Reuther im Rathaus: Der Herrschinger Fotograf stellt Bilder von seinen Reisen mit dem Wissenschaftler, Abenteurer und Entdecker Michael Martin aus: Die große Welt zu Gast im heimeligen Herrsching.

Die große Welt im kleinen Saal

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Seine Referenzen sind ein Who ’s who der besten Medien- und Mobilitätsadressen: BMW, Dachser, BR, Arte, Geo, Merian, Spiegel online. Und für Freunde der gehobenen Lifestyle-Schinderei hat er viele Sportmagazine wie BIKE im Portfolio: Jörg Reuther, Franke und Wahlherrschinger, hat seit Januar einen kleinen Ausschnitt seines fotografischen Schaffens im Rathaussaal ausgestellt. Mit seinen Bildern ist ein berühmter Name verbunden: Reuther war 40 Mal mit dem Welt-Eroberer Michael Martin auf Reisen und hat Tausende von Bildern aus Kenia, Äthiopien, aus Sibirien, der Mongolei, aus Wüsten und aus Tiefkühl-Regionen mitgebracht.

Eigentlich wollte Jörg Reuther Kameramann werden, die Hofer Filmfestspiele haben seine Liebe zum Bild geweckt. Schon im zarten Alter von acht Jahren hatte er mit seiner ersten Kamera versucht, die Welt um ihn herum in Bildern einzufangen. Der Lebensweg führte ihn dann aber erst einmal auf akademische Pfade. Er studierte Geologie, vielleicht eine gute Grundlage, die Welt besser zu verstehen. Seine ersten Schritte in die professionelle Fotografie machte er mit Bildern von Windhosen auf Elba, die aus dem schwarzen Himmel kamen. Das Wassersportmagazin SURF kaufte damals die Fotos. Reuther begann zu begreifen, dass er ein außergewöhnliches Talent für geniale Bildausschnitte hatte. „Tatsächlich braucht man für die Fotografie Talent“, sagt er in aller Bescheidenheit. Wer dieses Talent nicht hat, bleibt ein Leben lang Knipser.

Eine Begegnung, die sein Leben auch prägen sollte, war das Treffen mit dem Fotografen und Vortragskünstler Michael Martin, der im Seewinkel einen seiner später berühmten Diavorträge hielt. Die beiden, Reuther, Geologe, und ebenfalls mit dieser wohl genetisch bedingten Neugier auf das Neue ausgestattet, und der klassische Explorer Martin, studierter Geograf, aus Gersthofen in Bayern, verstanden sich auf Anhieb. „Michael Martin ist Wissenschaftler, Abenteurer und Entdecker, Fotograf, phantastischer Geschichtenerzähler – und ein kongenialer Freund, wie es ihn kein zweites Mal gibt“, sagt Reuther. Zwischen den beiden stimmte die Chemie – auch dank Reuthers ausgleichendem Wesen und seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit. Außerdem sind beide hart im Nehmen. „Wo wir schlafen, was wir essen, war nicht wichtig“, erzählt Reuther in seiner unaufgeregten fränkischen Gelassenheit, „wichtig war uns nur das beste Licht fürs Foto.“ Für das bestausgeleuchtete Bild steht ein Profi auch gerne weit vor Sonnenaufgang aus und ist auch beim Fortbewegungsmittel nicht wählerisch.

Auf den Reisen rund um die Erde nahmen die beiden extreme Strapazen in Kauf. Bei der Suche nach einer Rentierherde in Sibirien jagten sie sechs Stunden mit einem Motorschlitten durch gottverlassene Landschaften, stürzten, rappelten sich wieder auf und fuhren weiter. In den Bergen mit schwerem Equipment herumzustiefeln, erfordert neben der nötigen Besessenheit hohe körperliche Fitness.

Dramen frei Haus: Der Himmel kündigt Unheil aus Nordwest an. Foto: Jörg Reuther

Besondere „Skills“, wie das heute heißt, Fächigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Empathie oder auch Respekt vor Menschen braucht ein Fotograf für die Portraits von Menschen. „Bevor man die Kamera rausholt, muss man mit den Menschen, die man ablichten möchte, eine Beziehung aufbauen“, sagt Reuther, „bezahlt habe ich für ein Portrait nur mit Freundlichkeit und Geduld – nie mit Geld.“ Bei Kindern hat es ein einfühlsamer Fotograf sogar noch leichter, in der Mongolei gelten zudem die deutschen Datenschutzbestimmungen nicht.

Reuther hat sich auch früh der Drohnenfotografie gewidmet und anfangs viel Lehrgeld bezahlt: In den Anfängen trugen die Flugmaschinen noch ganze Fotoapparate, und wenn eine Drohne schlapp machte, versank mit dem Fluggerät die ganze teure Spiegelreflexkamera. Heute steuert Reuther die surrenden Spione mit der Virtuosität eines Kunstflugpiloten. Auch herrsching.online hat davon profitiert: Reuther überflog das im Bau befindliche Herrschinger Gymnasium so virtuos, dass man schon mal einen Blick ins Innere der teuersten Baustelle des Landkreises erhaschen konnte (war übrigens vom Bauherrn gestattet worden).

Für dieses Foto musste Reuther seine Drohne nicht weit fliegen lassen, er wohnt mit Familie in Wartaweil.

Am schwierigsten ist bei Reisen mit Drohnen aber der Zoll in fremden Ländern. Staaten mit paranoidem Verfolgungswahn vermuten schon mal Spionageabsichten, wenn sie die surrenden Flugaugen sehen. In der Türkei wäre das beinahe schief gegangen.

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