Klimawende und trägt damit zum Umweltschutz maßgeblich bei.

„Für eine neue Evaluierung wäre ein komplett neues Genehmigungsverfahren notwendig“

Die Aussage von Bürgermeister Christian Schiller, für die Evaluierung der Klinikflächen seien lediglich „wenige ergänzende Gutachten“ erforderlich, ist fachlich unzutreffend. 
• Für eine seriöse Evaluierung müsste ein komplett neues Genehmigungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern (Bergamt Südbayern) durchlaufen werden, einschließlich aller notwendigen Untersuchungen und Planungen – etwa zum Umwelt-, Natur- und Anwohnerschutz sowie zur Bohrplanung und zum Bau des Bohrplatzes.

• Das Klinikareal unterlag zum Zeitpunkt der Standort-Planung einem rechtsgültigen Flächennutzungsplan mit der Ausweisung „Sondergebiet Klinikum“. Diese Festsetzung, die bis heute fortbesteht, schließt anderweitige Projekte auf den Klinikflächen aus. Bislang kann weder der Bürgermeister noch einer der Gemeinderäte beantworten, ob es sich beim Klinikareal überhaupt um eine belastbare Alternative handelt. 

„Selbst der Bürgermeister hat den Klinikstandort als ungeeignet bezeichnet“

Hinzu kommt, dass Bürgermeister Schiller den Standort Klinikareal bereits selbst öffentlich als ungeeignet für ein Tiefengeothermie-Projekt bewertet hat.

• In einer von ihm einberufenen Pressekonferenz zum Tiefengeothermie-Projekt äußerte er gegenüber der Süddeutschen Zeitung 2021:  “Und Herrschings Bürgermeister Christian Schiller hält den als Erstes anvisierten Standort nördlich vom Ort an der Seefelder Straße [Klinikareal] für ungeeignet. „Vom Gemeinderat wird das Vorhaben an dieser Stelle äußerst kritisch gesehen“, sagte er bei einem Pressegespräch zum Tiefengeothermie-Projekt. Abgesehen von städtebaulichen Überlegungen, ob man Bohr- und Förderturm am Ortseingang positioniert sehen möchte, sei das geplante Kraftwerk 400 Meter von einem Naturschutzgebiet entfernt.

Die Distanz zur nächsten Wohnbebauung betrage sogar nur 50 Meter. Schiller argwöhnt, dass die Bewohner während der Bohrung und im Betrieb erhöhten Geräuschimmissionen ausgesetzt wären.” (Quelle laut EWH: SZ 2021).

„Temporäre Kiesstraße wird vollständig zurückgebaut“

Erschließungsweg von der Seefelder Straße zum ursprünglichen Bohrplatz. . Das Problem für die Geothermie-Gesellschaft: Ein Teil des Weges führt über Gemeinde-eigenen Grund. Zeichnung Gemeinde Herrsching

Die geplante temporäre Umgehungsstraße wird als einfache Kiesstraße auf landwirtschaftlichen Flächen angelegt und kann nach Abschluss der Bohrarbeiten vollständig zurückgebaut und renaturiert werden. Alle betroffenen Eigentümer haben ihre Zustimmung gegeben. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Lösung in einem gemeinsamen Termin mit der Gemeindeverwaltung und den Bürgermeistern 1, 2 und 3 abgestimmt wurde und sogar von der Gemeinde vorgeschlagen wurde. 

Die aktuelle Blockade-Haltung widerspricht den Vereinbarungen mit der Gemeinde. Wir appellieren an die Verantwortung der Gemeinde, die im Sommer 2025 getroffene protokollierten Vereinbarung zum 200-Meter-Weg einzuhalten.“

So würde der Bohrplatz aussehen. Der Betreiber müsste eine zehn Meter hohe Schallschutzwand errichten.

10 Comments

  1. Jetzt wäre es gut, wenn jemand Herrn Schiller, Herrn Finster, Herrn Gerweck, Herrn Schneider, Frau Reich, Herrn Bader, Herrn Weinen und den anderen Personen die Informationen über ihren neuen „Bohrungsvorschlag“ zusenden könnten. Sie haben wohl vergessen, dass sie dieses Gelände vor Jahren als ungeeignet selbst verworfen haben. Es wäre schon seltsam, wenn nun die Geothermiefirma auf diesen unseriösen Vorschlag eingehen würde. Gut, dass der Pressetermin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Vielleicht setzt sich Herr Schiller nocheinmal mit den Investoren an den Verhandlungstisch und bespricht die Sachlage ohne Zeitungspresse.

  2. Der Konflikt zeigt ein grundsätzliches Problem:
    Wie attraktiv ist ein Standort für Investoren, wenn Entscheidungen immer wieder infrage gestellt oder verzögert werden? Wer über Jahre plant, Gutachten erstellt und sich auf Absprachen verlässt, braucht Planungssicherheit – keine ständig neuen Hürden.

    Am Ende stellt sich die Frage: Warum sollte ein Unternehmen in/an einem Ort investieren, wenn der öffentliche Partner nicht als zuverlässig wahrgenommen wird? Es überrascht kaum, dass unter solchen Bedingungen Gewerbe in Herrsching eher abwandert, statt sich langfristig zu binden.

  3. Es ist äußerst aufschlussreich, die Aussagen von Herrn Schiller im Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 01.02.2021 und im Bericht von Herrsching Online vom 23.03.2026 zu vergleichen. Der Leser kann sich nach der Lektüre der beiden Berichte ein eignes Urteil bezüglich der Glaubwürdigkeit des Herrschinger Bürgermeisters bilden.

  4. Das ganze Manöver sieht wieder einmal nach typischer Schiller-Wende aus. Zustimmen und dann durch Verwaltungs- und Politikertricks verhindern. Keine Vision ist eben auch kein Plan, so sieht zumindest beim kommunalen Energiemanagement in Herrsching aus. Keine Windkraft, Schlusslicht in der Photovoltaik, Kessellage die Hackschnitzel oder sonstige thermische Anlagen verbieten. Da bleibt nur Strom und der kommt laut BGM aus der Steckdose.

  5. Joachim Meyerhoff nennt eines seiner Bücher „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Wenn man nun anschaut, was sich in Bezug auf Bahnhof, Geothermie, Aufarbeitung der Vergangenheit etc. in Herrsching tut, beschleicht einen das Gefühl, man wartet auf das niemals Existierende, und verhindert so lange jeglichen Fortschritt. Man ist dann vermeintlich auf der sicheren Seite, aber die Welt ändert sich halt auch, wenn die Gemeinde entscheidet, dass es endlich wieder so werden muss, wie es nie war.

  6. Ich verstehe die Blockadehaltung der Gemeindevorstände überhaupt nicht.
    Fakt ist : Wir brauchen eine alternative Wärmeversorgung
    Fakt ist : Geothermie ist sicher, nachhaltig und technisch leicht zu realisieren (funktioniert an unzähligen Standorten in Deutschland)
    Fakt ist : Wir wollen unabhängig von anderen Ländern im Energiesektor sein
    Fakt ist : eine zentrale Versorgung ist effizienter, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht
    Fakt ist : Ein Wärmenetz kostet immer gleich, egal ob Seethermie oder Geothermie, das Netz könnte dann ja auch eventuell von mehreren Wärmeerzeugern gespeist werden …..

    Warum sollte man das nicht machen?
    Ich verstehe diese Diskussion nicht !
    Vielleicht kann mir das jemand erklären?

    Ich wäre bei der Geothermie sofort dabei.

    • Ich stimme Ihnen zu und sehe auch ratlos zu, wie die politisch Verantwortlichen diese sehr gute, ökologische Chance für uns alle wegwerfen. Das Geothermieteam macht einen guten Job. Warum der Vorschlag von Herrn Schiller? Diese Alternative ist nicht besser, sondern sogar schlechter.

  7. Wenn die Vertreter der Gemeinde ein Scheitern der Geothermie in Herrsching provozieren, dann tragen sie die Verantwortung für eine Wärmeplanung mit fossilen Brennstoffen. Schon jetzt zeigt sich, dass das für die Bürger sehr teuer ist und dem Klima optimal schadet. Der Zugspitzgletscher schmilzt nicht mehr, er ist schon weg.

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