Erstmals im Gemeinderat: Nikolaus Eisenblätter (BGH)

„58,7 Prozent Nicht-CSU-Wähler bedeuten Veränderungswillen“

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Nach der Wahl ist vor der Qual: Wie werden sich SPD, der FDP-Mann und der Bürgermeister bei einem Stimmenpatt verhalten? (CSU und Opposition aus Grünen, BGH und Links-Partei stehen sich zehn zu zehn gegenüber). Dazu meldet sich nun der neue Gemeinderat Nikolaus Eisenblätter, frisch gewählt und stolz auf sein Wahlergebnis, zu Wort. herrsching.online hat nach der Wahl die Parteien zu Interviews eingeladen.

herrsching.online: Der künftige Gemeinderat könnte, wenn die CSU geschickt Mehrheiten organisiert, eine konservative Agenda durchsetzen. Aber auch Grüne, die Bürgergemeinschaft, der linke Gemeinderat und die SPD hätten zusammen Gestaltungsmehrheiten. Wohin geht die Reise in Herrsching?

Eisenblätter: 58,7 Prozent haben nicht die CSU gewählt, sondern Parteien und eine Gruppierung aus dem Spektrum links,  ökologisch und liberal. Ein Ergebnis, das Veränderungswillen ausdrückt. Da sehe ich auch einen Wählerauftrag. Nun geht es darum, dieses Wahlergebnis auch entsprechend zu organisieren. Da hoffe ich auf unseren gemeinsamen Gestaltungswillen. Das wird eine besondere Herausforderung in den nächsten Jahren. Christian Schiller hat ein Spitzen-Ergebnis erreicht, aber zur Wahrheit gehört auch, dass mehr als jeder Dritte sich für einen Wechsel ausgesprochen hat.  

herrsching.online: Wie ist die Gefühlslage, so auf Anhieb in den Gemeinderat einzuziehen.?  War’s Ihr in Herrsching bekannter Name, Ihr Interview bei herrsching.online mit klugen Antworten?

Eisenblätter: Das Interview selbst war eine gute Gelegenheit, meine Positionen klar zu machen. herrsching.online leistet als digitale Tageszeitung eine wichtige Unterstützung für die Demokratie hier vor Ort, da sie eine Öffentlichkeit herstellt. Für das, was hier in der Gemeinde passiert. 

Ich freue mich sehr über das in mich gesetzte Vertrauen. In den vergangen Tagen habe ich auch persönlich im Ort viel Zuspruch erhalten. Ich verstehe das als Mandat, mich für Herrsching mit meiner Kraft und Haltung einzusetzen.  Zum einen freue ich mich über den Einzug, ich hätte mir jedoch ein weniger konservatives Ergebnis gewünscht.  

herrsching.online: Ihre Fraktionssprecherin Gruber hat 221 Stimmen weniger bekommen, obwohl sie im Gemeinderat eine sehr wichtige Rolle gespielt hat – haben die Wähler ökologische Positionen abgestraft?

Eisenblätter: Das sehe ich nicht so. Mit 2.697 Stimmen hat Christiane Gruber wieder ein sehr gutes Ergebnis eingefahren. Auch wenn wir uns mehr erhofft haben, ist es ein Erfolg, dass wir unsere vier Sitze gehalten haben. Ich hatte allerdings mit mehr gerechnet.  

herrsching.onlineDie CSU hat 7,6 Prozent dazugewonnen. Wie erklären Sie sich das?

Eisenblätter: Dramatisch würde ich das nicht nennen. Es sind zwei Sitze mehr für die CSU, aber auch schon im aktuellen Gemeinderat entsprach das Abstimmungsverhalten oft diesem Wahlergebnis. Herrsching ist doch in Teilen sehr konservativ. Durch die Unterstützung von Christian Schiller durch die CSU ist auch hier Klarheit geschaffen. Ich denke, dass die Leute in der aktuellen Gesamtsituation zudem eher auf Altbekanntes setzen als auf Veränderung. Auf der anderen Seite muss man sich fragen, wohin die Stimmen der Parteien gewandert sind, die nicht im Herrschinger Gemeinderat vertreten sind. 

herrsching.online: Rein rechnerisch gibt es eine Pattsituation zwischen der CSU und Grünen, BGH und Linkem. Auf welche Seite werden sich jeweils SPD, FDP und Bürgermeister schlagen?

Eisenblätter: Ich hoffe, dass wir im Gemeinderat eine konstruktive und offene, auch mal kontroverse Diskussion für die Entwicklung von Herrsching haben. Da ist auch die FDP dabei. Und ich baue darauf, dass auch die SPD nicht im Sinne einer Großen Koalition denkt, sondern im Sinne der Sache und dem sozialdemokratischen Kern. Die SPD ist eine Partei der Veränderung. Ich baue darauf, dass wir gemeinsam stabile Mehrheiten aufbauen können, die nicht per se vom Bürgermeister organisiert werden. Von Grund auf haben wir da einen guten Hebel. Es spricht ja auch nichts dagegen, dass man fraktionsübergreifend zu Entscheidungen findet. Wir brauchen den Diskurs. Vom „Bürgermeister für alle“ wünsche ich mir eine entsprechende Zusammenarbeit und eine neutrale Agendaplanung.  

2 Comments

  1. Es wird spannend sein zu sehen, ob Wolfi Schneider und die SPD wieder den dritten Bürgermeister stellen wollen, oder ob man sich die Freiheit einer glasklaren Opposition gönnt, die Veränderung anstrebt.

    • Warten wir doch einfach mal ab – wo tendieren SPD und FDP ab Mai hin? Eventuell hängt es auch von der zu treffenden Entscheidung im Gemeinderat ab, wie sich wer entscheidet. Jetzt schon Prognosen aufzustellen, halte ich für voreilig. Oder geht der Wahlkampf seitens der Wähler jetzt weiter?

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