Der serbische Angeklagte im Gerichtssaal des Landgerichts München II. Foto: Gerd Kloos

Bundesgerichtshof bestätigt Urteil gegen Kohlstatt-Mörder

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Der Mörder des Herrschinger Rentners, der im August letzten Jahres zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden war, wird keine zweite Chance auf einen Prozess bekommen: Der Bundesgerichtshof hat die Revision des Verteidigers verworfen. Das Landgericht München II unter dem Vorsitz von Richter Thomas Bott hatte in dem Urteil auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Der Serbe Nicola Z. hatte vor der Urteilsverkündung durch seine Dolmetscherin eingestehen lassen, er habe „Scheiße gebaut“. Der Verteidiger hatte auf Totschlag plädiert.

Staatsanwalt Enzler hatte sich im Prozess für sein detailgenaues Plädoyer eine Stunde Zeit genommen. Er wechselte immer wieder die Perspektive, um jedes mögliche Motiv auszuleuchten. Enzler stellte an den Anfang seiner Ausführungen ein Zitat der Witwe des Opfers, das eine gewaltige psychologische Wucht hat: „Unser Leben“, so die Nebenklägerin, „wurde zerstört, ich weiß nicht, ob ich lange genug leben werde, um diese Tat zu verarbeiten.“

Der Verteidiger hatte gleich nach dem Urteil im Gespräch mit herrsching.online verkündet, dass er höchstrichterlich überprüfen lasse, ob eine besondere Schwere der Schuld vorliege. Auf die Frage an den Verteidiger, wer denn die Revisionskosten trage, der Verurteilte habe ja bekanntermaßen kein Geld mehr, sagte er zu herrsching.online: „Sie und ich tragen die Kosten.“ Er meinte damit den Steuerzahler.

„Wie geht’s mir nach dem Urteil? Nicht besser“

Die Witwe des ermordeten Autodesigners hat sich nach dem Urteil des Schwurgerichts den Fragen der Presse gestellt. Es war eine mutige, tapfere Entscheidung, nach Wochen der Wut über den Mörder und des Schmerzes über den Verlust ihres Mannes Auskunft über ihre Empfindungen zu geben. Sie hatte sich zusammen mit ihren Stiefsöhnen sieben lange Prozesstage immer wieder den Details dieser schrecklichen Tat ausgesetzt, durchlebte in den Aussagen der Nachbarinnen und Nachbarn, des Pathologen, des psychiatrischen Sachverständigen und der ermittelnden Kripo-Beamten immer wieder die entsetzlichen Sekunden, als der 22-Jährige wie im Rausch auf ihren Mann eingestochen hatte. Das Gespräch mit der Witwe wurde zusammen mit RTL vor dem Gerichtsgebäude geführt.

Wie gehts Ihnen denn nach dem Urteil der Großen Strafkammer jetztos?

Erst eimal bin ich spontan erleichtert, dass ein ansprengendes Jahr mit der Urteilsverkündung ein Ende gefunden hat. Wie geht’s mir? Nicht besser. Ich habe meinen Mann verloren, ein Urteil kann ein Menschenleben nicht zurückbringen. Mir war aber wichtig, dass das Urteil für die Gesellschaft ein Zeichen setzen wird.

Macht das Urteil jetzt etwas mit Ihnen?

Ich war an jedem Prozesstag hier, ich habe mir angehört, wie die Prozessführung war. Die Beweisführung war sehr beeeindruckend. Die Arbeit der Kriminalpolizei und des Staatsanwaltes mit seinem Team war hervorragend. Ich fand mich auch von den Richtern gehört, dass der Schmerz gehört wurde. 

Sind Sie mit dem Urteil zufrieden?

Es ist das Maximale erzielt worden, was die deutsche Rechtsprechung hergibt. Ich habe mich sehr stark mit der Rechtsprechung auseinander gesetzt, und ich denke, dass es dem Gericht mit dem Vorsitzenden Bott gelungen ist, das Urteil Revisions-fest zu machen.  Hoffe ich auf jeden Fall. Und dafür bin ich dankbar. Und ich hoffte, dass diese menschliche Hülle ein Leben lang im Knast bleibt. 

Sie haben dem Angeklagten mehrere Tage ins Gesicht schauen müssen. Wie ging es Ihnen dabei?

Ich habe mir viele Fragen gestellt. Mein Mann war sehr empathisch, ich bin sehr empathisch, aber ich frage mich, wie jemand so brutal pervers sein kann und so etwas einem anderen Menschen antun kann, den er nicht kennt.  Das ist komplett steinzeitlich,  das ist nicht mal mittelalterlich. Jemand kommt mit 15 000 Euro cash von Belgrad nach Deutschland und zieht dann aus, um sich noch mehr zu bereichern.  Verblendete Habgier.

Wie haben Sie sich auf den Prozess vorbereitet?

Das kann sich kein Mensch vorstellen, was das für uns bedeutet hat. Ich war bei meiner ersten Vernehmung eineinhalb Meter vom Killer meines Mannes entfernt, der mir alles genommen hat, was mir etwas bedeutet hat, aber mir fehlen einfach die Worte, es ist furchtbar.  Ich fand es erschütternd, wie der Tägter die Zeugen taxiert hat, wie er den Kassierer des Edeka-Marktes mit einem mokanten Lächeln bedacht hat,  keine Reue, keine menschliche Regung. 

Was sagen Sie dazu, dass er keine Reue gezeigt hat?

Wenn man Reue zeigt, wenn man mit den Konsequenzen konfrontiert ist wie bei seinem Schlusswort,  und wenn man von dem Verteidiger gefragt wird, ob man ein Entschuldigungsschreiben haben möchte,  das dem Angeklagten bei der Traumabewältigung helfen könnte,  ist das zynisch, das ist eine Verhöhnung der Opfer.

Können Sie jetzt wieder, nachdem das Urteil gefallen ist, mehr in die Zukunft blicken?

Ich wünsche mir, dass das Urteil sehr viele Menschen aufrütteln wird.  Dass die Leute verstehen, was passieren kann von hier auf jetzt. Mein Mann und ich waren eigentlich vorsichtige Menschen, und dann kommt das Böse in Ihr Haus, in unser friedliches Leben. Mein Anliegen ist nun, dass die Menschen mehr aufeinander aufpassen. 

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